Extrakt 04-2019

1. Untergang der Menschheit

Kurz vor Tore Schluss flattert mir noch ein Artikel vor die Augen, der sich sogleich die eröffnende Position eroberte: die Rezension über ein Essay des Wirtschaftskolumnisten Paul Jorion. Von dem höre ich zwar zum ersten Mal, scheint dieser mir aber in den Kopf geguckt zu haben. Eine so weitreichende Geistesverwandtschaft ist mir bisher nicht begegnet. Ob wir uns jetzt gegenseitig vor Plagiatsvorwürfen schützen werden müssen? Unbedingte Leseempfehlung – also erst den Artikel, wo besagtes Essay zu finden ist, muss ich selber noch herausfinden.

2. Staatliches Propaganda Fernsehen

Im Stil einer Satire geschrieben, bleibt einem jeder Schmunzelreflex im Hals stecken. Wer sich seine Illusion über eine ausgewogene und wahrheitsgetreue Berichterstattung durch die Tagesschau erhalten will, erspart sich lieber den Artikel.

3. Ausgerottete Medizin

Diesen Artikel erwähne ich nicht wegen der gemachten Entdeckung, auch wenn diese fraglos hoffnungsvoll ist. Ausschlaggebend ist die Randbemerkung, dass die Menschheit natürliche Medizinlieferanten vernichtet, bevor sie deren Lebenswichtigkeit entdeckt hat. Rücksichtslos wird alles niedergewalzt, was sich bis jetzt nicht als nützlich erwiesen hat, sprich, Profit abwirft. Vielleicht haben wir einen Wirkstoff gegen Alzheimer längst vernichtet, wer weiß das schon. Hach, was wären damit für Profite möglich – aber lieber brennt man Regenwald in Indonesien und Brasilien nieder. Beschränkt, im wahrsten Sinne des Wortes.

4. Übereifer

Lieber hätte ich den Artikel wegen seines Inhalts verlinkt, doch er dient als abschreckendes Beispiel. Wobei noch zu bedenken ist, dass die deutsche Übersetzung gekürzt und damit das Leiden eingrenzt wurde. Dieser Text macht deutlich, warum ich längere Texte nur mit Vorsicht angehe. Es steht viel gutes, viel richtiges darin, aber kämpft sich mit einem Rundumschlag durch die Themen. Ein roter Faden fehlt. Selbst die weit gefasste Titelunterschrift glättet die ausgefransten Teilaspekte nicht. Erst wird der Appetit angeregt, dann aber nichts nachgeliefert. Der Artikel beraubt sich seiner Ernsthaftigkeit und hinkt dem vermittelte Niveau hinterher. Wie mit der Schrotflinte auf eine Zielscheibe schießen und hoffen, dass irgendeine Kugel schon trifft.

5. 90 Minuten Entsetzen

Am Samstag 09. Februar um 9:30 Uhr läuft die Reportage noch einmal bei arte, ansonsten ist sie leider nicht sehr lange in der Mediathek abrufbar. Der Titel beschreibt den Inhalt nicht unbedingt zutreffend, denn es wird sich vornehmlich mit der gesellschaftlichen Spaltung beschäftigt. Aufgrund des aktuellen Materials und dem Kontrast zu den uns durch die Medien aufgetischten Berichten, schockiert das Präsentierte gewaltig. Ich kann nur und möchte jedem ans Herz legen, sich diese Zeit zu nehmen. Wertvoller kann sie kaum investiert werden. Aber Vorsicht, spurlos bleibt das Gesehene nicht.

6. In Österreich brodelt es

Von wegen beschaulich … Zuletzt zweifelte der Innenminister die Menschenrechtskonventionen an. Warum? Weil er die Welt mit kleingeistigen Seinesgleichen bevölkern will? Nur solch beschränkte Einfaltspinsel? Groteskes Horrorszenario. Aber das ist ja nur ein Akt im alpinen Drama. Feiertage nicht für Alle – alleine die Vorstellung, dies praktisch umzusetzen – und Sozialleistungen massiv einschränken, wer Arbeit verweigert – ohne die Divergenz zwischen freien Arbeitsplätzen (70.000) und Arbeitssuchenden (370.000) aufzulösen. Ob da die dünne, sauerstoffarme Höhenluft ihre Wirkung zeigt?

7. Iran in der Mangel

Grundsätzlich gehen mir die Vorgänge im Mittleren Osten extremst auf die Nerven. Sind diese Moslems nicht in der Lage friedlich und ruhig miteinander zu leben? Kann Israel nicht endlich aufhören, sich in der Rolle des ewigen Opfers zu suhlen und anständig werden? Mir ist aber auch klar, dass da Finger anderer Mächte im Spiel sind, die dort nichts zu suchen haben. Denen sollte man mal schmerzhaft auf die Finger hauen. Den Wahrheitsgehalt dieses langen Artikels kann ich nicht überprüfen, aber der Inhalt hinterlässt einen seriöseren und stichhaltigeren Eindruck, als das, was unsere gesteuerten Medien uns Glauben machen wollen.

8. Locale First

Wenn neoliberalen Blutsaugern Ketten angelegt werden, schäumen sie vor Wut. Indien wagt es, die Stärkung des eigenen Marktes gegen die Profitbestrebungen riesiger Parasiten durchzusetzen. Amazon und WalMart drohen mit der geballten Kraft, der sie fähig sind, der politischen. Wozu hält man sich schließlich die Marionette im Weißen Haus?

9. Beliebt reicht nicht

Kultur-gut aber unrentabel. Leidenschaft ist zwar gerne gesehen und wird mit Lobpreisungen ehrenvoll honoriert, nur Kosten darf es nix. Unabhängig ist lobenswert, aber Finanzieren müssen das andere. Schließlich lauern die Wegelagerer der Wirtschaft an jeder Ecke und wollen einem ans Geld, da muss man selektieren.

10. Autoindustrie mit neuer Strategie

Nun warten die Betrüger mit neuen Geschützen auf und spannen Lungenärzte vor ihre demolierten Diesel. Das ist infam und unterste Stufe an Niederträchtigkeit. Dass die Ärzte ihren Leumund dafür her geben, ist schon starker Tobak. Den Herstellern ist schließlich alles egal, solange Profite wachsen. Das haben sie hinlänglich bewiesen. Zudem lässt der ADAC seine Maske fallen und zeigt sein wahres Gesicht. Gehorsam springt er der Autoindustrie bei Fuß und führt damit alle Mitglieder hinters Licht. Die 100 Millionen Euro Strafe kommt da gerade recht – aber vielleicht zeigen sich die Autohersteller für die Unterstützung dankbar …

Wenigstens erhält VW einen längst überfälligen Denkzettel, der das Potential hat, den Herstellern ihre Arroganz unter den Füßen weg zu ziehen, damit sie endlich in die selbst geschaufelte Grube fallen.

11. Starke-Familien-Gesetz

So viele schöne neue Gesetze wurden erlassen. So viele Gelegenheiten für Politiker in Kameras zu lächeln und mit heuchlerischem Geschleime die Atmosphäre zu verpesten. Nur die, die die Hilfen bräuchten, kriegen sie nicht. Schließlich muss auf Hartz IV Beziehern der Druck hoch gehalten werden, damit sie ihren Müßiggang beenden. Irrsinn.

12. Hoffnungsvoller Nachwuchs

„Wir haben nicht das Gefühl, dass er verstanden hat, worum es eigentlich geht.“, sagt eine Sprecherin der streikenden Schülerschaft nach einem Gespräch mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Diese niederschmetternde Feststellung ist derart tiefschürfend und aussagekräftig, dass sie keiner weiteren Ausführung bedarf.

13. Das Letzte

Über die BILD gibt es gute Nachrichten. Ja, tatsächlich! Auflage und Verbreitung schrumpft. Vielleicht ist es noch nicht zu spät und es besteht Hoffnung, dass die Bildung bei den Menschen nicht gänzlich verkümmert und noch zu retten ist. Ob sich aber jemals die für diese Schande verantwortlichen Schmierfinken resozialisieren lassen, ist fraglich. Mit ihrer fehlenden Empathie taugen sie wohl höchstens als Studienobjekte an Universitäten oder als böse Schreckgespenster in kindlichen Gute-Nacht Geschichten.

Wochenzitat

Was ist das für ein Volk! Denken sie auch oder schlurfen sie nur sinnlos über die Erde?
(Franz Kafka)

Mut machen

Darf’s ein bisschen Wert sein? Dann unauffällig folgen.

Vorhang

Unvollkommen, wie alles … wünsche ich trotzdem eine angenehme nächste Woche.