#kurzhalt

bissiges Dazwischengequatsche

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Zufriedene Marionetten

Macht das Leben (noch) Spaß? Kann, darf, soll es das überhaupt? Und wenn, können wir Leben noch leben oder haben wir dessen Inhalt vergessen? Oder verlernt? Haben wir das Wissen darum nicht längst den Ansprüchen der Wirtschaft geopfert, deren einziger Inhalt Profitsteigerung ist und uns zu Melkkühen reduziert? Mit dem Unterschied, dass Kühe keine Wahl haben. Oder wurde uns Sinn und Nutzen einer Wahl erfolgreich ausgetrieben? Vielleicht haben wir die Option auch schlicht aufgegeben, weil es einfacher ist Vorgaben zu folgen. Bei genauer Betrachtung liegen Wohlstand und Armut in den Händen weniger Agitatoren, deren primäres Ziel ist, uns am Nachdenken und Erkennen zu hindern. Die uns mit Überfluss gefügig machen, um uns bei Laune zu halten und damit unsere Abhängigkeit verborgen bleibt. Unser Benutzererlebnis wird von den Anbietern diktiert. Individualität ist nur noch eine Eigenschaft zur Verkaufsförderung. Zum Objekt degradiert, messen Börsenkurse unsere Daseinsberechtigung und wirtschaftliche Tauglichkeit. Alle natürlichen Ressourcen werden hemmungslos ausgequetscht und dazu zählt auch der Mensch. Trotz der mit uns erzielten Gewinne realisieren wir unseren Wert nicht. Gedankenlos verschenken wir unser Sein. Hinterrücks geködert mit der selbst verursachten Leere in unserem Leben, simulieren soziale Medien eine Bühne für unsere Sehnsucht nach Bedeutsamkeit und Wertgefühl. Dabei verantworten wir den Verlust unserer Persönlichkeit selbst. Einfach “leben” geriet zu gewöhnlich, inhaltslos und langweilig. Auf dem Silbertablett boten wir unser Leben feil. Gerne griff die Wirtschaft zu und injizierte uns umgehend einen Cocktail aus Konsumrausch und Stumpfsinn. So dient der Großteil der Erdbewohner lediglich als Spielball und/oder Verhandlungsmasse der Strippenzieher. Das Menschliche mutiert zu einer Illusion, um irgendwann als Relikt entsorgt zu werden. Scheinbar zufrieden hängen wir willenlos an den Fäden der Mächtigen und plappern gedankenlos deren Argumente nach. Ganz, wie es sich für leblose Marionetten geziemt. Und dieses Leben gefällt und ist erstrebenswert?

15.04.2018 | Leben

BILDungsfern

Die Wahrheit ist nicht des Menschen liebstes Kind, obgleich die Lüge verteufelt wird. Diesen Konflikt löst Ignoranz. Entweder ausblenden, dass man für Dumm verkauft wird oder Unwahrheiten akzeptieren, weil sie ins eigene Weltbild passen … oder beides. Am ehesten zeigen dieses Verhalten Menschen, deren Interesse an Bildung und Wissen begrenzt ist. Widersprüchlich scheint, dass “Fake News” Vorwürfe hauptsächlich aus dieser Gruppe stammen. Aber alles, was nicht ihrer Meinung entspricht, kann nur Schwindel sein. Keimzellen ihrer einseitigen Haltung sind nicht unbedingt Zeitungen, Zeitschriften oder Fernsehsendungen, sondern vermehrt im Internet aufgeschnappte Meldungen, die von selbst erwählten Lieferanten zugetragen werden. Allen gemein ist die Ferne zu einem in Ansätzen neutralen Journalismus oder ursächlicher Recherche. Vorzeigebeispiel und beliebteste Quelle aus diesem Bereich ist BILD in allen Darreichungsformen. Obgleich deren Verlagshaus eine eigene und anerkannte Journalistenschule führt, praktiziert BILD das Gegenteil eines seriösen Journalismus’. Es muss die Frage erlaubt sein, ob der Mensch dahinter keine Ehre hat, um täglich diesen hanebüchenen Mist zu publizieren? Wahrscheinlich überwiegt das animalische Gefühl der Dominanz, mit dem verzapften Blödsinn für ordentlich Aufregung und Aufruhr zu sorgen. Den Menschen nach dem Mund quatschen und Stimmungen zum eigenen Vorteil nutzen und aufheizen, ist Populismus, aber kein Journalismus. Neben BILD schlagen noch weitere Publikationen in diese Kerbe. Von triefendem Schund (“Das goldene Blatt” und Co.) bis rechtem Schmutz (“Compact” und Co.) profitieren viele von sinkender Bildung und wachsender Engstirnigkeit. Der verursachte Schaden ist beabsichtigt. Die verschmähten Medien erhalten dadurch nicht automatisch Absolution oder den Stempel “Qualität”. Vom BILDungsfernen Bazillus, der journalistische Grundwerte zerbröckelt, sind auch sie befallen. Schnell hingeklatschte Oberflächlichkeiten vergraulen die Nutzer, die wiederum Schuld sein sollen, weil sie angeblich dieses Tempo einfordern. Von den Verlagen steigt aber keiner mal vom hohen Ross ab, um die kruden Annahmen zu verifizieren. Überleben wird, wer das lauteste Geschrei bedient oder ehrloses und unmoralisches Führungspersonal hat … oder beides. Keine beruhigenden Aussichten.
⇒ Wikipedia (Journalist) // ⇒ Wikipedia (Journalismus) // ⇒ ÜberMedien // ⇒ Telepolis // ⇒ BILDblog // ⇒ Telepolis // ⇒ BILDblog // ⇒ ÜberMedien

11.04.2018 | Medien

Grenzenlos beschränkt

Der Mensch will Alles – natürlich nur für sich allein. Dieser animalische Trieb ist tief im Gehirn verwurzelt. Er könnte diesen steuern, würden er das benutzen, was ihn angeblich vom Tier unterscheidet: Bewusstsein und Intelligenz. Ist der Tisch reichlich gedeckt, pickt er sich seine Leibspeisen heraus und vernachlässigt den Rest. Er hält das für eine vernünftige und einzig richtige Entscheidung. Warum sich von der Vielfalt erschlagen lassen, wenn ihn seine Auswahl voll und ganz befriedigt? Werden ihm seine Lieblinge zudem über ein vermeintlich kostenloses Angebot kredenzt, ist er vollends entzückt. Seinem Anspruch nach hat er alles richtig gemacht. In seiner maßlosen Völlerei finden weiterreichende Gedanken keinen Zugang mehr zum Gehirn. Auf die Idee, dass der verschmähte Rest erst verkümmert und dann versiegt, kommt er nicht. Ganz auf sein begrenztes Sortiment konzentriert, ignoriert er entstehende Abhängigkeiten. Nebenbei verlernt er Nutzen und Bedeutung von Vielfalt. Vollständig unterwirft er seinen Willen den verbliebenen Anbietern. Durchzieht dieses Verhalten alle Lebensbereiche, sticht es besonders im Internet deutlich hervor. Zu Beginn regelrecht von dessen Möglichkeiten überfallen, schwelgten die Menschen in dessen schier unendlichen Weiten. Bis es sie überforderte. Schwächen schreibt der Mensch nur anderen zu, gesteht sich selbst aber keine ein. Stattdessen begnügt er sich mit selbst erschaffenen Grenzen und verkauft dies als Vollkommenheit, um vom eigenen Versagen abzulenken. Google (inkl. YouTube), Facebook und Amazon stellen die Hauptmahlzeit, flankiert von einer handvoll gleichbleibender Beilagen. Das reicht seinem marodierendem Geist zum Satt werden. Seine Bequemlichkeit verhindert dann, über den Tellerrand zu gucken und festigt einen überschaubaren Horizont. Komplett seinen wenigen Lieferanten ausgeliefert, schluckt der Einzelne fortan alles ihm vorgesetzte. Die Macht über ihn wächst. Wenn die Einfältigen irgendwann den faden Geschmack ihrer Beschränktheit bemängeln sollten, wird es für eine Korrektur zu spät sein. Fuchsteufelswild werden sie dann zetern … und dem Nachbarn die Schuld geben.
⇒ European Journalism Observatory // ⇒ Golem // ⇒ Heise // ⇒ Der Freidenker // ⇒ Telepolis // ⇒ Golem // ⇒ Heise // ⇒ Golem // ⇒ Heise // ⇒ Heise

06.04.2018 | Leben

Moral nicht profitabel

“Werte” suggerieren eine falsche Bedeutung, denn nach heutigen Maßstäben sind sie wertlos. Vernunft, Verantwortung, Respekt, Ehrlichkeit, Toleranz – alles Schatten ihrer selbst. Eine Folge der Vernichtung der Basiswerte: Moral und Ethik wurden zuerst eliminiert. Initiiert von der Wirtschaft, denen diese Aspekte schon lange lästig waren. Im Zuge des vorangepeitschten Neoliberalismus’ hatte nur eine Devise Gültigkeit: Wachstum. Hierfür waren Moral und Ethik mit ihren Begleiterscheinungen eine zu starke Bremse, weshalb sie kurzerhand ausgemerzt wurden. Ohne Störenfriede wuchsen die Unternehmen zu Größen, die Konkurrenz nicht fürchtet und noch weniger duldet. Heimtückisch wird der Markt beobachtet. Schickt sich das Produkt enthusiastischer Entwickler an, einen Achtungserfolg zu erzielen, wird gnadenlos zugeschlagen. Es wird kopiert oder gleich das Grundwissen geklaut. Wegen ihrer Marktmacht können sie Bestandteile günstiger einkaufen und den Preis des Originals unterbieten. Ihre größere Präsenz in den Geschäften und mehr Werbung verdrängt die Wahrnehmung der Konsumenten zusätzlich. So ist die Wirtschaft nicht mehr nur auf eigene Innovationen und Entwicklungen angewiesen. Damit ist deren Skrupellosigkeit längst nicht am Ende. Wagt ein kleiner Erfinder den Widerstand, wird er eiskalt zerquetscht. Kompromisslos wird seiner Existenz der Garaus gemacht. Der private Exitus wird dabei billigend in Kauf genommen, weil er die Diebe schlichtweg nicht interessiert. Moral und Ethik? Fehlanzeige. Aussortiert, weil sie Antipoden des Profits sind. Nur eine Moral fordern sie erbittert ein: Die Zahlungsmoral ihrer Kunden. Erschreckend ist das Abfärben dieser abstoßenden Haltung auf die “normale” Bevölkerung, obwohl es eine logische Folge ist. Menschen führen Unternehmen und was Vorteile verspricht, breitet sich wie ein Virus aus, denn niemand will abgehängt werden. Die Resultate sind weltweit unübersehbar. Abgrenzungen und Aggressionen nehmen zu. Lediglich Konsum kühlt noch die Gemüter. Die Abschaffung der Werte erweist sich für die Wirtschaft als profitabel, was das alleinige Ziel ist – der Rest ist wertlos.
⇒ Markt im NDR // ⇒ Heise // ⇒ Mac & i // ⇒ Telepolis

02.04.2018 | Wirtschaft

Digitalisierung entlarvt Primitivität

Aktionen wie “Geiz ist geil” oder “ich bin doch nicht blöd” demonstrierten die allgegenwärtige Dominanz unserer niederen Triebe. Die zunehmende Digitalisierung offenbart ein erschreckendes Ausmaß der verantwortlichen Charakterzüge: Macht und Kontrolle. Sich über andere zu erheben, ist die größte Befriedigung. Bis in die Politik sind autokratische und diktatorische Bestrebungen nicht mehr von der Hand zu weisen. Die Wirtschaft spielt zwar ihr eigenes Spiel, aber nach den gleichen Regeln. Schon immer bedeutete Wissen Macht, erreicht aber durch die heutigen Möglichkeiten neue Dimensionen. Deshalb stellen zum Beispiel Google und Facebook eine von den Massen komplett unterschätze oder ignorierte Gefahr dar. Lieber frönt die dumpfe Herde den oberflächlichen Vorteilen und fühlt sich durch die suggerierte Aufmerksamkeit mächtig wichtig. Mit den neuen Hilfsmitteln kann nun jedes einfältige Schaf seine Gelüste ausleben. Ungefiltert ergießt es seine Beschränktheit in die Öffentlichkeit. Alles, was nicht verstanden wird oder den eigenen Vorstellungen entspricht, wird gnadenlos nieder geschrien. Zweifel über die Rechtmäßigkeit seines Handelns regen sich nicht, weil Anstand und Moral zum Zeichen der Schwäche verkommen sind. Außerdem muss die Wut über seine Missachtung und Unterdrückung raus. Finden eigene Bedürfnisse permanent kein Gehör, entsteht das Gefühl eines ewigen Verlierers. Unvermeidlich erwacht das innere Raubtier. Krawalle werden provoziert und nackte Gewaltausbrüche verwandeln friedliche Veranstaltungen in Kriegsschauplätze. Auf digitalen Kanälen wird erbittert unter die Gürtellinie geschossen. Dabei verwundern weder Aggressivität, noch Primitivität. Politik produziert massenhaft Verlierer und damit Ängste. Wer sich in die Enge getrieben oder seine Felle davon schwimmen sieht, wehrt sich mit einfachen, automatisch aktivierten Mitteln, den animalischen Trieben. Gerade intellektuelle Unterschiede reizen schlichte Gemüter. Weil jetzt gleiche Zugänge und Medien genutzt werden, herrscht eine vermeintliche Waffengleichheit – das Scharmützel ist programmiert. Ausgetragen in sämtlichen Schichten und Strukturen divergieren Stil und Tonart, beinhalten aber dieselbe Thematik: Jäger und Gejagte. Die unterste Ebene wird zu Getriebenen auserkoren, doch wer akzeptiert freiwillig, nur zum Opfer zu taugen?
⇒ Richard Gutjahr // ⇒ Heise

28.03.2018 | Leben

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