Extrakt 03-2019

1. Schatz, ich hab das Niveau geschrumpft!

… was, noch weiter?

Wer hat eigentlich mit diesem hirnverbrennenden Spiel angefangen, die Lieferanten oder die Abnehmer? Verheerend ist, dass es sich nicht stoppen lässt. Die Aussichten sind daher niederschmetternd, weil sich alles diesem Verfall angleicht, wie es scheint.

Blaulicht, Flutlicht, Rotlicht: Mit Niveaumangel zum Online-Spitzenplatz (journalismus Ωnline)

2. Mit Sicherheit unrentabel

Kriminelle, Schaden anrichtende Cracker bestrafen zu wollen, ist sicher richtig. Viel wichtiger wäre es allerdings, mal einige Schritte vorher anzufangen. Die Unternehmen nicht nur in die Verantwortung nehmen, wenn es zu spät ist, sondern mit drastischen Strafen belegen, wenn sie nicht endlich vorher mehr in das Thema Sicherheit investieren. Da sträuben die sich nämlich vehement, weil dieser Bereich den Profit drastisch drückt. Weist hingegen die Bundesjustizministerin mit dem Zaunpfahl auf die Musterfeststellungsklage, ist das eher ein Armutszeugnis, weil sie mit ihrem Latein am Ende ist. Solange es hier zu keinen ernsthaften Veränderungen kommt, ist alles nur das übliche, leere, nichtsnutzige Politikergeschwätz.

Telekom und Politiker wollen härtere Strafen für Hacker (Golem)

Massen-Doxxing: Barley hält Musterklage gegen Internetkonzerne für denkbar (Heise)

3. Bargeld ist Klimaschädlich

Nichts bleibt mehr unversucht, um uns das Bargeld madig zu machen. Für kein Argument sind sich die feinen Herren zu Schade, wenn es ihrem Ziel dient. Ohne Bargeld lassen sich Profite steigern und Bürger noch vielfältiger überwachen. Aber für Komfortgewinn verkaufen die Meisten ja gerne ihre Seele …

Wie die Zentralbanken das Bargeld schlechtmachen wollen (Norbert Häring)

4. Existenzminimum

Wozu gibt es und nennt man es Existenzminimum, wenn es nach Belieben unterschritten werden darf? Wenn selbst von Steuern finanzierte Gefängnisinsassen von willkürlichen Repressalien befreit sind? Wenn haufenweise gefordert wird, gefördert hingegen einzig das Bild eines arbeitsscheuen Schmarotzers? Ist das wirklich das Werk von – Menschen?

Es war einmal … Ein Märchen von Menschenrechten in Deutschland (NachDenkSeiten)

5. Ist das nun Werbung oder nicht?

Erhält man für die Präsentation eines Produktes irgendeine Zuwendung, ist diese zweifelsfrei als Werbung zu kennzeichnen. Darüber dürfte Konsens bestehen. Doch wenn es so leicht wäre oder sich darauf beschränken würde, bräuchte es nicht die Vielzahl an Meinungen und einhergehenden Streitigkeiten. Dient eine Darbietung der Aufmerksamkeitssteigerung, der eigenen (Wahrnehmung, durch erhöhten Zulauf) oder eines Unternehmens, ist die Voraussetzung für eine werbliche Kennzeichnung bereits erfüllt. Schließlich zielt die Maßnahme auf die Generierung von Einnahmen, um die es natürlich gerade im kommerziellen (Influencer-) Umfeld geht.

Wann Ihr einen Blogbeitrag als Werbung kennzeichnen müsst (Fit für Journalismus | Bettina Blaß)

Wann ist Influencer-Marketing Werbung? (Internet-Law | Thomas Stadler)

Kennzeichnungspflicht für Influencer auf Instagram: Nicht alles ist Werbung (Heise)

6. Diktatur olé

Obgleich ich unsere Propaganda-Medien weitestgehend meide und den Rest nicht maßgeblich nutze, ist eine möglichst wahrhaftige Informationsbeschaffung schwierig. Im Spanien/Katalonien-Konflikt steckt augenscheinlich mehr, als es die hiesige Journalistenbande für Nötig hält zu berichten. Zweifelsfrei strebt Spanien eine Diktatur an, aber hinter der katalanischen Meuterei scheint mehr zu stecken, als bisher vermeldet wurde. Nach dem Rubikon Artikel werde ich erst mal keine weitere Fürsprache für Katalonien erheben und mich nach mehr Details umsehen.

Festnahmewelle in Katalonien (Telepolis)

Die nationalistische Rebellion (Rubikon)

7. Sonderangebot: Regel-Baukasten für Politiker

Dass Politiker begriffsstutzig sind und stets meinen, sie verstünden, wovon sie sprechen, dürfte unwidersprochen bleiben. Wenn diese nun ihre angeborene Regelwut ausleben, kann das nur in einem verwirrenden Gemenge enden. Mehr als ein Versuchslabor für Auszubildende ist deren Teilzeitjob nicht. Dumm nur, dass die Bürger sämtlichen Experimenten ungefiltert ausgeliefert sind. Alles müssen sie ertragen und testen, bevor dann die nächste Regierung erneut und weiter herumdoktert. Zusätzlich erschreckt bei den Politikern, dass deren Kompetenz über mindestens die letzten zwei Jahrzehnte dramatisch abgenommen hat und maßgeblich mit deren Selbstwahrnehmung divergiert. Ich habe mal gelernt, wenn ein fehlerbehaftetes Signal verstärkt wird, vervielfachen sich im gleichen Maße die Störungen. Nur mal so eingeworfen.

Anlass für diesen gedanklichen Ausflug war, dass mir Golem Artikel normalerweise keine Verständnisschwierigkeiten bereiten, nur bei diesem ich mich verrannt habe. Was aber nicht am Autor liegt, sondern am unorthodoxen Vorgehen der Politiker, die scheinbar selbst nicht mehr wissen, was sie da verzapfen oder worum es noch mal geht.

Warum die Kreativwirtschaft plötzlich Uploadfilter ablehnt (Golem)

8. Sind ja nur Steuergelder

Beim Staat können sich wahre Rechenkünstler ordentlich austoben, nur ordentlich rechnen brauchen sie nicht und Ahnung müssen sie auch von nichts haben. Eigentlich ist es bezeichnend, das sich ein Comedian wie Mario Barth dieser Thematik angenommen hat und ein millionenfaches Publikum begeistert aufmuntern kann. Ist das dieser Galgenhumor? Warum sucht der Staat nach studiertem Personal? Um Geld aus dem Fenster zu schmeißen bedarf es keiner besonderen Kompetenz. Vielleicht sollte der Staat mehr Hartz-IV Empfänger einstellen – die wissen, wie man Geld spart.

Trauerspiel Gorch Fock (Bund der Steuerzahler | Das Schwarzbuch)

9. Tschüss Nestlé

Leider ist die Artikelüberschrift unpassend reißerisch, denn es liegt kein Angriff vor, den es abzuwehren gilt. Dadurch gerät die herausragende Leistung unnötig ins Hintertreffen. Das, was die Gemeinde auszeichnet, ist Stellung zu beziehen und Rückgrat zu beweisen. Leider ist nicht weitreichend genug verbreitet, dass Nestlé auf widerwärtige und abstoßende Weise Profite macht. Deswegen benötigen Haltung und Maßnahmen der Gemeinde weitere Nachahmer, damit Wahrnehmung erhöht wird und mehr ins Bewusstsein aller dringen kann. Jede Lawine hat ihren Anfang in einer kleinen Schneeflocke. Gut gemacht! Weiter so! Aber vor allem, Standhaft bleiben!

Nestlé-Boykott: Wie sich eine kleine Gemeinde gegen den Konzern wehrt (Utopia)

10. Das Letzte

Die variable Preisgestaltung bei Netflix entpuppt sich als Versuchsreihe, wie hoch die aktuelle Schmerzgrenze bei der Zahlungsbereitschaft liegt? Zusätzlich lässt sich noch unschlüssige Kundschaft gewinnen, die sich mit den neuen Preisen bedroht sieht, aber durch den sofortigen Abschluss noch das Sparpotential der alten Preise ausschöpfen kann. Klick – Falle zugeschnappt. Es wird alles immer abartiger …

Erst Versuchskaninchen, dann Kunde (law blog | Udo Vetter)

Wochenzitat

Sprach der König zum Priester: Halte du sie dumm, ich halte sie arm.
(unbekannt)

Mut machen

Darf’s ein bisschen Wert sein? Dann unauffällig folgen.

Vorhang

Unvollkommen, wie alles … wünsche ich trotzdem eine angenehme nächste Woche.