Wem gehört unser Leben?

“1984”, “Fahrenheit 451” – in Bücher gegossene Dystopien über Gesellschaftsformen, wie sie sich keiner wünscht. Wer deren Inhalte kennt, hofft, dass sie nie wahr werden. Gleichzeitig sind sich alle einig, dass sie unmöglich eintreffen können, weil Niemand derartige Zustände will. Sicher? Worauf gründet sich diese Annahme? Wird hier leichtfertig auf Hoffnung gesetzt? Darauf, dass irgendwer es verhindern oder nie jemand so weit gehen wird? Das soll reichen? Deshalb will auch Keiner hören, dass alles dagegen spricht und ein hartes Erwachen wartet. Ausblenden und wie bisher weitermachen. Ernsthaft? Weiter der Wirtschaft ausliefern; immer mehr Überwachung durch großzügiges Verteilen von Daten gewähren, um als ausgequetschtes und benutztes Objekt zu Enden? Die Strecke zu den düsteren Prophezeiungen liegt längst zur Hälfte hinter uns. Gleichgültigkeit schleicht sich ein, nimmt uns gefangen und gibt uns nicht wieder frei. Den Wert unseres Lebens taxieren andere. Sie nehmen sich das Recht, weil jeder Widerstand schwindet. Unsere Passivität legitimiert monopolisierende Herrschaftsstrukturen. Unternehmen sind die Taktgeber, die sich durch Aufkäufe und Zusammenschlüsse weiter konzentrieren. Die Stufen zur vollständigen Kontrolle sind fast erklommen. In ihren Händen befindet sich der letzte Baustein: Daten. Ein Großteil der Menschen ist bereits von ihren Diensten abhängig. Mit den Sprach-Assistenten verkürzen sie jetzt den Weg in deren Gehirne. Wünsche der Nutzer voraussagen ist dann keine Zauberei, weil sie diese steuern. Die Basis haben sie fest im Griff, es fehlen die Regierungen. Daran wird hart gearbeitet, was nicht ohne Konflikte vonstatten geht. Politiker wollen das Zepter nicht aus der Hand geben. Dummerweise sorgten sie selbst dafür, dass der Kapitalmarkt die Welt im Würgegriff hat. Dieses Kräftemessen wird unzählige Opfer kosten – an der Basis, natürlich – aber den anvisierten Ausgang nehmen. Hoffen reicht nicht mehr, denn wir haben freiwillig und gedankenlos unseren wertvollsten Besitz abgetreten: Die Macht über unser Leben.

Mehr Lektüre:

1984 (Wikipedia)

Fahrenheit 451 (Wikipedia)

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