#kurzhalt

bissiges Dazwischengequatsche

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Ich kaufe, also bin ich

Heutzutage kommt der imaginäre Glauben nur noch zum Zug, wenn ein Ereignis unsere Vorstellungskraft oder Akzeptanzvermögen übersteigt. Insgesamt bewegt er sich in seiner Bedeutung auf dem Rückzug. Nicht freiwillig, denn so manches mal muss er sich die Klagen über unerfüllbare Wünsche an die neue Gottheit anhören, dem die Menschheit verfallen ist: Geld. Unterdessen jubelt das Kapital und infiltriert die Köpfe der Abhängigen immer stärker mit seinen gefälschten Bildern von einer schönen neuen Welt, die nur Geld ermöglichen wird und kann. Bei drohendem Ungemach oder aufgedecktem Ungleichgewicht wird der schwarze Peter den Konsumenten untergeschoben oder Argumente umgebogen und wieder als Waffe eingesetzt. Durch die inzwischen erlangte Allmacht prallen Angriffe spurlos ab. Alternativlos frönen sie hemmungslos ihrem unstillbaren Hunger. Übrig bleiben zerstörte Existenzen – Firmen, Händler und entlassene Mitarbeiter von geschluckten Unternehmen. Begünstigt durch alle Menschen, die leichtgläubig ihren Kopf an der Garderobe abgeben und willenlos von den monotonen Litaneien der Finanzdiktatur infiziert werden. Völlig dem Kaufwahn erlegen werden die Gefahren durch die sich konzentrierende Mittelbündelung übersehen oder schlicht ignoriert. Hinterfragt wird nicht mehr, weil es zu unbequem und anstrengend ist – ein Klick, gekauft, komplizierter darf es nicht mehr sein und werden. Die Größe des Warenkorbs dient der Identifizierung, weshalb Billig die angestrebte Maxime ist, denn auch die Zurückgelassenen und Aussortierten suchen ihr Heil in der neuen Religion. Zusammenhänge interessieren nicht mehr, notfalls muss bei Aufregern Pauschalisierung reichen. Unter diesen günstigen Gegebenheiten können die Sektenführer schamlos agieren und sich genüsslich an der zügellosen Begierde der Gläubigen laben. Während sich der Geldadel weiter abhebt, geraten alle darunter befindlichen Schichten in Schieflage. Instabilitäten wachsen und drohen in verlustreiche Katastrophen zu münden. Nur an der neuen Gottheit wird nicht gezweifelt, denn ohne äußeren Halt scheint der Mensch seine Orientierung zu verlieren und droht von der eigenen Unzulänglichkeit zerfressen zu werden … und irgendwie muss die innere Leere schließlich gefüllt werden.
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09.12.2017 | Leben

Der giftige Apfel

Der einmal angebissene Apfel erweckt nicht umsonst die Verknüpfung zum – hoffentlich – bekannten Märchen von Schneewittchen. Wie dort wird der hiesige mit allerlei verführerischen Versprechungen angepriesen. Einzige Abweichung ist, dass heutzutage kein Tiefschlaf folgt, sondern die Verwandlung in einen seelenlosen Zombie. Anders lassen sich flächendeckende Vorgänge nicht deuten. Völlig überteuerte Produkte, die noch immer unter Beteiligung Minderjähriger in Überstunden hergestellt werden, trotz monotoner Wiederholung dieses unterlassen zu wollen. Zudem die Arbeitsbedingungen und Entlohnungen derart unwürdig sind, dass sich niemand aus der übersättigten Welt diesen freiwillig aussetzen würde. Die unverschämten Gewinne werden mit Argusaugen gehortet und die winzigste Gelegenheit ausgeschöpft, um keinen Cent davon abzugeben. Letzter Coup war die Aufnahme eines Milliarden schweren Kredits im Heimatland, obwohl dafür ein Griff in die Portokasse gereicht hätte. Mit diesem Kniff ließ sich der dortige Gewinn reduzieren. Erneut mit dem Ziel, bloß nichts herzugeben. Unvorstellbare Barreserven werden in weitestgehend Abgabe freien Ländern geparkt, wobei eine Oase ohne jeglichen Tribut für den Geldspeicher bereits gesucht wird. Gewiss sind diese Abzüge misslich, allerdings unterliegt jeder Einzelne diesen. Es ist ein gesamtgesellschaftlicher Beitrag, an dem die Gemeinschaft auf anderen Wegen wieder partizipiert. Wer lediglich nimmt, aber nicht geben will, ist hochgradig asozial. Ein widerlicher Schmarotzer. Heimliche Tricksereien gleichen dem eines niederträchtigen Diebs. Schamlos, ohne den Hauch eines Gewissens, wird den Opfern die auf Hochglanz polierte Ware schmackhaft gemacht. Hämisch über jeden gelacht, der zubeißt und die Kassen klingeln lässt. Diese Frucht wird von einem durch und durch hässlichen Unternehmen gereicht. Durchtrieben und abgrundtief verachtenswert. Uneinsichtig werden kritische Stimmen ignoriert oder mundtot gemacht und vermeintliche Trittbrettfahrer gnadenlos zerdrückt - für Rechtsanwälte sitzt das Geld locker. Geradezu infam präsentiert es sich selbst als Opfer, weil man stets Gesetzeskonform handeln würde. Geschickt wird dabei vertuscht, dass Profitgier weit über soziale Verantwortung und Beteiligung steht – welche unbekannte Fremdwörter sind. Bei aller Abartigkeit sind Hoffnungen auf ein zivilisiertes Ende leider vergebens – zu viele wurden inzwischen vergiftet.
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06.12.2017 | Wirtschaft

Breitband Delirium

Zahnlose Medien schaffen lieber eine Bühne für Rechts oder goutieren sich darin, wer wohl die kühnsten Spekulationen im herrschenden Politik-Theater bietet. Währenddessen läuft die tumbe Masse uninteressiert einer Schnäppchenschlacht nach der anderen hinterher und führen vor, dass sie zu brav dressierten Konsum-Zombies mutiert sind. Mahnende Stimmen werden nicht gehört, weil es zu wenige sind, um sich gegen das Geschrei der Lobbyisten durchzusetzen und sie vom Rest nur mit deren leeren Blick verständnislos angegafft werden. Über Jahre konnte sich ein Nebel übers Land legen, der sich inzwischen so verdichtet hat, dass nur noch die eigene Hand vor Augen zählt. Ohne Orientierung wird versucht, die trübe Eintönigkeit mit jedem Strohhalm zu vertreiben, der Linderung verspricht. Das politische Geschehen hat sich unterdessen über die diffuse Schicht erhoben und dringt lediglich dumpf und verzerrt hindurch. Wie in einem Dauerrausch verschwimmen Wahrnehmung und Grenzen. Gerade die werden durch die einsetzende Hemmungslosigkeit vermehrt überschritten. Auf allen Ebenen nimmt die Aggressivität zu – physisch und psychisch. Zunehmende Hilflosigkeit und sich Allein gelassen fühlen, schüren Ängste. Hier sticht besonders die Angst vor der Bedeutungslosigkeit hervor. Nicht mehr ernst genommen zu werden verursacht einen penetranten Schmerz, der sich allmählich zu einem chronischen Schaden entwickelt. Die Empfindung, lediglich als Schlachtvieh für die Wirtschaft zu dienen, ist bereits abgestorben. Mag bei eklatanten Ungerechtigkeiten noch ein Aufschrei durch die Untertanen gehen, löst der tief eingedrungene Stachel keine Veränderungen mehr aus. Denken wurde gegen Resignation ausgetauscht und Handeln aufs Empören reduziert. Unvermeidlich entstehen Konflikte und gären wie in einem Gülletrog vor sich hin. Irgendein Funke könnte dann zur Explosion führen. Stinken tut das Ganze schon gewaltig, wie viel entzündliches Gas sich gebildet hat, wird sich erst zeigen, wenn es zu spät ist. Bedauernswerterweise kann im derzeitigen Breitband Delirium weder mit Erkenntnis, noch einer Wandlung gerechnet werden.

29.11.2017 | Leben

Volksstimme schweigt … nicht

Mit ihrem Kreuz überantworten Wähler ihre Stimme einem politischem Vertreter, um von diesem in der Landes- oder Bundesregierung repräsentiert zu werden. Egal wie man es dreht und wendet, Bürgern stehen zwei Optionen zur Verfügung: Ja oder Nein … Gültig oder Ungültig … Kreuz oder kein Kreuz. Am Ende wurde entweder eine zählbare Stimme abgegeben oder eben nicht, Abstufungen existieren nicht. Kein vielleicht; kein mal sehen; kein ach doch lieber nicht; kein revidieren. Äußerst ärgerlich wird es dadurch, wenn besagte Volksvertreter den Wählern ihre Stimme versagen. Statt in Abstimmungen eine klare Position mit Ja oder Nein zu beziehen, stellen sie sich in die unbedeutende Mitte und enthalten sich. Damit überlassen sie Entscheidungen denen, die sich ihrer Verantwortung und ihres Auftrags verpflichtet fühlen. Ob sie immer im Sinne ihrer Wähler stimmen, spielt erst mal keine Rolle. Ausschlaggebend ist, dass sie der Volksstimme einen Inhalt geben – das ist ihre Existenzgrundlage! Mag das Desinteresse in der Bevölkerung in dem Maße zunehmen, wie selbständiges Nachdenken abnimmt, dürfen sich politische Gremien diese Entwicklung nicht zu Eigen machen. Soldaten, die in ein Kriegsgebiet geschickt werden sollen, verdienen eine klare Positionierung und kein ist mir egal, um nur eines von unzähligen Beispielen zu nennen. Die Variante einer Enthaltung muss abgeschafft werden! Niemand ist und darf stimmlos bleiben. Kann sich ein Volksvertreter nicht zu einem deutlichen Votum durchringen und begründet eine Enthaltung mit seinem Gewissen, hat er genau dieses nicht. Die Stimme des Volkes schweigen zu lassen, ist gewissenlos. Zudem ist es schlichtweg eine Arbeitsverweigerung, die spürbar geahndet werden sollte. Ebenso zu verdammen ist die Unsitte, gegen eine vorherrschende Volksmeinung zu stimmen und diese Vorgänge in Zeiten durchzuführen, an denen der Fokus der Allgemeinheit durch irgendein Großereignis abgelenkt ist. Das ist infam und undemokratisch. Gegen das Volk zu agieren, bleibt nicht folgenlos … wie leider deutlich zu sehen ist.

25.11.2017 | Politik

Untergang der Flaggschiffe

Mega Versprechen – Mega Funktionen – Mega Design – Mega Benutzererlebnis. Die Superlativen reichen kaum, um den Stolz der Hersteller in Worte zu fassen. Man muss diese Boliden einfach selbst besitzen, sonst kann man nicht mitreden. Allen voran haben in den letzten Wochen Apples neues iPhone X und Googles Pixel 2 die Schlagzeilen bestimmt … und wie: Einbrenneffekte, senkrechte grüne Linien, Kälte legt Touchscreen lahm, schnell platzendes Glasgehäuse, taube Ränder, leicht auszutricksende Entsperrung, extreme Reparaturkosten … um nur die haften gebliebenen zu nennen. Wohl gemerkt Geräte, die erst wenige Tage auf dem Markt sind. Google sah sich gar genötigt die Garantiezeit zu verlängern. Beide Unternehmen haben scheinbar nicht nur an der Qualitätskontrolle, sondern auch an Hard- und Software gespart. Apple hat inzwischen wie viele Updates hinterhergeschoben? Drei? Vier? Egal, vielleicht nutzen die Apple Mitarbeiter lieber Android Smartphones, weil sie keinen Frust schieben wollen. Dienen die offensichtlichen Sparmaßnahmen wenigstens dazu die Geräte zu einem moderaten Preis anzubieten? Wer glaubt, die beiden reichsten Unternehmen entdecken Moral und Vernunft, wird brutal aus seinen Träumen gerissen. Für das neue iPhone X wandern mindestens 1.150 Euro über den Ladentisch. Möchte man angesichts des unverschämten Preises lieber zum Vorgänger greifen, hat die gewieften Strategen aus Cupertino unterschätzt. Deren Verkaufspreise wurden großzügig angepasst – nach oben. Zu allem Überdruss mimt Apple Chef Tim Cook das Unschuldslamm und hält das iPhone X für preiswert. Bekanntlich geht schlimmer immer. Der eigentliche Skandal ist, dass die Geräte nicht in den Warenlagern verstauben, sondern von sabbernden Jüngern mit fiebrigen Blick gierig leer gekauft werden. Fassungslos schweift der Blick zum #kurzhalt Verantwortungslose Erdenbewohner
⇒ Mac & i

23.11.2017 | Wirtschaft

Jamaika

Zum einen sind da Temperaturen, die man in unseren Breiten nicht auf Dauer aushält. Zum anderen Hurrikans, deren Gewalt man bei uns nur aus Fernsehberichten kennt und vorzugsweise lieber nicht am eigenen Leib erleben möchte. Nun scheint in unserem beschaulichen Ländle beides gleichzeitig über uns hereinzubrechen. Eine überhitzte Debatte, die in einem plötzlichen Orkan gipfelte und am Ende Verwüstung hinterlässt. Für alle Beteiligten ist … war Jamaika unbekanntes Terrain. Im Normalfall bedient man sich eines ortskundigen Führers, der nicht existiert, weil er bisher nicht benötigt wurde. Stattdessen stritt man über den besten Weg. Wobei, bester Weg? Den doch keiner kennt, kennen kann? In dem Disput, welche Farbanteile in welchen Gewichtungen vorliegen müssen, wurde hart für das Ego gekämpft und geflissentlich übersehen, welchen Auftrag die Streithähne zu erfüllen haben … hätten. Sie sind nicht die Kapitäne; nicht die, die das Seil in der Hand haben, mit dem sie das Volk am Nasenring hinter sich her ziehen. Sie sind lediglich die Steuermänner, die ihre Befehle von den Bürgern erhalten und auszuführen haben. Sie sind an Seilen vor einen Schlitten gespannt auf dem das Volk sitzt und müssen deren Peitsche ertragen. Dies gilt grundsätzlich, auch wenn ihnen in den letzten Jahrzehnten eine Flucht aus den selbstauferlegten Fesseln gelungen ist und sie eine Umkehrung über die Rollenverteilung im Bewusstsein der Bevölkerung einleiten konnten. Begleitet wird die Wandlung der Politik von zunehmender Verantwortungslosigkeit und verstärktem Machtgeplänkel. Die eigentliche Aufgabe wird unter einem Schwall inhaltsloser Worte begraben, womit den Adressaten unterschwellig suggeriert wird, sie sind deren Erfassung geistig nicht gewachsen. In so fern erweisen sich die gescheiterten Sondierungen hoffentlich als Augen öffnender Akt. Beharren auf eigene Standpunkte, sogenannte Gesichtswahrung, hört sich vernünftig an und lässt sich entsprechend leicht verkaufen … und lenkt hervorragend von der desaströsen Wahrheit ab: Versagen auf ganzer Linie!
⇒ Dirk von Gehlen

21.11.2017 | Politik

Bühne frei für Rechts

Der rote Teppich liegt bereit. Gepflegt von den Medien, die sich auf ihren öffentlichen Informationsschutz berufen. Gebetsmühlenartig ihre Neutralität betonend, pulen sie den kleinsten Dreck hervor. Wichtigtuerisch rücken sie die Scheinwerfer zurecht, um kein Detail zu verpassen und auszulassen. Es sei ihre Aufgabe und irgendwer muss sie schließlich machen, damit der Zuschauer ein sauberes Bild erhält. Auf die Idee, dass gerade sie für den hoch spritzenden Schmutz verantwortlich sind, würde man nie kommen. In Betracht ziehen die schmuddeligen Gassen nicht auszuleuchten und gelassen zu ignorieren erst recht nicht. Alleine ihre Sucht nach Sensationen und Aufmerksamkeit verbietet dies. Diese Haltung ist nicht exklusiv den Medien vorbehalten. An Stellen, die Keiner auf dem Zettel hat, schlägt es sogar kräftigere Wellen. Die Frankfurter Buchmesse 2017 war zum Beispiel ein solcher Ort. Was als unvorhersehbarer Eklat verkauft wurde, stinkt vielmehr nach geplantem Kalkül. Nötig hat die Buchmesse es nicht, zumal der Umgang der Verantwortlichen mit der Aufruhr zur peinlichen Slapstick-Nummer ausartete. Diese Wendung dürfte vielen nicht gemundet haben. Argumentativ bediente man sich der Floskel aus der Medienwelt: Eine Demokratie muss das aushalten und allen Gesinnungen die gleiche Bühne bieten. Rums, da knallt man den Nörglern den ausgelutschten Standardsatz vor den Latz. Richtiger wird die Rechtfertigung durch ihre penetrante Wiederholung keinesfalls, nur abgenutzter und immer weniger verständlich. Gerade die Messe mit ihrem Hausrecht hätte ohne Erklärungsnot dieses Theater unterbinden können. Das schärfste, wirksamste und schmerzhafteste Mittel der Menschen unter- und gegeneinander ist Ignoranz. Kein Spotlight heißt keine Wahrnehmung. Damit bleibt auch brauner Schmutz weitestgehend unsichtbar. Wenn man diese Tatsache in die begriffsstutzigen, engstirnigen Sturköpfe der Medien gehämmert kriegt, käme man einen großen Schritt weiter – aber die drehen sich lieber im Kreis.
⇒ Sven Hensel

20.11.2017 | Medien

Verantwortungslose Erdenbewohner

Es ist schwer vorstellbar, dass die aktuellen Besiedler des Planeten ihr Verhalten derart ändern, um ihren Nachfahren eine Grundlage zu hinterlassen, wie sie sie selbst vorgefunden haben. Was Mutter Natur in Millionen von Jahren mühsam erschuf, beuten sie in nicht mal einem Wimpernschlag aus. Skrupellos und ohne nachzudenken. Im Jetzt gilt, die maximal mögliche Bereicherung zu erzielen; soll sich die Zukunft mit den Hinterlassenschaften herumschlagen. Deren erwartbares Mäkeln über leere Töpfe, vernichtend strahlenden Müll und unbrauchbare Natur löst heutzutage nur ein desinteressiertes Schulterzucken aus. Keiner der Verantwortlichen fürchtet die Anklagen der Nachwelt, weil biologische Grenzen diesen zuvorkommen. Nach mir die Sintflut hat sich als Credo übergreifend etabliert. Bei der hörigen Besatzung ist Gleichgültigkeit zur apathischen Lethargie mutiert, während die Kommando Schicht ausdünnt und trotzdem an Gewicht zulegt. Eigennützig werden die Massen dirigiert, die inzwischen auf plumpste Animationen anspringen, solange die niederen Instinkte gereizt werden. Animalisch lechzen die Hohlkörper nach jedem vorgesetzten Fraß. Der vormals vorhandene Denkprozess wird ausgelagert, abgegeben oder durch Alibifunktionen ersetzt. Überfordert von Vorgängen und Machenschaften einer nicht mehr zu verstehenden Parallelwelt, aktiviert sich der Aufgabe-Modus. Wer sich wehrt, wird irgendwann von Resignation eingeholt. Verantwortungslosigkeit prägt das Handeln der Führungsebenen. Weil aber die Konsequenz daraus nicht Bestrafung, sondern unverschämter Erfolg ist, will jeder daran teilhaben und antizipiert diesen einst verurteilten Charakterzug. Summa summarum reißt sich jeder ohne Scham unter den Nagel, was die Gier zu fassen kriegt. Wer nicht schnell genug, zurückhaltend oder bescheiden ist, kommt unter die Räder. Entwicklungen haben die Erschaffer abgehängt und offensichtlich eine Umkehrung der geistigen Beschaffenheit eingeleitet. Anders sind die weltweiten Abstrusitäten nicht erklärbar.

18.11.2017 | Leben

Katalonien entblößt Europas Fratze

Die Vorgänge in Katalonien offenbaren, wie sehr Spaniens Regierungspolitiker der Diktatur nachtrauern. Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob zu wenig oder nicht richtig miteinander geredet wurde. Die strikte Ablehnung von Kataloniens Begehren und einseitige Durchsetzung vermeintlichen Rechts zeigen, dass Spaniens Demokratie Verständnis aufhört, wenn zumindest Teile des Volks diese einfordern. Deprimierend wird der Vorgang durch die erstaunliche Einigkeit europäischer Politiker, die sich verlogen hinter Madrid verstecken. Unisono plappern sie, man mische sich nicht in innere Angelegenheiten eines Mitgliedstaats ein. Was für eine Verballhornung! Unabhängig vom Europäischen Gerichtshof (EuGH), der permanent in die Autonomie der Länder eingreift, weil dieser Zwang zu den Nutzungsbedingungen der EU gehört und nationale Rechtsprechung zu einer minderwertigen Randerscheinung degradiert, schaltet sich Brüssel bei den nationalistischen Bestrebungen mancher Staaten vehement ein. Obwohl dieses Gebären lächerlich ist, gleicht es dem unwilligem Knurren eines zahnlosen Dackels. Angeblich will Brüssel einen Präzedenzfall verhindern, um keine Nachahmer zu animieren. Das leuchtet nur begrenzt ein. Als übergeordnete Institution sollte es belanglos sein, aus wie vielen Einzelteilen das Puzzle besteht. Jugoslawien wurde aufgeteilt und der Ostblock existiert in dieser Form auch erst kurz. Die Macht-Neurotiker in Brüssel verzehren sich doch nach Wachstum, weshalb Länder integriert werden, die die Aufnahmebedingungen nicht erfüllen, z. B. Griechenland. Geografische Grenzen beschneiden die Ausdehnung der Einrichtung EU. Um zahlenmäßig zuzulegen müssen neue Länder entstehen. Ein Einmischen von Brüssel in den Konflikt wäre logisch gewesen. Wenn aber demokratische Bestrebungen von der Verfassung im Keim erstickt werden, muss gerade Brüssel dem entgegenwirken. Ist nicht mehr gewährleistet, dass ein Volk über sein Wohl entscheidet, löst sich Demokratie auf. Hier wird mit gespaltener Zunge gesprochen, was mit Akzeptanzabnahme bei den Bürgern leidlich bestraft wird. Würfen auch andere europäische Länder einen prüfenden Blick in den Spiegel, erblickten sie ebenso eine abstoßende Fratze. Souverän sieht anders aus.
⇒ Telepolis

16.11.2017 | Politik

Zukunftsland Deutschland

Von wegen. Nur in den vollmundigen Reden der Politik befinden wir uns angeblich auf dem richtigen Weg. Für den Fall, dass wenigstens diese Annahme zutrifft, sollte sich die Frage anschließen, wie weit hängen wir zurück? Die vier großen Energiekonzerne klammern sich an ihre Dreckschleudern und die Autoindustrie an veralteter, überholter Technik. Beide Lager haben neue Entwicklungen hochmütig belächelt und werden nun von diesen abgehängt. Schlimmer verhält sich die Agrar-Branche, die immerhin unsere Ernährung verantwortet, aber unverantwortlich agiert, widerspenstig uneinsichtig ist, lieber die Menschen weiter vergiftet und Ackerböden verseucht. Die Verlagswelt suhlt sich in der Tradition und steckt im Morast fest. Den digitalen Zug hat man naiv und widerstandslos amerikanischen Playern überlassen und wundert sich nun über den Kontrollverlust. Nicht zu Schweigen vom Finanzsektor, der sich jeglichem Zugriff entkoppelt hat und hemmungslos sein ungezügeltes Eigenleben führt. Überall schwillt das Geschrei an und fordert ausgerechnet von den Stillstand-Politikern Bewegung. Dabei ist abzusehen, dass die angedrohte Jamaika-Koalition sich lediglich gegenseitig ausbremsen wird. Um dann wenigstens für etwas Ruhe zu sorgen, wird sie den lautesten Schreihälsen nachgeben – also den Wirtschaft Lobbyisten. Allerdings verheißt dies ein weiter so wie bisher, mit all seinen negativen Begleiterscheinungen. Bereicherung weniger, Fruststeigerung beim Rest. Ebenfalls von der Politik erwartbar, sind kläglich scheiternde Reaktionen, die die unschuldige Masse auszubaden hat. Geschuldet dem selbst erzeugten Druck vergangener Fehlentscheidungen und inkompetentem Vorgehens. Von einem Zukunftsland entfernt sich Deutschland beharrlich. Mit dem derzeit angebotenem Personal ist auf Sicht auch kein Umschwenken vollziehbar. Mit leeren Worthülsen und eingerosteten Strukturen lässt sich ein Ruder nicht herumreißen. Es braucht Mut und eine unbelastete Sichtweise, um den Kurs zu wechseln. Leider sind die Aussichten hierfür betrüblich, denn selbst am Horizont zeichnet sich kein Hoffnungsschimmer ab. Traurige Zukunft.

14.11.2017 | Politik

Zahnlose Medien

Wie Raubtiere mit sabbernden Lechzen stürzen sich Medien auf jede vermeintliche Sensation. Dabei sind sie so zahnlos und zahm wie ein Baby, nur nicht so niedlich. Haben sie sich an dem Opferduft ausreichend gelabt, wird hastig weitergezogen; ohne Zähne kann die Beute nicht ausgeschlachtet werden. Ihre Oberflächlichkeit verteidigen sie mit einer hypothetischen Neutralität, die sie wie eine heilige Kuh vor sich her treiben. Klägliches Beispiel ist der Fipronil-Skandal, dem die gierige Meute nach einigen Tagen nichts mehr abgewinnen konnte. Nur vorbei ist dieser längst nicht, er wird jetzt erst spannend. Die vergifteten Eier lassen sich in zahlreichen weiterverarbeiteten Produkten nachweisen, was zu erwarten war. Doch statt die Produkte und Produzenten zu benennen, um einen öffentlichen Druck aufzubauen, herrscht Schweigen im Walde. Für Verbraucher wäre eine detaillierte Berichterstattung wertvoll, schließlich hat jeder ein gesteigertes Interesse daran seine Gesundheit zu schützen. Anprangern mag gegen die zweifelhafte Objektivität stehen, wahrscheinlicher ist aber, dass die Anzeigenkunden aus der Wirtschaft nicht vergrault werden sollen. Gerade die Zeitungsverlage kämpfen um jeden Cent und mit dem Internet, das sie nicht verstehen. Krampfhaft halten sie sich an eingefahrenen Denkweisen fest und zur Not wird um sich geschlagen. Probieren sie Neues aus, wird es ihnen von Außenstehenden vorgesetzt, die ihre eigenen Interessen verfolgen und von den Medien als Handlanger profitieren, was man in den Chefetagen bei der angeborenen Engstirnigkeit natürlich verkennt. Die ebenso übliche wie einfältige Lösung muss es dann richten; eigene Mitarbeiter werden zunehmend ausgebeutet und freie Zulieferer zu Knebelverträgen erpresst. Der Journalismus verzockt seine Bedeutung im belanglosen Einheitsbrei und ist hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt. Der im Raum stehende Vorwurf einer "Lügenpresse" ist zwar sehr griffig, schenkt den Bezeichneten unverdiente Aufmerksamkeit und ist nur die halbe Wahrheit. Vielmehr ist die Gleichförmigkeit schlicht Langweilig, Nichtssagend, Vernachlässigbar; nach dem Motto, "braucht das noch einer oder kann das weg?!"
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14.10.2017 | Medien

Tierquälerei filmen erlaubt

Es gibt doch noch Richter mit einem Gewissen am rechten Fleck, der in der Lage ist Gesetze so zu verstehen, dass über seinem Urteil am Ende verdient "Im Namen des Volkes" steht. Der genau hinsieht und sich nicht von dem angeprangerten Untergang der Wirtschaft einschüchtern oder beeindrucken lässt. Der sich nicht der Geldmacht unterwirft, die immer weitere Kreise zieht und tief in die regulatorischen Systeme eindringt. Der sich nicht vom Gejammer selbstverliebter Verbände beeinflussen lässt, die längst jede Humanität verloren haben. Der sich zudem traut den zuständigen staatlichen Organen Versagen vorzuwerfen, weil diese über die deutlichen Missstände weggeschaut haben. Der dem Staat schon deshalb auf die Füße tritt, da dieser der Ankläger war. Für die Staatsanwaltschaft war es damit bereits die zweite Klatsche. In peinlichster Weise offenbart sich, dass der Staat seinen Aufgaben nicht nachkommt und seine Versprechungen für die hohle Hand sind. Trotz der mal wieder bewiesenen Tierquälerei handelt die Regierung nicht im erforderlichen Maße. Auch wenn sie immer betont, wie viel ihr am Tierwohl liegt, werden lediglich die Interessen der abartigen Mastbetriebe in für die Allgemeinheit verträgliche Kleider gehüllt und damit die Machenschaften der Quäler unterstützt. Während man von der Wirtschaft keine Vernunft und Moral mehr erwarten kann, weil sich damit kein Geld verdienen lässt, bestätigt dieses Urteil, dass an entscheidenden Stellen beides noch vorhanden ist. Und der Bauernverband soll doch ganz einfach mal sein unwürdig ignorantes Schandmaul halten.
⇒ LTO

13.10.2017 | Recht

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