Verkannt und verschmäht: RSS

Im Zusammenhang mit dem Internet existiert kaum eine nützlichere Anwendung als RSS bzw. Atom. Sich seine eigene “Zeitung” aus den Quellen generieren, die für einen wichtig sind, geht mit Nix anderem oder irgendwo anders. Außer natürlich bei entsprechenden Diensten wie z. B. Feedly oder Inoreader. Überall sonst wird einem vorgekautes Zeugs aufgetischt und man liefert sich den manipulierenden und indoktrinierenden Angeboten anderer aus. Unabhängig davon, diese Praxis bei seinen Quellen vorzufinden, aber das ist hier nicht gemeint.

Was für Nutzer praktisch und komfortabel ist, hat erwartungsgemäß seine Schattenseite. Die Technik erschwert die Monetarisierung, weil dies entweder nicht vorgesehen war oder schlichtweg vergessen wurde. Daher war die Beliebtheit des Google Reader auch sein Todesurteil. Es lässt sich schlecht bis gar nicht Geld damit verdienen. Seit sich Google der Förderung entzieht, verliert die Bedeutung von RSS rasant an Stellenwert.

Bei weitem ist das längst nicht alles, warum die Zeiten für RSS schwer sind/werden. Ein rauer Wind weht RSS auch von denen entgegen, die es anbieten. Ob dahinter Absicht oder Unwissenheit steckt, ist dabei nicht auszumachen. Es ist bei der eingesetzten Websoftware einfach mit dabei, aber verkümmert, weil es stiefmütterlich behandelt oder gleich ganz ignoriert wird.

Am häufigsten anzutreffen sind “Wiederholungstäter”. Einzelne bis mehrere Artikel, die immer wieder in den Feed gespült werden. Manchmal sporadisch, manchmal auffällig regelmäßig. Beim GoogleWatchBlog und gegen-hartz z. B. tauchen einzelne Artikel jede Stunde wieder auf. INFOsperber schüttelt über den Tag immer wieder seine Artikel aus und verursacht ein ziemliches Durcheinander.

Dann sind da die “Verzögerer”. Bestes Beispiel hierfür ist das boersenblatt. Irgendwann nachmittags werden die gesammelten Nachrichten vom Tage auf einen Schlag ausgeliefert. Abends gibt es noch einmal Nachschlag mit dem dann aufgelaufenem.

Seltener sind die “Zeitignoranten”. Gut zu sehen beim Metal-Magazin Stormbringer. Egal wann ein Artikel im Blog auftaucht und dort den entsprechenden (richtigen) Zeitstempel erhält, für den RSS-Feed bekommt jeder das Datum 1.1.1970 verpasst – ausnahmslos! Mein freundlicher Hinweis interessierte dort niemanden, weshalb mich die Seite eben nicht mehr interessiert. Dumm gelaufen – aber nicht für mich.

Je nach eingesetzter Software oder genutzter Webdienst wird mit diesen “Dilettanten” unterschiedlich umgegangen. Einen konsistenten und chronologischen Feed erhält man aber in keinem Fall. Am Ende schmeißt man nervige Angebote raus und verpasst der Technik unbewusst einen unschönen Dämpfer, der fortan seine Fäden am negativen Image spinnt.

Wer nur die Welt von Facebook, Twitter und YouTube kennt, dürfte mit RSS überfordert sein. Doch statt Wissende vermitteln und verbreiten, wie sinnvoll RSS ist, es einem langsamen Sterben auszuliefern, ist sehr Schade. Die abnehmende Relevanz von Blogs und deren Verlust an Aufmerksamkeit, steht auch in Verbindung mit der mangelhaften Unterstützung, Kenntnis und Verbreitung von RSS.

Es gibt nichts praktischeres als RSS! Nutzt es – mehr – um den Bedarf zu demonstrieren und Anbietern dessen Wichtigkeit anzuzeigen.

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