#kurzhalt

bissiges Dazwischengequatsche

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Die Wahrheit

Menschen sind dumm.

 

 

 

 

 

 

… und schlecht.

 

 

 

 

 

 

Vor der anziehenden Entwicklungsgeschwindigkeit kapitulieren unsere Gehirne, weshalb wir Maßnahmen zur eigenen Abschaffung forcieren. Bis dorthin besinnen wir uns unserer tierische Abstammung, wie es weltweit offensichtlich ist. Zwar führen die am lautesten blökenden Schafe politisch die Herden an, verstummen aber ebenso panisch, wenn die Wirtschaftswölfe ihre Reißzähne fletschen. Am Erkennungstest vor dem Spiegel scheitert die Mehrheit, weil sie die Fratze nicht für die eigene hält. Wir könnten anders, ganz anders: Friedlich, respektvoll, gerecht. Keine Ahnung, ob da ein Fehler in unseren Genen vorliegt oder wir irgendwann falsch abgebogen sind. Unser Verhalten ist bestürzend armselig.

Damit ist die Thematik erschöpfend erfasst.

17.06.2018 | Leben

Gleichgültigkeit

Nachweise über psychische Störungen sind schwierig, wenn sie nicht offenkundig hervortreten. Ebenso gebärdet sich die Akzeptanz bei den Menschen, allerdings in unterschiedlichen Ausprägungen. Von Depression Betroffene sind oft Unverständnis ausgesetzt, während sich über sadistische Mörder einhellig die Meinung eines “Psychopathen” bildet. Übergreifend existiert ein Konsens, dass zwar nicht alle Vorgänge im Gehirn erklärbar sind, aber manche abträgliche Begleiterscheinungen erzeugen, die eine Einstufung als Krankheit verdienen. Permanent mischt sich das Hirn in unser Verhalten ein. In den letzten Jahren hat sich ein Gebaren zur Seuche entwickelt, das in verschiedenster Form seine Hässlichkeit zeigt: Gleichgültigkeit. Privatsphäre, Datenschutz, Überwachung, ungesunde Lebensmittel, grausame Massentierhaltung, vergiftete Umwelt, Finanzzocker, Armut oder rechter Gedankenmüll, um lediglich einen Hauch an Themen anzureißen. Zwei Phänomene charakterisieren diese und alle ungenannten: Zum Einen das Desinteresse des Einzelnen tätig zu werden, obwohl man Betroffener ist. Zum Anderen die Erwartungshaltung, dass sich andere kümmern werden. Alltägliches Beispiel hierzu ist ein Unfall, wo das Smartphone zum Filmen gezückt wird, unter der Annahme, irgendwer ruft schon Hilfe. Dieses Verhalten wird “Zuschauereffekt”, “pluralistische Ignoranz” oder auch “Genovese-Syndrom” genannt. Unterm Strich lassen sich alle bis zur Tatenlosigkeit einlullen. Es wird keine Verantwortung mehr für sich und andere übernommen. Dieses Benehmen steht konträr zur viel gerühmten (Zivil-)Courage, die sich zwar jeder gerne zuschreibt, aber vielmehr Moral und Verhalten von Käfigratten offenbart. Apathisch treibt man dahin, gibt das Ruder aus der Hand und hofft, dass irgendetwas Richtiges passiert. In der Folge entstehen weltweit Störungen in den Gesellschaften. Sie bröckeln, sind anfällig und weisen Zeichen von Siechtum auf. Die Mehrheit hat aufgegeben, weil jedes Aufbegehren ungehört und wirkungslos verhallt. Damit fällt die Immunität, was zu Krankheiten führt. Mag Gleichgültigkeit nicht als psychische Störung bezeichnet werden, ist es aber genau das. Von der Obrigkeit verordnet, ist eine Genesung unerwünscht. Eine dumpfe Masse ist besser formbar.
⇒ Murder of Kitty Genovese // ⇒ Mordfall Kitty Genovese // ⇒ Pluralistische Ignoranz // ⇒ Zuschauereffekt

07.05.2018 | Leben

Aufmerksamkeitsdefizit und Junk Medien

“Keine Zeit” ist der Taktgeber unserer Zeit. Im Laufschritt hecheln wir durchs Leben, getrieben vom Verlangen nach Erfüllung, dessen Ausgestaltung längst die Wirtschaft bestimmt. Um in der Informationsflut nicht zu ertrinken, muss deren Aufnahme schnell gehen und flugs, aber nicht lange anhaltend, sättigen. Schließlich jagt ein wichtiges Thema das nächste … zumindest gefühlsmäßig. Auf ungesunde Inhaltsstoffe wird nicht geprüft; auch nicht, ob die Nahrung einseitig oder einfältig ist – was gefällt, wird klaglos geschluckt. Aufmerksamkeit wird im Vorbeigehen erledigt. Ebenso rasch erhebt und zerstreut sich Empörung – die nächste wartet schon. Flüchtigkeit regiert den Alltag. Dem Bedarf passen sich die Medien an und servieren oberflächliche, leicht verdauliche Häppchen. Selbstverständlich verwehrt man sich dem Vorwurf Junk (Müll) zu produzieren. Allerdings blitzen alte Tugenden unter der Fettschicht nur noch auf, wenn ihnen edelste Zutaten direkt unter die Nase gerieben werden (Panama/Paradise Papers, LuxLeaks, Snowden). Mehr Energie stecken Medien in die Gängelung potentieller Nutzer und vergrätzt diese mit nerviger Werbung, üblem Tracking und antiquierten Abo-Modellen. Den Einweg-Konsum befeuern sie, weil kaum ein Ereignis verfolgt wird, sondern im kollektivem Erinnerungsnirwana landet. Kein erneutes Aufgreifen und/oder Aktualisieren. Kein Melden von Entwicklungen und/oder Veränderungen. Da kommt die Henne-Ei Frage auf: Wo sank das Niveau zuerst? Generiert Qualität Einnahmen oder umgekehrt und wird das überhaupt noch wertgeschätzt? Während sich die Lieferanten im Kreis drehen, enteilen die Käufer und erschließen sich neue Bezugswege. Weil ihnen zudem vom traditionellen Gehabe des Althergebrachten schlecht wird, orientieren sie sich an Gleichgesinnten. Bevorzugt wird auf ein Aspekt geachtet: Kostenlos. Dieser sich durch alle Lebensbereiche ziehende Defizit-Kurs hat sich inzwischen fest eingenistet. Von überdrehten Medien angetrieben, sind sie selbst mit Motorschaden liegen geblieben und schreien nach einem politischen Abschleppseil: Leistungsschutzrecht. Uneinsichtig klammert sich deren Eitelkeit am Ruf vergangener Tage. Die “Vierte Gewalt” vegetiert schlaff und formlos im Stützkorsett vor sich hin, von der eigenen Arroganz ins Abseits gestellt. Ein neues Denken müsste her, aber da war ja was … keine Zeit.
⇒ Telepolis // ⇒ Heise // ⇒ Telepolis

01.05.2018 | Medien

Verkaufte Gesundheit

Diente die Wirtschaft einst noch ganz dem Wohl der Menschen, vollzog sich in den letzten Jahrzehnten ein dramatischer Wandel. Der neue Dienstherr heißt jetzt Profit. Dem Diktator Geld wird alles ohne Ausnahme unterworfen, selbst jegliche Form von Leben. Menschen nach ihrem wertvollsten Gut gefragt, antworten in der Regel mit “Gesundheit”. Nun hat Gesundheit die ungünstige Eigenschaft immateriell und nicht direkt vermarktbar zu sein. Etwas derart wertvolles nicht vergolden zu können, wäre für die Wirtschaft ein Desaster. Zu ihrem Glück kommt ihnen der grundlegende Existenzmechanismus dieser Erde zu Hilfe: Bilaterale Beziehung. Wie bei einer Münze hat alles eine Gegenseite. Hier lautet der Gegenspieler Krankheit. Mit gedankenloser Unterstützung der Politik hat die Wirtschaft alles zu Objekten reduziert, die man nach belieben handhabt – auch den Mensch. Trotz ungezügelter Profitgier verbietet sich eine direkte Verletzung der Menschen. Von dieser unmittelbaren Einflussnahme entlastet, sprechen sich Unternehmen von jeder Verantwortung frei. Dieser Umstand stellt aber kein Hindernis dar. Die menschlichen Abhängigkeiten von Umwelt und natürlichen Abläufen, zum Beispiel Essen und Trinken, kredenzen scheinbar eine unerschöpfliche Auswahl an Methoden zur indirekten Beeinflussung. In der Folge trifft unternehmerisches Wirken auf schutzlose Individuen, die den Attacken kaum ausweichen können. So etablierte sich Krankheit als Grundzustand. Um diesen zu erhalten, sind die eingesetzten Strategien vor allem hinterhältig und schwer durchschaubar. Nur mit viel Wissen, Aufmerksamkeit und Einsatz kann das bedingt gelingen, aber nicht gänzlich. Derartige Widerspenstigkeiten sind der Wirtschaft ein Dorn im Auge, schließlich gewöhnt man alle Konsumenten mit enormen Aufwand ans Siechtum. Gesundheit muss zum unstillbaren Verlangen mutieren, damit die Nachfrage niemals versiegt. Erhebt sich Widerstand, diktiert man den Regierungsmarionetten verträgliche Lösungen in deren Gebetsbücher. Der Ausverkauf kennt keine Grenzen. Selbst der Tod wird als Begleiterscheinung achselzuckend ignoriert. Hauptsache die eigene Kasse macht Freudensprünge.
⇒ BUND e.V. // ⇒ Greenpeace // ⇒ Telepolis // ⇒ Utopia // ⇒ Telepolis // ⇒ Keinen Schimmer // ⇒ Telepolis // ⇒ Telepolis // ⇒ Telepolis // ⇒ Telepolis // ⇒ plusminus (verfügbar bis 21.02.2019) // ⇒ Telepolis // ⇒ Heise // ⇒ Deutschlandfunk

26.04.2018 | Leben

Wem gehört unser Leben?

“1984”, “Fahrenheit 451” – in Bücher gegossene Dystopien über Gesellschaftsformen, wie sie sich keiner wünscht. Wer deren Inhalte kennt, hofft, dass sie nie wahr werden. Gleichzeitig sind sich alle einig, dass sie unmöglich eintreffen können, weil Niemand derartige Zustände will. Sicher? Worauf gründet sich diese Annahme? Wird hier leichtfertig auf Hoffnung gesetzt? Darauf, dass irgendwer es verhindern oder nie jemand so weit gehen wird? Das soll reichen? Deshalb will auch Keiner hören, dass alles dagegen spricht und ein hartes Erwachen wartet. Ausblenden und wie bisher weitermachen. Ernsthaft? Weiter der Wirtschaft ausliefern; immer mehr Überwachung durch großzügiges Verteilen von Daten gewähren, um als ausgequetschtes und benutztes Objekt zu Enden? Die Strecke zu den düsteren Prophezeiungen liegt längst zur Hälfte hinter uns. Gleichgültigkeit schleicht sich ein, nimmt uns gefangen und gibt uns nicht wieder frei. Den Wert unseres Lebens taxieren andere. Sie nehmen sich das Recht, weil jeder Widerstand schwindet. Unsere Passivität legitimiert monopolisierende Herrschaftsstrukturen. Unternehmen sind die Taktgeber, die sich durch Aufkäufe und Zusammenschlüsse weiter konzentrieren. Die Stufen zur vollständigen Kontrolle sind fast erklommen. In ihren Händen befindet sich der letzte Baustein: Daten. Ein Großteil der Menschen ist bereits von ihren Diensten abhängig. Mit den Sprach-Assistenten verkürzen sie jetzt den Weg in deren Gehirne. Wünsche der Nutzer voraussagen ist dann keine Zauberei, weil sie diese steuern. Die Basis haben sie fest im Griff, es fehlen die Regierungen. Daran wird hart gearbeitet, was nicht ohne Konflikte vonstatten geht. Politiker wollen das Zepter nicht aus der Hand geben. Dummerweise sorgten sie selbst dafür, dass der Kapitalmarkt die Welt im Würgegriff hat. Dieses Kräftemessen wird unzählige Opfer kosten – an der Basis, natürlich – aber den anvisierten Ausgang nehmen. Hoffen reicht nicht mehr, denn wir haben freiwillig und gedankenlos unseren wertvollsten Besitz abgetreten: Die Macht über unser Leben.
⇒ Wikipedia // ⇒ Wikipedia // ⇒ Heise // ⇒ Heise // ⇒ Golem // ⇒ Golem // ⇒ Heise // ⇒ GoogleWatchBlog // ⇒ Golem // ⇒ Golem

21.04.2018 | Digital

Zufriedene Marionetten

Macht das Leben (noch) Spaß? Kann, darf, soll es das überhaupt? Und wenn, können wir Leben noch leben oder haben wir dessen Inhalt vergessen? Oder verlernt? Haben wir das Wissen darum nicht längst den Ansprüchen der Wirtschaft geopfert, deren einziger Inhalt Profitsteigerung ist und uns zu Melkkühen reduziert? Mit dem Unterschied, dass Kühe keine Wahl haben. Oder wurde uns Sinn und Nutzen einer Wahl erfolgreich ausgetrieben? Vielleicht haben wir die Option auch schlicht aufgegeben, weil es einfacher ist Vorgaben zu folgen. Bei genauer Betrachtung liegen Wohlstand und Armut in den Händen weniger Agitatoren, deren primäres Ziel ist, uns am Nachdenken und Erkennen zu hindern. Die uns mit Überfluss gefügig machen, um uns bei Laune zu halten und damit unsere Abhängigkeit verborgen bleibt. Unser Benutzererlebnis wird von den Anbietern diktiert. Individualität ist nur noch eine Eigenschaft zur Verkaufsförderung. Zum Objekt degradiert, messen Börsenkurse unsere Daseinsberechtigung und wirtschaftliche Tauglichkeit. Alle natürlichen Ressourcen werden hemmungslos ausgequetscht und dazu zählt auch der Mensch. Trotz der mit uns erzielten Gewinne realisieren wir unseren Wert nicht. Gedankenlos verschenken wir unser Sein. Hinterrücks geködert mit der selbst verursachten Leere in unserem Leben, simulieren soziale Medien eine Bühne für unsere Sehnsucht nach Bedeutsamkeit und Wertgefühl. Dabei verantworten wir den Verlust unserer Persönlichkeit selbst. Einfach “leben” geriet zu gewöhnlich, inhaltslos und langweilig. Auf dem Silbertablett boten wir unser Leben feil. Gerne griff die Wirtschaft zu und injizierte uns umgehend einen Cocktail aus Konsumrausch und Stumpfsinn. So dient der Großteil der Erdbewohner lediglich als Spielball und/oder Verhandlungsmasse der Strippenzieher. Das Menschliche mutiert zu einer Illusion, um irgendwann als Relikt entsorgt zu werden. Scheinbar zufrieden hängen wir willenlos an den Fäden der Mächtigen und plappern gedankenlos deren Argumente nach. Ganz, wie es sich für leblose Marionetten geziemt. Und dieses Leben gefällt und ist erstrebenswert?

15.04.2018 | Leben

BILDungsfern

Die Wahrheit ist nicht des Menschen liebstes Kind, obgleich die Lüge verteufelt wird. Diesen Konflikt löst Ignoranz. Entweder ausblenden, dass man für Dumm verkauft wird oder Unwahrheiten akzeptieren, weil sie ins eigene Weltbild passen … oder beides. Am ehesten zeigen dieses Verhalten Menschen, deren Interesse an Bildung und Wissen begrenzt ist. Widersprüchlich scheint, dass “Fake News” Vorwürfe hauptsächlich aus dieser Gruppe stammen. Aber alles, was nicht ihrer Meinung entspricht, kann nur Schwindel sein. Keimzellen ihrer einseitigen Haltung sind nicht unbedingt Zeitungen, Zeitschriften oder Fernsehsendungen, sondern vermehrt im Internet aufgeschnappte Meldungen, die von selbst erwählten Lieferanten zugetragen werden. Allen gemein ist die Ferne zu einem in Ansätzen neutralen Journalismus oder ursächlicher Recherche. Vorzeigebeispiel und beliebteste Quelle aus diesem Bereich ist BILD in allen Darreichungsformen. Obgleich deren Verlagshaus eine eigene und anerkannte Journalistenschule führt, praktiziert BILD das Gegenteil eines seriösen Journalismus’. Es muss die Frage erlaubt sein, ob der Mensch dahinter keine Ehre hat, um täglich diesen hanebüchenen Mist zu publizieren? Wahrscheinlich überwiegt das animalische Gefühl der Dominanz, mit dem verzapften Blödsinn für ordentlich Aufregung und Aufruhr zu sorgen. Den Menschen nach dem Mund quatschen und Stimmungen zum eigenen Vorteil nutzen und aufheizen, ist Populismus, aber kein Journalismus. Neben BILD schlagen noch weitere Publikationen in diese Kerbe. Von triefendem Schund (“Das goldene Blatt” und Co.) bis rechtem Schmutz (“Compact” und Co.) profitieren viele von sinkender Bildung und wachsender Engstirnigkeit. Der verursachte Schaden ist beabsichtigt. Die verschmähten Medien erhalten dadurch nicht automatisch Absolution oder den Stempel “Qualität”. Vom BILDungsfernen Bazillus, der journalistische Grundwerte zerbröckelt, sind auch sie befallen. Schnell hingeklatschte Oberflächlichkeiten vergraulen die Nutzer, die wiederum Schuld sein sollen, weil sie angeblich dieses Tempo einfordern. Von den Verlagen steigt aber keiner mal vom hohen Ross ab, um die kruden Annahmen zu verifizieren. Überleben wird, wer das lauteste Geschrei bedient oder ehrloses und unmoralisches Führungspersonal hat … oder beides. Keine beruhigenden Aussichten.
⇒ Wikipedia (Journalist) // ⇒ Wikipedia (Journalismus) // ⇒ ÜberMedien // ⇒ Telepolis // ⇒ BILDblog // ⇒ Telepolis // ⇒ BILDblog // ⇒ ÜberMedien

11.04.2018 | Medien

Grenzenlos beschränkt

Der Mensch will Alles – natürlich nur für sich allein. Dieser animalische Trieb ist tief im Gehirn verwurzelt. Er könnte diesen steuern, würden er das benutzen, was ihn angeblich vom Tier unterscheidet: Bewusstsein und Intelligenz. Ist der Tisch reichlich gedeckt, pickt er sich seine Leibspeisen heraus und vernachlässigt den Rest. Er hält das für eine vernünftige und einzig richtige Entscheidung. Warum sich von der Vielfalt erschlagen lassen, wenn ihn seine Auswahl voll und ganz befriedigt? Werden ihm seine Lieblinge zudem über ein vermeintlich kostenloses Angebot kredenzt, ist er vollends entzückt. Seinem Anspruch nach hat er alles richtig gemacht. In seiner maßlosen Völlerei finden weiterreichende Gedanken keinen Zugang mehr zum Gehirn. Auf die Idee, dass der verschmähte Rest erst verkümmert und dann versiegt, kommt er nicht. Ganz auf sein begrenztes Sortiment konzentriert, ignoriert er entstehende Abhängigkeiten. Nebenbei verlernt er Nutzen und Bedeutung von Vielfalt. Vollständig unterwirft er seinen Willen den verbliebenen Anbietern. Durchzieht dieses Verhalten alle Lebensbereiche, sticht es besonders im Internet deutlich hervor. Zu Beginn regelrecht von dessen Möglichkeiten überfallen, schwelgten die Menschen in dessen schier unendlichen Weiten. Bis es sie überforderte. Schwächen schreibt der Mensch nur anderen zu, gesteht sich selbst aber keine ein. Stattdessen begnügt er sich mit selbst erschaffenen Grenzen und verkauft dies als Vollkommenheit, um vom eigenen Versagen abzulenken. Google (inkl. YouTube), Facebook und Amazon stellen die Hauptmahlzeit, flankiert von einer handvoll gleichbleibender Beilagen. Das reicht seinem marodierendem Geist zum Satt werden. Seine Bequemlichkeit verhindert dann, über den Tellerrand zu gucken und festigt einen überschaubaren Horizont. Komplett seinen wenigen Lieferanten ausgeliefert, schluckt der Einzelne fortan alles ihm vorgesetzte. Die Macht über ihn wächst. Wenn die Einfältigen irgendwann den faden Geschmack ihrer Beschränktheit bemängeln sollten, wird es für eine Korrektur zu spät sein. Fuchsteufelswild werden sie dann zetern … und dem Nachbarn die Schuld geben.
⇒ European Journalism Observatory // ⇒ Golem // ⇒ Heise // ⇒ Der Freidenker // ⇒ Telepolis // ⇒ Golem // ⇒ Heise // ⇒ Golem // ⇒ Heise // ⇒ Heise

06.04.2018 | Leben

Moral nicht profitabel

“Werte” suggerieren eine falsche Bedeutung, denn nach heutigen Maßstäben sind sie wertlos. Vernunft, Verantwortung, Respekt, Ehrlichkeit, Toleranz – alles Schatten ihrer selbst. Eine Folge der Vernichtung der Basiswerte: Moral und Ethik wurden zuerst eliminiert. Initiiert von der Wirtschaft, denen diese Aspekte schon lange lästig waren. Im Zuge des vorangepeitschten Neoliberalismus’ hatte nur eine Devise Gültigkeit: Wachstum. Hierfür waren Moral und Ethik mit ihren Begleiterscheinungen eine zu starke Bremse, weshalb sie kurzerhand ausgemerzt wurden. Ohne Störenfriede wuchsen die Unternehmen zu Größen, die Konkurrenz nicht fürchtet und noch weniger duldet. Heimtückisch wird der Markt beobachtet. Schickt sich das Produkt enthusiastischer Entwickler an, einen Achtungserfolg zu erzielen, wird gnadenlos zugeschlagen. Es wird kopiert oder gleich das Grundwissen geklaut. Wegen ihrer Marktmacht können sie Bestandteile günstiger einkaufen und den Preis des Originals unterbieten. Ihre größere Präsenz in den Geschäften und mehr Werbung verdrängt die Wahrnehmung der Konsumenten zusätzlich. So ist die Wirtschaft nicht mehr nur auf eigene Innovationen und Entwicklungen angewiesen. Damit ist deren Skrupellosigkeit längst nicht am Ende. Wagt ein kleiner Erfinder den Widerstand, wird er eiskalt zerquetscht. Kompromisslos wird seiner Existenz der Garaus gemacht. Der private Exitus wird dabei billigend in Kauf genommen, weil er die Diebe schlichtweg nicht interessiert. Moral und Ethik? Fehlanzeige. Aussortiert, weil sie Antipoden des Profits sind. Nur eine Moral fordern sie erbittert ein: Die Zahlungsmoral ihrer Kunden. Erschreckend ist das Abfärben dieser abstoßenden Haltung auf die “normale” Bevölkerung, obwohl es eine logische Folge ist. Menschen führen Unternehmen und was Vorteile verspricht, breitet sich wie ein Virus aus, denn niemand will abgehängt werden. Die Resultate sind weltweit unübersehbar. Abgrenzungen und Aggressionen nehmen zu. Lediglich Konsum kühlt noch die Gemüter. Die Abschaffung der Werte erweist sich für die Wirtschaft als profitabel, was das alleinige Ziel ist – der Rest ist wertlos.
⇒ Markt im NDR // ⇒ Heise // ⇒ Mac & i // ⇒ Telepolis

02.04.2018 | Wirtschaft

Digitalisierung entlarvt Primitivität

Aktionen wie “Geiz ist geil” oder “ich bin doch nicht blöd” demonstrierten die allgegenwärtige Dominanz unserer niederen Triebe. Die zunehmende Digitalisierung offenbart ein erschreckendes Ausmaß der verantwortlichen Charakterzüge: Macht und Kontrolle. Sich über andere zu erheben, ist die größte Befriedigung. Bis in die Politik sind autokratische und diktatorische Bestrebungen nicht mehr von der Hand zu weisen. Die Wirtschaft spielt zwar ihr eigenes Spiel, aber nach den gleichen Regeln. Schon immer bedeutete Wissen Macht, erreicht aber durch die heutigen Möglichkeiten neue Dimensionen. Deshalb stellen zum Beispiel Google und Facebook eine von den Massen komplett unterschätze oder ignorierte Gefahr dar. Lieber frönt die dumpfe Herde den oberflächlichen Vorteilen und fühlt sich durch die suggerierte Aufmerksamkeit mächtig wichtig. Mit den neuen Hilfsmitteln kann nun jedes einfältige Schaf seine Gelüste ausleben. Ungefiltert ergießt es seine Beschränktheit in die Öffentlichkeit. Alles, was nicht verstanden wird oder den eigenen Vorstellungen entspricht, wird gnadenlos nieder geschrien. Zweifel über die Rechtmäßigkeit seines Handelns regen sich nicht, weil Anstand und Moral zum Zeichen der Schwäche verkommen sind. Außerdem muss die Wut über seine Missachtung und Unterdrückung raus. Finden eigene Bedürfnisse permanent kein Gehör, entsteht das Gefühl eines ewigen Verlierers. Unvermeidlich erwacht das innere Raubtier. Krawalle werden provoziert und nackte Gewaltausbrüche verwandeln friedliche Veranstaltungen in Kriegsschauplätze. Auf digitalen Kanälen wird erbittert unter die Gürtellinie geschossen. Dabei verwundern weder Aggressivität, noch Primitivität. Politik produziert massenhaft Verlierer und damit Ängste. Wer sich in die Enge getrieben oder seine Felle davon schwimmen sieht, wehrt sich mit einfachen, automatisch aktivierten Mitteln, den animalischen Trieben. Gerade intellektuelle Unterschiede reizen schlichte Gemüter. Weil jetzt gleiche Zugänge und Medien genutzt werden, herrscht eine vermeintliche Waffengleichheit – das Scharmützel ist programmiert. Ausgetragen in sämtlichen Schichten und Strukturen divergieren Stil und Tonart, beinhalten aber dieselbe Thematik: Jäger und Gejagte. Die unterste Ebene wird zu Getriebenen auserkoren, doch wer akzeptiert freiwillig, nur zum Opfer zu taugen?
⇒ Richard Gutjahr // ⇒ Heise

28.03.2018 | Leben

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