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Gleichbehandlung sabotiert Geldmaschinerie


03.08.2018

Eine Maschine verrichtet zufriedenstellend ihren Dienst, wenn am Ende mehr herauskommt, als Eingangs zugeführt wurde. Diese Nutzen-Rechnung gilt für jegliches wirtschaftliche Handeln, es ist ein ökonomisches Grundprinzip: Minimaler Einsatz, maximaler Ertrag. Das hat sich in der stofflichen Welt verhältnismäßig gut eingespielt, zumindest ist man daran gewöhnt. Doch das Internet schüttelte anfänglich alles Hergebrachte kräftig durch. Erst die harte Tour lehrte, dass es nach altbekannten Regeln funktionierte. Lediglich ein Faktor scherte aus: der Datenverkehr. Dessen Gleichbehandlung schrieben die Erschaffer ins Geburtsprotokoll. In den ersten Jahren stand dies auch nicht zur Debatte, waren die verantwortlichen Unternehmen mit dem Aufbau der Infrastruktur ausgelastet. Inzwischen ist dies nebensächliches Alltagsgeschäft und ihnen dünkt, dass sie die Gelackmeierten sind, die vom Kuchen nur Krümel erhalten. Nur eine Nebenrolle bekleiden, obwohl man alle Last trägt und zusehen, wie sich die Nutznießer ins Fäustchen lachen und ihre Taschen vollstopfen, verdirbt deren Laune gründlich. Da heutzutage einzig Profit zählt, war es unvermeidlich und absehbar, dass sich Provider ans Werk machen würden, um die Bedingungen nach ihrem Gusto zu formen. Je nach Land und Rechtslage werden nun verschiedene Maßnahmen umgesetzt; viel mehr getestet, was sie durch bekommen. Dabei wird jede Herangehensweise ausprobiert, die sich bietet, denn am Ende muss ein Erfolg stehen – egal wie. Erfolg bedeutet in diesem Fall, man baut nicht nur Umsatz und Gewinn aus, sondern schafft Hebel, um Einnahmen kontinuierlich auszuweiten. Gleichbehandlung bedeutet Stillstand, was einer Niederlage gleicht und gnadenlos abgestraft wird. Im Keim ersticken lassen sich die Bemühungen nicht mehr; das Kind ist längst in den Brunnen gefallen. Wir Konsumenten, die es verhindern oder wenigstens eindämmen könnten, werden auf schändliche Weise erst in die Falle gelockt und dann als Waffe missbraucht. Aber für einen fairen Umgang bräuchte es Anstand, den der Neoliberalismus vom Hof gejagt hat. Politik beteiligt sich daran, weil es dort an Verstand und Courage für den nötigen Widerstand mangelt.
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Wem gehört unser Leben?


21.04.2018

“1984”, “Fahrenheit 451” – in Bücher gegossene Dystopien über Gesellschaftsformen, wie sie sich keiner wünscht. Wer deren Inhalte kennt, hofft, dass sie nie wahr werden. Gleichzeitig sind sich alle einig, dass sie unmöglich eintreffen können, weil Niemand derartige Zustände will. Sicher? Worauf gründet sich diese Annahme? Wird hier leichtfertig auf Hoffnung gesetzt? Darauf, dass irgendwer es verhindern oder nie jemand so weit gehen wird? Das soll reichen? Deshalb will auch Keiner hören, dass alles dagegen spricht und ein hartes Erwachen wartet. Ausblenden und wie bisher weitermachen. Ernsthaft? Weiter der Wirtschaft ausliefern; immer mehr Überwachung durch großzügiges Verteilen von Daten gewähren, um als ausgequetschtes und benutztes Objekt zu Enden? Die Strecke zu den düsteren Prophezeiungen liegt längst zur Hälfte hinter uns. Gleichgültigkeit schleicht sich ein, nimmt uns gefangen und gibt uns nicht wieder frei. Den Wert unseres Lebens taxieren andere. Sie nehmen sich das Recht, weil jeder Widerstand schwindet. Unsere Passivität legitimiert monopolisierende Herrschaftsstrukturen. Unternehmen sind die Taktgeber, die sich durch Aufkäufe und Zusammenschlüsse weiter konzentrieren. Die Stufen zur vollständigen Kontrolle sind fast erklommen. In ihren Händen befindet sich der letzte Baustein: Daten. Ein Großteil der Menschen ist bereits von ihren Diensten abhängig. Mit den Sprach-Assistenten verkürzen sie jetzt den Weg in deren Gehirne. Wünsche der Nutzer voraussagen ist dann keine Zauberei, weil sie diese steuern. Die Basis haben sie fest im Griff, es fehlen die Regierungen. Daran wird hart gearbeitet, was nicht ohne Konflikte vonstatten geht. Politiker wollen das Zepter nicht aus der Hand geben. Dummerweise sorgten sie selbst dafür, dass der Kapitalmarkt die Welt im Würgegriff hat. Dieses Kräftemessen wird unzählige Opfer kosten – an der Basis, natürlich – aber den anvisierten Ausgang nehmen. Hoffen reicht nicht mehr, denn wir haben freiwillig und gedankenlos unseren wertvollsten Besitz abgetreten: Die Macht über unser Leben.
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Nachruf auf das Internet


18.01.2018

Es war schön mit dir. Man zahlte einen monatlichen Eintritt und verlor sich in deinen sagenhaften Tiefen. Dein Angebot war riesig. Jeder wurde fündig, jedes Interesse bedientest du. Nicht alles war astrein, einiges gar illegal, aber insgesamt war deine Welt bunt und vielseitig. Einmal eingelassen botest du eine grenzenlose Freiheit. Gerade die verursachte aus verschiedenen Gründen heftige Magenschmerzen, reduzierte sich letztlich auf eine Motivation: Kontrolle. Die einen strebten nach Macht über Meinungen und Menschen, andere nach Gewinnsteigerung. Einigen hast du ungezügelten Kapitalismus ermöglicht, doch die Zugangsbewacher fanden sich nicht ausreichend beteiligt. Denen waren die Mautgebühren der Nutzer zu gering, trauten sich aber nicht diese zu erhöhen. Also mussten Wege her, um die bisher unbehelligten Nutznießer zur Kasse zu bitten. Schnell drängte sich ein bekanntes Mantra auf, denn die Kontrolleure tickten auch nur simpel: Gleicher als gleich. Damit kannten sie sich aus. Kurzerhand wurde deine Autobahn abgeschafft und durch unterschiedliche Straßenformen ersetzt. Sie hielten sich für intelligent und lockten deine Nutzer mit dem "kostenlos" Köder auf ihre Seite, weil sie wussten, dass die diesen nicht verschmähten. Zudem spielte ihnen in die Karten, dass Nachdenken nicht deren Stärke war. So erkannten sie die Gier der Wächter nicht. Gekümmert hätte es sie nicht, solange ihnen ein Garten aus Vorteilen blühte. Jetzt konnten sie widerstandslos vor den Karren der schmutzigen Kampagne gespannt werden und als Schutzschild gegen Feinde dienen. Anders reagierten die nun zur Kasse gebetenen "Partner" der Kontrolleure. Die erhöhten ihre Preise und ließen so alle dafür blechen. Begriffen hat das keiner. Ohne dich wehren zu können, musstest du deiner eigenen Zerlegung beiwohnen. Hilflos warst du dem maßlosem Profit ausgeliefert. Gute 20 Jahre konntest du deine volle Pracht ausleben und warst mit deiner Offenheit stets ein schmerzender Stachel im Fleisch der Macht. Nun hat man dir deinen freiheitlichen Kopf vom Leib gerissen. Danke für dein uneigennütziges und wertfreies Leben. Deine fehlende Bereicherung wird Vielen erst mit Verzögerung sauer aufstoßen.
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Gefährlicher Datensammler Wordpress


29.09.2017

Im Schatten von Google, Facebook und Co. existiert eine Datenkrake, die niemand auf dem Zettel zu haben scheint. Dabei hat sich Wordpress inzwischen zum Haupt-Antriebsmotor im Internet entwickelt, denn der überwiegende Teil der Webauftritte nutzt die Software. Häufig wird dann das automatisch mitinstallierte Akismet Plugin zur Spam-Abwehr genutzt oder gleich auf die Plugin-Sammlung Jetpack gesetzt. Alles genannte stammt von der Firma Automattic aus den USA und wird als Open Source zur Verfügung gestellt. So schön das alles und so mächtig das Werkzeug auch ist, weiß kaum ein Nutzer über im Hintergrund laufende Mechanismen Bescheid. Die zur Gestaltung installierten Themes beziehen ihre Schriftarten in der Regel von Google, das ein entsprechendes Angebot "Fonts" bereit stellt – natürlich kostenlos. Jeden Aufruf der Webseite bekommt Google mit und kann die Besucher ausgiebig tracken (verfolgen; Daten sammeln). Umfangreicher dürfte die Datenflut sein, die Automattic zugespielt wird. Neben den genannten, wo unter anderem ein Statistik-Modul enthalten ist, existieren noch weitere durchaus beliebte Plugins. Die Frage ist jetzt nicht nur, warum darüber nicht berichtet oder das Verhalten gleich gebrandmarkt wird, sondern auch, warum sich auf den Webseiten keine Hinweise auf diesen Datenabfluss finden lassen? Doch am Erstaunlichsten ist, dass das Gesocks der spezialisierten Abmahn-Anwälte diese lukrative Einnahmequelle noch nicht für sich entdeckt hat.
Klarstellung: Ich habe selber Wordpress verwendet und es war immer ein enormer Aufwand und technisches Wissen notwendig, um diese Datenlecks zu stopfen. Deshalb kümmert es den "normalen" Nutzer nicht. Es ist eben verlockend, dieses mächtige Instrument mit wenigen Klicks zu einer ansehnlichen Webpräsenz zusammenzubauen. Um es richtig Spielen zu können, bräuchte es aber viel mehr Übung. Das ewige Laster der Bequemlichkeit lässt Grüßen.
⇒ WPDE // ⇒ Volker Kamin

Netzneutralität vor dem Aus


26.09.2017

Nachdem die Telekom bereits einige Zeit unbehelligt ihre StreamOn-Tarife anbietet, zieht Vodafone mit seinem Angebot Pass nach. Beiden gemein ist die Bevorzugung von Internet-Dienstleistern, die entsprechende Abkommen eingegangen sind. Deren Datenverbrauch wird nicht mehr auf das im Vertrag inkludierte Übertragungsvolumen angerechnet. Nutzer sind dann natürlich geneigt eben diese Webdienste zu besuchen und der Rest guckt in die Röhre. Als zuständige Behörde prüft die Bundesnetzagentur (BNA) noch immer StreamOn – seit Monaten. Stuft die BNA das Angebot als rechtswidrig ein, werden Telekom und Vodafone es mit Sicherheit nicht ohne Murren vom Markt nehmen, eher dürften jahrelange Prozesse folgen. Umso mehr wäre die Politik gefragt, aber die hat nach der desaströsen Bundestagswahl ganz andere Sorgen. Schlimm ist, dass in Deutschland jeder digitale Zug verpasst wurde. Die Problematik hätte längst geregelt sein können, nein, müssen. Je länger eine Regelung auf sich warten lässt, umso schwieriger wird es werden das Rad zurück zu drehen. Gerade wo jetzt der zweite Anbieter einsteigt, wird die Nutzerschaft wachsen. Das größte Unternehmen, Telefonica, wird dem Treiben nicht untätig zusehen. Um den Anschluss nicht zu verpassen muss man dort Aktiv werden. Damit dürfte das Kind in den Brunnen gefallen sein. Ohne schmerzhafte Blessuren wird man dieses Thema nicht beenden können. Es ist ein selbstverschuldetes Debakel. Auf ganzer Linie versagt, um es mal deutlich beim Namen zu nennen.
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