#kurzhalt

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bissiges Dazwischengequatsche

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Allgemeines Glaubens Bekenntnis

Wir glauben ja gerne. Wissen wir nicht weiter oder sind überfordert, rufen wir nach dem Glauben und hoffen auf plausible Antworten. Vor allem glauben wir an seine Wahrhaftigkeit und Rechtschaffenheit. Darauf zählen auch diejenigen, die beides weniger im Sinn haben. Natürlich nicht offenkundig, sondern heimlich durch die Hintertür. Wortreich wird beteuert, alles ginge mit rechten Dingen zu und Angebote oder Dienste seien nur zu unserem Besten. Verführerisch ist der Gabentisch gedeckt, es fehlt lediglich ein kleiner Haken, nur einmal kurz in das leere Kästchen geklickt und schon erhalten wir den ersehnten Zugang. Schwuppdiwupp hat der Glauben das Zepter übernommen. Glauben, dass nichts Schief geht, Zusagen eingehalten und wir nicht über den Tisch gezogen werden. Es hat seinen Grund, dass “leichtgläubig” kein Lob, vielmehr Spott ist. Allerdings besitzen die so Gescholtenen etwas, was die Hochnäsigen nur schwach dosiert, wenn überhaupt, besitzen: Vertrauen. Nun sind zwar Glaube und Vertrauen sehr löbliche Züge, aber ebenso empfindlich und verletzbar. Die heute herrschenden Regeln des Profits sind dagegen knallhart und eiskalt. Sie nutzen Schwächen aus. Eine weitere Eigenschaft spielt ihnen in die Hände: Verlangen bzw. Gier. In unterschiedlichen Ausprägungen steckt es in jedem von uns und kann mehr oder weniger leicht aktiviert werden. Einmal entfacht, stören seitenlange Nutzungsbedingungen, Datenschutzerklärungen oder Allgemeine Geschäftsbedingungen extremst. Selbst wenn sie halbwegs verständlich wären, will sich niemand auf seinem Weg aufhalten lassen, sondern schnell ans Ziel kommen. Zudem besteht neben den trockenen Inhalten die Gefahr, einen unerwünschten Dämpfer zu erhalten, weil dem Verlangen Zweifel angeheftet werden. Wer will das schon. Lieber glauben wir, der Glaube wird schon wissen, was er uns da antut. Zur Not wird später lautstark mokiert, moniert und fassungslos die niederträchtige Behandlung herum posaunt. Die eigene Nase wird geflissentlich ignoriert und unbelehrbar lockt das nächste leere Feld. Treu halten wir zum Glauben. An irgendetwas muss man sich schließlich festhalten.
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09.08.2018 | Leben

Gleichbehandlung sabotiert Geldmaschinerie

Eine Maschine verrichtet zufriedenstellend ihren Dienst, wenn am Ende mehr herauskommt, als Eingangs zugeführt wurde. Diese Nutzen-Rechnung gilt für jegliches wirtschaftliche Handeln, es ist ein ökonomisches Grundprinzip: Minimaler Einsatz, maximaler Ertrag. Das hat sich in der stofflichen Welt verhältnismäßig gut eingespielt, zumindest ist man daran gewöhnt. Doch das Internet schüttelte anfänglich alles Hergebrachte kräftig durch. Erst die harte Tour lehrte, dass es nach altbekannten Regeln funktionierte. Lediglich ein Faktor scherte aus: der Datenverkehr. Dessen Gleichbehandlung schrieben die Erschaffer ins Geburtsprotokoll. In den ersten Jahren stand dies auch nicht zur Debatte, waren die verantwortlichen Unternehmen mit dem Aufbau der Infrastruktur ausgelastet. Inzwischen ist dies nebensächliches Alltagsgeschäft und ihnen dünkt, dass sie die Gelackmeierten sind, die vom Kuchen nur Krümel erhalten. Nur eine Nebenrolle bekleiden, obwohl man alle Last trägt und zusehen, wie sich die Nutznießer ins Fäustchen lachen und ihre Taschen vollstopfen, verdirbt deren Laune gründlich. Da heutzutage einzig Profit zählt, war es unvermeidlich und absehbar, dass sich Provider ans Werk machen würden, um die Bedingungen nach ihrem Gusto zu formen. Je nach Land und Rechtslage werden nun verschiedene Maßnahmen umgesetzt; viel mehr getestet, was sie durch bekommen. Dabei wird jede Herangehensweise ausprobiert, die sich bietet, denn am Ende muss ein Erfolg stehen – egal wie. Erfolg bedeutet in diesem Fall, man baut nicht nur Umsatz und Gewinn aus, sondern schafft Hebel, um Einnahmen kontinuierlich auszuweiten. Gleichbehandlung bedeutet Stillstand, was einer Niederlage gleicht und gnadenlos abgestraft wird. Im Keim ersticken lassen sich die Bemühungen nicht mehr; das Kind ist längst in den Brunnen gefallen. Wir Konsumenten, die es verhindern oder wenigstens eindämmen könnten, werden auf schändliche Weise erst in die Falle gelockt und dann als Waffe missbraucht. Aber für einen fairen Umgang bräuchte es Anstand, den der Neoliberalismus vom Hof gejagt hat. Politik beteiligt sich daran, weil es dort an Verstand und Courage für den nötigen Widerstand mangelt.
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03.08.2018 | Digital

Der Kunde ist war König

Nur Ältere erinnern sich an den Werbeslogan einer Supermarktkette Anfang der 1970er Jahre. Ob dieser verantwortlich ist, dass Safeway heute nicht mehr in Deutschland präsent ist, spekulieren lediglich gehässige Mäuler. Vielmehr unterliegt die Beziehung der Wirtschaft zum Kunden genauso einem Wandel, wie dieser über alle (Lebens-)Bereiche her fällt. Obgleich inzwischen beerdigt, berichten Menschen noch vom Servicegedanken. In Erzählungen dürfte er sich noch einige Generationen halten. Trotzdem wird der Mangel an Service mokiert, obwohl Viele ihn kaum kennen, aber scheinbar eine vage Vorstellung davon haben, was dieser Dienstleistungsgedanke bedeuten könnte. Wurde Service abgeschafft, weil die Sache an sich schlecht war? Kaum, sonst wäre das Geschrei heutzutage nicht so hörbar. Der Grund war die zugrunde liegende Tugend des Dienen. Unternehmen wuchsen schlicht zu einer Größe, die es unnötig machte, sich für die Gunst der Konsumenten krumm zu machen. Zudem war und ist es ein erheblicher Kostenfaktor, der im Zuge allgemeiner Effizienzsteigerungen abgeschafft werden musste. Der Segen des Internets ermöglicht, den Kunden auf Abstand zu halten und trotzdem ganz Nahe bei ihm zu sein. Intensiv wird daran gearbeitet, uns die schlechte Angewohnheit der Kontaktaufnahme auszutreiben. Wobei unsere Daten jederzeit willkommen sind, wir dürfen eben nur nichts von ihnen wollen. Das angebliche Interesse an Kundenzufriedenheit ist nicht nur vorgeschoben, sondern scheinheilig und letztlich eine Lüge. Wie auch die vermeintlichen Verbesserungen des Benutzererlebnisses glatt gelogen sind; die Unternehmen diktieren und steuern ihre Kunden nach Belieben. Deren Umgang ist eine permanente Manipulation, die sich in einem respektvollen Miteinander verbietet. Es zeigt den Stellenwert von Verbrauchern und wie herablassend in Manager-Etagen über diese gedacht wird. Weil sich aber niemand ernsthaft darüber aufregt, werden Nutzer ungeniert weiter an der Nase herumgeführt. Da hat sich die Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten eine solide Basis geschaffen, die ihr freie Fahrt garantiert und Politik zum Erfüllungsgehilfen degradiert hat.
⇒ Telepolis // ⇒ Golem // ⇒ Verbraucherzentrale

27.07.2018 | Wirtschaft

Unfrei zu Frei umdefiniert

Wie konnten unsere Ahnen nur ohne die Sicherheit leben, die das Internet heute ermöglicht? Gut, sie wurden geknechtet und aufwändig in ihren Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt. Aber geschah das nicht zu ihren Gunsten? Verfügten sie nicht über genügend Freiraum, um sich bis zum heutigen Status zu entwickeln. Oder überwogen vielleicht die Begrenzungen, um sich zu befreien und erst den aktuellen Stand ermöglichten? Mit dem Internet haben wir schon das große Los gezogen. Ein schier unendlicher Raum voller Chancen und Gelegenheiten. Alles was für dessen Nutzung notwendig ist, sind ein paar Daten, ansonsten kostet es fast nix. So ein paar Daten kann man schon erübrigen, schließlich tut deren Verlust nicht weh und zu verbergen hat auch keiner etwas. Recht amüsant, dass sich damit scheinbar eine Menge Geld verdienen lässt. Aber ausschlaggebend ist doch, dass damit unser aller Sicherheit erhöht, ja geradezu erst gewährleistet werden kann. Wenn das mal kein stichhaltiges Argument ist. Wo früher Massen an Soldaten und Polizisten nötig waren, können die Bösen jetzt auf Schritt und Tritt überwacht werden, obendrein ohne deren Wissen, wenn es erforderlich ist. Es soll sogar vorausgesagt werden können, ob und wann von denen Gefahr droht. Nun gut, ganz funktioniert das noch nicht, immerhin steckt die Materie noch in den Kinderschuhen. Merkwürdigerweise regt sich bei einigen Leuten Widerstand, die die Abhängigkeit der Sicherheit von Daten nicht akzeptieren wollen. Privatsphäre nennen sie es. Zudem sollen Presse- und vor allem Meinungsfreiheit eingeschränkt sein. Angeblich dienen Daten dazu, um uns zu manipulieren und von Oben zu diktieren. Die Nörgler missachten einfach den Komfortgewinn in vielen Lebensbereichen. Heizung, Strom, überhaupt ist das “Smart Home” doch ein Traum. Niemand wünscht sich ernsthaft alte Zeiten zurück. Müssen wir nicht nutzen, was wir erschaffen haben? “Ein Mensch unter Beobachtung ist niemals frei; und eine Gesellschaft unter ständiger Beobachtung ist keine Demokratie mehr.”* Das ist doch übertrieben, oder?
⇒ *Thomas Krüger (bpb)

21.07.2018 | Leben

Kultur Saboteur ÖRR

Mit knapp 9 Milliarden Euro setzt die Buchbranche in etwa das um, was dem ÖRR durch die Zwangsabgaben zufließt. Wohlgemerkt Umsatz, nicht Gewinn, der mit dem Kulturgut Buch erzielt wird. Dagegen kann der ÖRR alles Geld nach eigenem Gutdünken verprassen. Zwar per Gesetz zum sparsamen Umgang verpflichtet, ist das erstens eine Auslegungssache und zweitens eine Sache des richtigen Verkaufen. Zur vermeintlichen Erfüllung altertümlicher, dem ÖRR hinderliche, anspruchsvoller Inhaltsaufträge, platziert die ARD aktuell zwei angeblich investigative und kritische Sendungen Montag Abends als Alibi. Obwohl der ÖRR gerade nicht von Quoten abhängig ist, dürften sie mangels Interesse bald wieder im Nirwana verschwinden (*). Das kann schon bewusst durch die Produktion gesteuert sein oder weil gut situierte Sesselfurzer meinen sie hätten den Durchblick. Vermutlich liegt es aber daran, dass gehaltvolles Programm den Zuschauern inzwischen zu anstrengend ist und schwer auf den Magen schlägt. Für die Verflachung der Ansprüche ist der Öffentlich Rechtliche Rundfunk nicht nur mitverantwortlich, sondern Hauptschuldiger bzw. -verursacher. Der ÖRR hat sich mit den privaten Sendern in einen Wettbewerb begeben, der faktisch nicht existiert. Damit und der schleimig regierungsfreundlichen Berichterstattung, haben sie längst die eigene Glaubwürdigkeit verspielt. Als Staatsfunk scheint der eigentliche Auftrag das Schwächen der Bildung zu sein, damit Politik ungestört herrschen kann. Bei zunehmender Lethargie und Interessenlosigkeit verwahrlost die Kultur, während die Verrohung zunimmt. Bücher bzw. das Lesen an sich, sind nur ein Leidtragender, dafür aber der bekannteste und meist verbreitetste. Bezeichnend ist der abnehmende Branchenumsatz mit Büchern, während der ÖRR für seine Demontage der Kultur laut nach immer mehr Geld schreit. Maßgeblich ist der ÖRR an dieser kulturellen Sabotage beteiligt, auch wenn man es dort in klein-geistiger Selbstgefälligkeit weit von sich weist und die eigenen Schandtaten zudem für Qualität hält – aber Einsicht war noch nie eine Stärke selbstverliebter Gockel.
(*) Artikel Entwurf von Mitte Mai, inzwischen sind die Sendungen entweder tatsächlich bereits wieder abgesetzt oder wurden nach den wenigen, sicherlich sehr anstrengenden, Auftritten in den Sommerurlaub geschickt – Rückkehr fraglich, denn aus den Augen, aus dem Sinn.

19.07.2018 | Medien

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