Extrakt 07-2019

1. Die Geister, die man rief …

Ach, jetzt fällt den Verantwortlichen auf, dass in China 90 % der Technik hergestellt wird? Viele Jahre waren deren billige Arbeitskräfte den Unternehmen billig genug und nun kriegen sie Fracksauen? Auf einmal könnten überall spionierende Gerätschaften lauern? Was für Affen!

Als ob die Amis nicht ähnlich paranoid wären. Wahrscheinlich steckt hinter diesem ganzen Huawei Bashing Cisco, die ihre Fälle wegschwimmen sehen und womöglich über direkte Drähte ins Weiße Haus verfügen. Heutzutage wird nicht mehr fair gekämpft, sondern gleich zu niederträchtigen Mittel gegriffen. Nur wer härter zuschlägt, überlebt.

Ob das überschäumende Ego der kleinen USA (300 Millionen Einwohner) da mal nicht den Mund zu voll nimmt, sich mit China (1,4 Milliarden Einwohner) anzulegen – ich hielte etwas mehr zivilisierte Diplomatie für nicht verkehrt.

2. Urheber-Diktatur

Was soll man von gestopften Fett-Gehirnen anderes erwarten? Von Kompetenzen, die gerade dafür reichen Befehle der Wirtschaftslobbyisten auszuführen? Von Duckmäusern, die sich feige vor den Profitgeiern verstecken? Von Schleimern, die trotz ihrer bewiesenen Unfähigkeiten auf lukrative Beschäftigungen in den Wirtschaft gieren?

An dieser Stelle gehe ich nicht auf Details ein, sondern empfehle nur, es den Lobbyisten gleich zu tun und zum eigenen Lobbyist zu werden: treten den Befürwortern kräftig auf die Füße und geht ihnen ordentlich auf die Nerven! Hier findet ihr einen Einstieg:

3. Julia Reda gibt auf

Vielleicht ein wenig plakativ formuliert und wahrscheinlich sind ganz profane Gründe verantwortlich, dass sie nicht wieder zur Wahl antritt, aber am Ende fehlt eine engagierte Kämpferin für Vernunft, Anstand und Courage. Schon vor ihr haben starke Charaktere die europäische Politbühne verlassen: Jan Philipp Albrecht und Konstantin von Notz fallen mir da spontan als erstes ein. Mit Patrick Breyer steht ein durchaus adäquater Nachfolger bereit, aber wer wird denn noch die Piraten Partei wählen? Zumindest hier in Deutschland sind die in der Bedeutungslosigkeit angekommen und niemand hat die noch auf den Zettel. Selbst ich kann mir nicht vorstellen, dort mein Kreuz zu setzen. Alles sehr desillusionierend.

Julia Reda tritt nicht bei der kommenden EU-Wahl an

4. Un-Fass-bar

Ein Barrel, also ein Fass, sind 159 Liter. Insofern werden 15.900.000.000 Liter (15 Milliarden 900 Millionen) Öl gefördert – PRO TAG! Das ist so unvorstellbar viel, dass jeder Versuch es trotzdem zu tun scheitert. Wir pumpen die Erde leer! Nicht nur, dass ja tatsächlich Hohlräume entstehen, deren Folgen wahrscheinlich naiv – also vom Profit getrieben – klein geredet werden. Darf nicht vergessen werden, dass das, was wir da wie selbstverständlich massenhaft verbrauchen, Millionen von Jahre brauchte und braucht, um überhaupt erst zu entstehen! Immer wieder erstaunlich, wie dämlich unsere Intelligenz ist.

5. Minderwertigkeit trifft Kleingeistigkeit

Eine verheerende, katastrophale Kombination, die aber weiter verbreitet ist, als es den offensichtlichen Anschein hat. Überbordendes Macho-Gehabe steht in Wirklichkeit auf tönernen Füßen, wird damit lediglich jämmerliche Angst und Feigheit versteckt. Glaubt man (sic) unterlegen zu sein, muss man alles dieses unterdrücken. Mit allen Mitteln. Wirklich Schade, menschliche Fähigkeiten für solch beschränkte Armseligkeit zu verschwenden, wo Freiheit so viel positives Potential hat. So viel negative Energie und Kraft werden für sinnlosen Hass und nutzloses Kämpfen aufgewendet. So viel Schönheit verpönt. So viel Frieden und Freude verpasst, verschenkt, versäumt. Leben wird einfach vergeudet. Einfach nur Dumm.

6. Steuergeschenke

Aber wieder nicht für die, die es brauchen könnten. Und wie immer stellt sich die Frage, wie Politiker*innen sich das mit einer wachsenden Wirtschaft vorstellen, wenn sie der Masse immer weiter das Geld zum Ausgeben reduzieren? Die Millionen Euros für externe Berater sind scheinbar zum Fenster raus geschmissen, wenn doch nur Dünnsinn dabei herauskommt. Nieten auf ganzer Linie – auch die Berater.

7. Öffentlich rechtliche Wortverdreherei

Mit Erhebung von Daten zum Motor und Juwel neoliberalen Wirtschaftens, erfährt auch die Bedeutung des Wortes eine Renaissance. Gewichtig, wie es bereits mehrfach in der Geschichte bewiesen hat, wird es auf infame Weise verdreht, um der kapitalistischen Gier als Waffe zu dienen. Damit der Fluss der Zwangssubventionen nicht erlischt, kann der ÖRR nicht zurückstecken. So finanziert der gebeutelte Gebührenzahler auch noch die Machenschaften gegen sich. Ein #NoGEZ Pendant zur schweizerischen #NoBillag Abstimmung würde hierzulande einen anderen Ausgang erzielen. Dass sich die Generalsekretärin traut von “Strukturreformprozess” zu sprechen, ist eine Frechheit. Der Widerstand muss viel größer und massiver werden, damit dieses selbstgefällige, selbstherrliche Ungetüm zur nützlichen Institution in ihrer ursprünglichen Intuition zusammen gestaucht wird.

8. Ungezügelter Neoliberalismus zeigt seine Zähne

Inzwischen dürfte Jedem schimmern, dass da insgesamt vieles Schief läuft. Den Meisten bleibt aber verschlossen, woran das liegt. Vielleicht wollen sie es nicht wahr haben, weil sich daraus Konsequenzen ergeben, die unbeliebt und daher unerwünscht sind. Hauptsächlich dürften aber die komplexen Zusammenhänge überfordern, weshalb man sich auf die eigene kleine Welt beschränkt – mit den entsprechenden Folgen, diese zu verteidigen. Dabei sind die Grundlagen nicht kompliziert, sie werden nur dazu gemacht, damit sie sich möglichen Einflussnahmen weitestgehend entziehen. Ein wenig Interesse sollte man zeigen, denn ohne Wissen akzeptiert man, dass andere über einen Macht haben. Man lässt sich als Spielball missbrauchen und zürnt dann auch noch mit der Aussichtslosigkeit. Tja, falsche Entscheidung: wer nicht selbst agiert, dem bleibt nur in den Fußstapfen anderer zu laufen. Dumpf Parolen nachgröhlen demonstriert nur die eigene Unfähigkeit. Besser kann man nicht ausdrücken, dass man sich als stumpfsinniges Werkzeug missbrauchen lässt. Super Leistung.

9. Endlich nachgewiesen: Politiker werden dümmer

Na gut, freundlicher ausgedrückt nennt man es “analytisches Denken”, ist am Ende aber nicht entscheidend. Wissenschaftler attestierten Donald Trump bereits 2016 das sprachliche Niveau eines Grundschülers. Inzwischen hat die Welt begriffen, das diese Einordnung auch auf geistige Kapazitäten anwendbar ist. So einem Mann mit so viel Macht auszustatten, war wirklich das Idiotischste, was passieren konnte. In der Studie fand man heraus, dass die Abnahme bei Politiker*innen offensichtlich ist, während Kontrollgruppen (Medien, Film, Fernsehen, Literatur) diesem Trend nicht folgen.

Naja, für mich nichts Neues … aber wenn ich mir Presse, Fernsehen oder menschliches Verhalten so angucke, bezweifle ich die Reduzierung auf Politiker*innen doch stark.

10. Der Wandel fährt der Autoindustrie davon

So sehr Politiker*innen der Autoindustrie auch in deren Hinterausgang kriechen, befindet sich Deutschlands Vorzeigebranche im Sinkflug. Was angesichts ihrer Ignoranz jeglicher Entwicklungen und eigenen Reformbedarfs mehr als verdient ist. Und eigentlich viel zu spät kommt, aber dafür umso heftiger. Auch ohne Häme darf man sagen: Selbst Schuld. Die einsetzenden, hektischen Aktivitäten sind hingegen auch nur wieder typisch fehlgeleiteter Aktionismus. Ausbaden werden es die Mitarbeiter, die für das Missmanagement der Chefs geopfert werden müssen. Aber angeblich brauchen wir wie viele hunderttausend “Fachkräfte” aus dem Ausland in den nächsten Jahren? Alles so ein Irrsinn …

11. Schlinge zieht sich um die Lebenszerstörer zu

Längst überfällig und wahrscheinlich viel zu spät, werden die Mörder im Nadelstreifenanzug zur Verantwortung gezogen. Der Jahrzehnte andauernde Widerstand der Tabakindustrie lehrt aber, dass die kommenden Auseinandersetzungen lediglich härter und noch länger dauern werden. Exxon wusste durch eigene Studien bereits in den 1970er Jahren, dass sich die Tätigkeiten der gesamten Branche nachteilig auf das Klima auswirken wird. Doch trotzdem haben sie lieber viele Millionen Dollar für Anwälte ausgegeben, um jede Verdächtigung im Keim zu ersticken. Shell investiert 25 bis 30 Milliarden Dollar in Öl und Gas, aber nur 1 bis 2 Milliarden in erneuerbare Energien. Und Bayer hält an den Glaubenssätzen vom aufgekauften Monsanto fest, Nahrungsmittel mit Gift herzustellen, habe keinerlei Auswirkungen auf die Konsumenten. Man sollte diese feinen Pinkel mal ausreichend lange den Auswirkungen an der Basis aussetzen, dann dürfte ein Umdenken nicht lange aus sich warten lassen. Für Nestlé gilt das selbstverständlich auch.

12. Zeigt her eure Daten

Interessiert das überhaupt noch wen? Oder haben die täglichen Hiobsbotschaften inzwischen abgestumpft? Um an Daten zu gelangen und den eigenen Profit zu steigern, wird rücksichtslos jede Möglichkeit genutzt. Den Anwender*innen ist es eh egal, weil es nicht Weh tut und auch sonst keine nachteiligen Folgen zu spüren sind. In China wird öffentliches Denunzieren bald zum Alltag und Volkserziehung erklimmt eine neue Dimension, wenn jeder jeden Maß regelt. Redlichkeit – ich weiß, kennen nur ältere Semester – haben wir irgendwann am Straßenrand liegen gelassen oder wohl eher ausgesetzt, so wie sich Wirtschaft benimmt. Aber das hat was mit Charakter zu tun und derartiges existiert kaum noch, auf jeden Fall nicht in den Unternehmen.

13. Geldpolitik im Abseits

Das Interesse an Geld fängt im eigenen Portemonnaie an und hört auch genau dort wieder auf. Die Finanzzocker sind zwar gern genommenes Thema am Stammtisch, aber darüber hinaus wird es dann zu kompliziert. Vielleicht ahnt der Ein oder Andere, dass ein Zusammenhang zu den eigenen roten Zahlen bestehen könnte, aber die von der Branche forcierte Undurchsichtigkeit verhindert eine umfassende Meinungsbildung gründlich. Zudem hält der Druck ständig zu konsumieren davon ab. Dass hier dieselben Hebel für verantwortlich sind, bleibt demnach unbeachtet. Dabei hält Jeder die Macht in seinen Händen und sollte nur mal mehr Gebrauch davon machen. Dafür braucht es nur ein bisschen … ach lassen wir das.

14. Das Letzte

Der Titel “Tyrannen im Anzug” beschreibt die neoliberale Unternehmenskultur sehr passend. Die gerne präsentierten “Arbeitszimmer”, bunt und entgegen jeder althergebrachter Vorstellung, täuschen darüber hinweg, dass die Abhängigkeit der Menschen von Arbeit zu längst als ausgestorben betrachtete Bedingungen führt. Meine neulich aufgebrachte Frage, warum man sich diesen Anforderungen unterwirft, mag naiv anmuten, spricht aber die einzig gehaltvolle Umsetzung aus. Von “Oben” tritt keine Änderung freiwillig oder einsichtig ein. Erst wenn “Unten” komplett zu Hause bleibt, müssen sie sich neu ausrichten. Nicht nur, dass ohne Mitarbeiter keine Arbeit gemacht wird, sondern jene ohne Geld (Lohn/Gehalt) auch nicht konsumieren und die Wirtschaft insgesamt in Existenznot bringen würden.

Es gibt doch Gewerkschaften? Ha ha ha – der Witz des Tages, ach Quatsch, des Jahres, wenn nicht gar des Jahrhunderts!

Wochenzitat

Unsere Konsum- und Marktwirtschaft beruht auf der Idee, dass man Glück kaufen kann, wie man alles kaufen kann. Und wenn man kein Geld bezahlen muss für etwas, dann kann es einen auch nicht glücklich machen. Dass Glück aber etwas ganz anderes ist, was nur aus der eigenen Anstrengung, aus dem Innern kommt und überhaupt kein Geld kostet, dass Glück das Billigste ist, was es auf der Welt gibt, das ist den Menschen noch nicht aufgegangen.
(Erich Fromm)

Mut machen

Darf’s ein bisschen Wert sein? Dann unauffällig folgen.

Vorhang

Unvollkommen, wie alles … wünsche ich trotzdem eine angenehme nächste Woche.