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bissiges Dazwischengequatsche

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beA … tmung

Es gibt viele Arten der Bespaßung, wobei nicht jede ein Vergnügen ist – Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Manche Vorstellung wirft hingegen die Frage auf, ob sie überhaupt zur Unterhaltung gedacht war. Gerade wenn die öffentliche Hand oder andere offizielle Einrichtungen beteiligt sind, wird in der Regel großes Kino geboten. Meist geraten deren Projekte zum Drama und dienen dem Publikum zur tragikomische Belustigung. Steht hingegen die knochentrockene Zunft der Rechtsanwälte im Mittelpunkt, könnte das Lachen schnell gefrieren. Vertrauen ist ein zerbrechliches Gut, zudem es heutzutage reichlich strapaziert wird. Von Rechtsangelegenheiten darf aber zurecht ein verschwiegener Umgang erwartet werden. Was die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) sich jetzt leistet, gewinnt spielend jedes Armutszeugnis. Für die Entwicklung des besonderen Anwaltspostfachs (beA) wurden von den Anwälten extra Gebühren eingetrieben. Bis heute ca. 38 Millionen Euro, die sich der französische IT-Dienstleister Atos bereits zum großen Teil einsteckte. Von dort wurden statt Ergebnisse Vertröstungen geliefert. Allerdings stand hierzulande der 1.1.2018 als endgültig letzter Starttermin fest. Auf die Schnelle wurde dann was zusammengeschustert, was einen funktionierenden Eindruck zu machen schien. Nur hat sich Pfusch noch nie ausgezahlt und unentdeckt bleibt er schon gar nicht. So kam es, wie es kommen musste. Zwei Wochen vor dem offiziellen Start fiel der BRAK ihre Inkompetenz schmerzhaft auf die Füße. Was dann folgte könnte als Mustervorlage zur Demonstration einer bekannten Redewendung dienen: Schlimmer geht immer. Krisenmanagement zeigte sich als Fremdwort, vielmehr entlarvte die BRAK eine groteske Unbeholfenheit. Obwohl direkt dem Justizministerium unterstellt, hielt man sich dort dezent zurück und überließ den Verantwortlichen die Fettnäpfchen, die mit Hingabe genutzt wurden. Ende-zu-Ende Verschlüsselung, die unterwegs geöffnet wird; unsichere Handhabung der Zertifikate; veraltete und löchrige Software als Unterbau; verstaubte Benutzeroberfläche; am Bedarf vorbei entwickelt – sofern nicht bekannt, helfen die verlinkten Artikel nach. Wirklich bedenklich ist die nicht vorhandene Einsicht des BRAK Präsidenten über das eigene Versagen und hochnäsige festhalten an seinem Posten. Längst um Kopf und Kragen fabuliert, mangelt es an Größe aus den Fehlern Konsequenzen zu ziehen. Statt endlich Offenheit bei diesem sensiblen Thema walten zu lassen, wird weiter im Geheimen gemauschelt. Großes Kino eben.
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21.02.2018 | Recht

Intellektuelle Elite

"Die Spaltung der Gesellschaft" ist im sprachlichen Alltagsgebrauch angekommen. Für gewöhnlich postuliert es die Kluft zwischen arm und reich. Überspitzt ließe es sich auch als Selektion von klug und dumm auslegen. Tatsächlich haben sich unterschiedliche Sphären gebildet, die sich vermehrt stärker gegeneinander abgrenzen. Die "da Oben" rekrutieren sich eben nicht nur aus Wirtschaftslenkern und Politikern, sondern auch die vermeintlich intellektuelle Elite erhebt ihren Anspruch der Zugehörigkeit. Selbstgefällig werden die "Einfältigen" wie ein dreckiger Stofffetzen mit spitzen Fingern von sich gehalten und aus sicherer Entfernung die Nase gerümpft. Kommuniziert wird innerhalb der akzeptierten Kreise, um die geistige Inzucht zu pflegen. Von erhabener Position wird dann aus allen Rohren um sich geschossen. Zwar ist deren Munition eher stumpf, denn sie soll bemerkt werden, nicht ernsthaft verletzen. Wie überall wird auch hier um Aufmerksamkeit geheischt, die die eigene Wichtigkeit bestätigen soll. Kommt allerdings als Retourkutsche eine schmutzige Bombe zurück, ist die Entrüstung und Hilflosigkeit groß. Erhält der Schutzturm Risse, verstärkt es deren Aversionen. Die Waffen der weniger Wortbegabten sind erheblich plumper, richten aber gewaltigen Schaden an. Folglich wird auf beiden Seiten die eigene Filterblase weiter abgeschirmt. Mit dieser Wortschöpfung sollte die Beschränktheit der "niederen" Masse beschrieben werden und natürlich nicht für die geistigen Überflieger gelten. Schließlich ist man intellektuell, was suggerieren soll, dass der Denkapparat potenter ist. Weshalb sich ungeniert der Stempel der Offenheit aufgedrückt wird, ohne dessen Verdienst nachzuweisen, bleibt ungeklärt. Unter Wahrung eines ausreichenden Abstands begleitet die elitäre Sekte mit Entsetzen die Verrohung der Gesellschaft. Bewirken deren kluge Ergüsse wenigstens etwas? Offensichtlich nicht, was vielleicht gar nicht beabsichtigt ist. Den eigenen Dunstkreis beeindrucken, aber nichts am gegenwärtigem Zustand ändern, ist vorrangiges Ziel. Wozu also heiße Luft verbreiten, wenn der Gegenwind unerträglich ist? Irgendwie muss die Spaltung zur eigenen Befriedigung doch aufrecht erhalten werden.

16.02.2018 | Leben

3. Weltkrieg

Es ist absurd, grotesk, geradezu irrsinnig davon zu sprechen, nicht mal denken sollte man es. Selbst die Ausschluss-Floskel, es niemanden zu wünschen, verbietet sich. Doch ist es angesichts weltweiter Entwicklungen nicht fahrlässig und verantwortungslos, die Augen zu verschließen oder es leichtfertig als unrealistisch aus der Wahrnehmung zu wischen, um sich nicht damit zu beschäftigen? Reicht es darauf zu hoffen, dass rechtzeitig Vernunft einkehrt? Allerdings sind gerade bezüglich der Vernunft Zweifel angebracht. Vernunft ist mit dem steigenden Druck unvereinbar. Macht- und Hierarchie-Ordnungen entgleiten ihrer gewohnten Struktur und verteilen sich neu. Mit den Nebenwirkungen ist das alte Establishment überfordert. Veränderungen haben zu ihren Bedingungen abzulaufen oder sie werden grantig. Spannungen stricken ein sich zusammenziehendes Netz um diesen Planeten. Regierungen sind der Schlüssel zum Problem, wie auch zur Lösung. Das Problem, weil sie die Eskalationen herauf beschwören und unfähig sind ihre Engstirnigkeit abzulegen. Die Lösung, weil sie an den Hebeln sitzen, um die Flammen unter dem brodelnden Wassertopf zu löschen. Aber eben nicht die, die den Mist anrichten und sich auch noch Scheinheilig geben. Das ist der verhängnisvolle Irrtum. Sie müssten gegen sich selber agieren – was unvorstellbar ist – und erst mal die Einsicht dazu besitzen – was ausgeschlossen ist. Der schwerwiegendste Fehler und größte Bürde ist der Kontrollverlust über den Finanzkreislauf. Dessen Verselbständigung wird sogar weiter forciert, weil die geschaffene Abhängigkeit jetzt als Heilsbringer fungieren muss. Daran hat die Wirtschaft aber kein Interesse. Für sie zählt einzig der eigene Vorteil und der steht einer gerechten, ausgeglichenen Welt entgegen. Die gesamte Situation steuert auf das Ende einer Sackgasse zu. "Weiter so" und "Augen zu und durch" machen den Crash unausweichlich. Braucht es erst einen Weltkrieg als reinigendes Gewitter oder ist dieser letztlich der Aufprall an der Wand? Die weisen Worte "aus der Geschichte lernen" nützen nichts, wenn die Sprecher sie nicht umsetzen können. Politiker reiten die Menschheit in einen verheerenden Schlamassel. Alles nur Schwarzmalerei? Das wäre wirklich wünschenswert.
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09.02.2018 | Politik

Zukunftsmaschinen

Die Ungewissheit über die Zukunft macht den Menschen seit jeher zu schaffen. Im schlimmsten Fall erdrückt die Angst und Sorge um das, was kommen mag, die empfindlichen Seelen. Mit den wachsenden technischen Möglichkeiten wird daher viel Energie aufgewendet, um dieser bohrenden Unsicherheit Herr zu werden. Unermüdlich werden Maschinen darauf gedrillt uns einen Blick in das Unbekannte zu gewähren. Gefüttert mit allen greifbaren Daten, sollen deren Verknüpfungen wahrscheinliche Ereignisse voraussagen. Auf stumpfen Berechnungen und Zahlenkolonnen basierend, wird jedes Ergebnis als Segen betrachtet. Akzeptiert, weil es eigenen Vorstellungen entspricht, für die man selbst die Basis geschaffen hat. Inzwischen berechnen Algorithmen die nächsten Verbrechensorte und dirigieren Polizisten durch den Arbeitstag. Für Prognosen zur Rückfälligkeit von Straftätern wird ebenfalls mehr den Programmen vertraut, als wie bisher den Einschätzungen von Fachleuten. Computer Prozessoren wurden diese spekulativen Vorhersage Fähigkeiten gerade zum Verhängnis und machen sie zu teurem Schrott. Trotzdem wird vor allem ein Einsatzzweck voran getrieben: Kontrolle. Denn was kontrolliert gesteuert wird, erlaubt zuverlässigere Voraussagen. Hingegen sorgen negative Meldungen für Verstimmung oder werden gleich ganz als unwahr abgestempelt, was dann sogar präsidialen Zuspruch findet. Wozu also die Sehnsucht, schon heute das Morgen zu kennen, wenn wir die Wahrheit nach unserem Nutzen formen? Ist es nicht Naturgesetz, dass nur die Pflanze wächst, dessen Samen gesät wurde? Knabbern wir nicht vielmehr an der Unabwendbarkeit unseres Handelns? Überhaupt an der Begrenztheit unseres Seins? Nur unsere Selbstsucht ist überzeugt, jede Grenze sprengen zu können. Krampfhaft wird daran gearbeitet Irrationalität (Mensch) und Rationalität (Maschine) zu vereinen. Mögen diverse dystopische Filme noch Fiktion sein, entspringen deren Ideen derselben Quelle, aus der auch die Zukunftsbastler schöpfen – unserem Gehirn. Der Schöpfer der Atombombe war auch "nur" neugierig, ob seine Überlegungen richtig sind und funktionieren; mit den Folgen habe er nicht gerechnet und nie beabsichtigt. Beunruhigende Zukunftsaussichten.
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30.01.2018 | Leben

Geiz fliegt nicht

"Geiz ist geil" brachte auf den Punkt, was in menschlichen Untiefen unkontrollierbare Reize animiert und jede Rationalität unterjocht. Mag es für die technischen Geräte des "Erfinders" akzeptabel sein, wurde die verstohlene Sehnsucht der Konsumenten damit Salonfähig. Obwohl Apple vorführt, wie seine horrend überteuerte Hardware reißend Abnehmer findet. Jedoch lauert der wirkliche Horror der Knauserigkeit im Verborgenem. Interessieren in der "heilen" Welt nicht die Lebensbedingungen in China oder Bangladesch, gar jede Verantwortung abgetan, sorgt die mangelhafte Qualität manch billiger Produkte eher noch für Verärgerung. Da zumeist keine ernsthafte Gefahr davon ausgeht, verpufft die Wut schnell und der Unmut wird mit dem nächsten Schnäppchen befriedigt. Vielleicht mit einer Flugreise? Man fliegt günstiger nach Mallorca, als mit der Bahn von Berlin nach München zu reisen. Die Fluggesellschaften haben den Preiskampf bestimmt im Blick, denn Konkurrenz gehört zum Geschäft und kam schon immer dem Verbraucher zugute, richtig? Und ist Fliegen nicht das sicherste Verkehrsmittel? Hier erreicht der Geizkragen seine Grenze, sich näher mit dem Thema zu beschäftigen. Weiter als bis zur eigenen Geldbörse reicht seine Motivation nicht. Bliebe er so stur und unberührt, ginge es ihm an sein Leben? Wenn er wüsste, was sein Geiz für Auswirkungen hat? Bevor ein angehender Pilot sein vermeintlich nobles Gehalt verdient, hat ihm seine Ausbildung mindestens 150.000 Euro Schulden aufgebürdet. Voraussichtlich landet(!) er dann bei einem Billig-Flieger, wo der angebliche Traumberuf fortlaufend an Schrecken gewinnt. Übernachtungen auf Sofas im Flughafen, um mit den Hotelspesen das kärgliche Einkommen minimal aufzustocken. Essen muss die Besatzung beim Flug aus eigener Tasche bezahlen. Bereitschaftszeiten übers Ertragen hinaus. Einsätze, also Flugzeiten, die sich durch Tricksereien über alles Erlaubte hinweg setzen. In der Folge konnten die meisten Abstürze der letzten Jahre auf menschliches Versagen zurückgeführt werden – Überlastung, oder verständlicher ausgedrückt: Müdigkeit! Geiz fliegt nicht … sondern stürzt ab.
⇒ 3sat (bis 19.01.2019 verfügbar)

24.01.2018 | Leben

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