Gleichbehandlung sabotiert Geldmaschinerie

Eine Maschine verrichtet zufriedenstellend ihren Dienst, wenn am Ende mehr herauskommt, als Eingangs zugeführt wurde. Diese Nutzen-Rechnung gilt für jegliches wirtschaftliche Handeln, es ist ein ökonomisches Grundprinzip: Minimaler Einsatz, maximaler Ertrag. Das hat sich in der stofflichen Welt verhältnismäßig gut eingespielt, zumindest ist man daran gewöhnt. Doch das Internet schüttelte anfänglich alles Hergebrachte kräftig durch. Erst die harte Tour lehrte, dass es nach altbekannten Regeln funktionierte. Lediglich ein Faktor scherte aus: der Datenverkehr. Dessen Gleichbehandlung schrieben die Erschaffer ins Geburtsprotokoll. In den ersten Jahren stand dies auch nicht zur Debatte, waren die verantwortlichen Unternehmen mit dem Aufbau der Infrastruktur ausgelastet. Inzwischen ist dies nebensächliches Alltagsgeschäft und ihnen dünkt, dass sie die Gelackmeierten sind, die vom Kuchen nur Krümel erhalten. Nur eine Nebenrolle bekleiden, obwohl man alle Last trägt und zusehen, wie sich die Nutznießer ins Fäustchen lachen und ihre Taschen vollstopfen, verdirbt deren Laune gründlich. Da heutzutage einzig Profit zählt, war es unvermeidlich und absehbar, dass sich Provider ans Werk machen würden, um die Bedingungen nach ihrem Gusto zu formen. Je nach Land und Rechtslage werden nun verschiedene Maßnahmen umgesetzt; viel mehr getestet, was sie durch bekommen. Dabei wird jede Herangehensweise ausprobiert, die sich bietet, denn am Ende muss ein Erfolg stehen – egal wie. Erfolg bedeutet in diesem Fall, man baut nicht nur Umsatz und Gewinn aus, sondern schafft Hebel, um Einnahmen kontinuierlich auszuweiten. Gleichbehandlung bedeutet Stillstand, was einer Niederlage gleicht und gnadenlos abgestraft wird. Im Keim ersticken lassen sich die Bemühungen nicht mehr; das Kind ist längst in den Brunnen gefallen. Wir Konsumenten, die es verhindern oder wenigstens eindämmen könnten, werden auf schändliche Weise erst in die Falle gelockt und dann als Waffe missbraucht. Aber für einen fairen Umgang bräuchte es Anstand, den der Neoliberalismus vom Hof gejagt hat. Politik beteiligt sich daran, weil es dort an Verstand und Courage für den nötigen Widerstand mangelt.

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