Machtdroge Daten

Kein Rausch lässt sich einfacher entfachen und macht süchtiger, weil er nicht nur billig zu beschaffen ist, sondern auch noch traumhafte Gewinne erzielt. Zahlreiche Gelegenheiten harren ihrer Entdeckung und Verwendung, denn nach wie vor wird die digitale Welt ohne Schutz und Sicherheitsnetz betreten. Das gilt für beide Seiten, Nutzer und Anbieter.

In Richtung Wirtschaft sind allerdings starke Zweifel angebracht. Wenn das Sammeln profaner Daten über Menschen zur lukrativsten Einnahmequelle stilisiert wird, was soll danach kommen? Möglicherweise ist Neugier, zu der auch Überwachen und Spionieren gehört, der stärkste Drang in uns Menschen. Vielleicht sogar der Hauptantrieb für unsere Entwicklung. Nun aber die Menschen kleinteilig zu inspizieren, katalogisieren, taxieren und die gesammelten Bestandteile zum Handelsobjekt deklarieren, gleicht dem verzweifeltem Griff zum letzten Strohhalm. Das Ende der Fahnenstange ist erreicht, weiter geht es nicht mehr, dieses Gut ist nicht steigerbar.

In Richtung der “Objekte” sind Worte vergebens. Menschen sind solange unzugänglich für Warnungen, bis es sie brutal aus ihrem Delirium reißt. Ob das jedoch passieren wird, sollte bezweifelt werden. Sklaverei und Leibeigenschaft haben sich optimiert und in moderne Gewänder gehüllt, bedeuten aber immer noch Abhängigkeit und Unterdrückung. Die geistige Manipulation erreicht ihren Höhepunkt und markiert das Ende des Machbaren. Aber die Chinesen leben vor, wie spaßig das werden kann.

Das Industrie Zeitalter hat etwas über 100 Jahre durchgehalten. Das Daten Zeitalter wird schneller “durch” sein. Und dann? Wird der harte Schnitt kommen, brauchen wir ihn vielleicht sogar oder ist er womöglich unausweichlich?

Was kommt nach dem Rausch? Nur ein heftiger Kater, nach dem wir uns einmal kräftig schütteln und wie bisher weitermachen? Warum beenden wir nicht die Sucht und wehren sämtliche Bestrebungen ab, uns immer intensiver abhängig zu machen? Wir verfügen über Wissen, Mittel und Fähigkeiten weltweit ein anständiges Leben zu ermöglichen und sind außer Maulaffen zu reißen trotzdem nicht in der Lage dazu.

Unsere Welt ist bilateral. Wir haben die Wahl. Daher muss eine fesselnd verführerische Faszination an ihr kleben, dass wir stets der dunklen Seite verfallen und huldigen. Ohne jedoch die helle Seite zu kennen, weil sie uns als schlecht präsentiert und verhindert wird, dass wir uns selbst vom Gegenteil überzeugen, besteht keine Auswahl. Die Sucht hat uns fest im Griff.

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