Pocket zum Lastesel degradiert

Früher – oje, ich weiß, tut mir leid, aber es ist doch nun mal wahr – als es eine schlichte, komfortable Sammelstelle im Web für seine Links war, kam kaum einer daran vorbei. Aber wie es so ist, wenn ein kleiner, mit Herzblut betreuter Dienst, einen derartigen Zuspruch erfährt, gerät er automatisch in den Fokus großer Anbieter. Das in diesem Fall Mozilla eine Stiftung ist, macht die Angelegenheit keinen Deut besser.

Eine Zeit lang war Pocket unter der Fuchtel des Firefox Herstellers noch einsetzbar und erfuhr sogar die Ehre, direkt mit dem Browser verheiratet zu werden. Damit war auch klar, dass die Erweiterung ihre besten Tage hinter sich hatte. Mehr und mehr wurde sie von ihrem neuen Gebieter nach seinen Vorstellungen dressiert. Im Vordergrund stand nicht mehr der Nutzen für die Anwender, sondern der Nutzen für Mozilla. Wie es heute üblich ist, wurden und werden die angeblichen “Benutzererlebnisse” nur als klebrige Fallen ausgelegt, um mit verdrehten Worten über die wahren Absichten hinweg zu täuschen.

Als Pocket immer aufgeblähter und unbedienbarer wurde, war seine Zeit bei mir abgelaufen. Ich fürchte, heute würden mir die Haare zu Berge stehen, denn an der beliebten Datensammelei beteiligt sich inzwischen jeder Hanswurst. Erst recht natürlich, wer dicht an den Nutzern ist. Mit einem Browser zum Beispiel. Zwar nutze ich derzeit mal wieder Firefox, aber meine ersten Besuche gelten stets den Einstellungen und Eingeweiden der about:config, um alle Pocket Verknüpfungen zu lösen.

btw: Dass die Screenshots auch zu Mozilla übertragen werden, wisst ihr doch sicher, oder? Nein, aber du hast ja nichts zu verbergen, stimmt’s?

Nun macht das LSR Mozilla Sorgen? Diese ganze ungenehmigte Datenspioniererei sollte denen Sorgen machen… ach ne, denen ja nicht, sind die da doch wie wild hinterher, aber die Nutzer sollten endlich einen massiven Riegel davor schieben. Dann bereitet der Umsatz Mozilla auch keine Kopfschmerzen mehr, weil keiner da ist … alleinig vom Konkurrenten Google am Leben gehalten zu werden, ist allerdings eine verdammt unangenehme Lage. Egal, nutzt kein Pocket und alles ist gut. Es gibt genügend Alternativen, Pin zum Beispiel für einen Online Dienst oder als lokale Lösungen Save-To-Read (Firefox) oder TOBY (Chrome).

Aber wirklich wichtig ist, als Anwender sensibler mit den eigenen Daten umzugehen und verlogenen Anbietern die Stirn zu bieten.

Okay, für die, die es nicht glauben und wie man es abstellt:
about:config aufrufen -> dann im Suchfeld eingeben: extensions.screen -> das reicht schon, damit die zwei Einträge auftauchen -> hinterhältig ist die doppelte Verneinung, begriffen? -> jeweils doppelt klicken, um von false auf true zu stellen -> erledigt

Wer denn gerade dabei ist, kann im Suchfeld der about:config mal Pocket eingeben und sich die Einträge vorknöpfen. Vorher muss aber auf der Startseite, wenn ein neuer Tab geöffnet wird, die Anzeige von Pocket Empfehlungen abgestellt werden. Erst danach in den Eingeweiden hantieren. Die beiden »true« auf »false« stellen (Doppelklick); die Angaben bei »pocket.api« und »pocket.site« können gelöscht werden; die restlichen vier lassen sich zwar auch entfernen, werden aber immer wieder neu vom Browser gesetzt. Aber das wichtigste ist zumindest beseitigt.

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