Extrakt 08-2019

1. Buchhandel bebt

Die erste Meldung des Börsenvereins, den Lobbyisten der Verlagsbranche, zur KNV Insolvenz war fast schon beiläufig. Nach dem Motto, alles nicht so schlimm, keine große Auswirkungen, jede Aufregung unnötig. Irgendetwas alarmierte meine Skepsis und ich forschte mal ein wenig zum genannten Betrieb. Bestellt man ein Buch in seiner Buchhandlung und freut sich über die Auskunft, dass es bereits am nächsten Vormittag zur Abholung bereit liegt, denkt man nicht über die Abläufe im Hintergrund nach. Aber genau für die war KNV zuständig und deutschlandweit der größte Dienstleister. Oder anders: fast die gesamte Bücher Logistik lag in deren Händen. Demnach zu sagen, nichts großartiges passiert, grenzt an gefährliche Debilität.

Inzwischen gebärdet man sich dort als aufgeschreckter Hühnerhaufen und irrt laut gackernd durch die Gegend.

2. Venezuela

Ich will an dieser Stelle die aktuell breit getretene Thematik nicht behandeln, sondern einen Aspekt hervorheben, dem nicht die notwendige Beachtung gewidmet wird. Am Rande wird er manchmal erwähnt, seiner Bedeutung aber niemals gerecht.

In den knapp sechs Jahren, die Präsident Maduro jetzt das Land regiert, hat er es nicht nur geschafft, die aufstrebenden Entwicklungen seines Vorgängers und Förderers Chávez zu konterkarieren, sondern die Armut im Land zu vergrößern, verbreitern und vertiefen. In einem Land, dass nach einhelliger Meinung auf Grund seiner Ölvorkommen das reichste Land der Welt sein sollte.

Die aktuellen Vorgänge sind weder zu begrüßen, noch zu unterstützen. Unstreitig aber gehört Maduro vom Hof gejagt! Wie dieses abstoßende Individuum derzeit wagt sich zu präsentieren, ist widerwärtig, niederträchtig und vor allem: unmenschlich.

Ich weiß nicht, ob Macht krank macht oder nur Kranke an die Macht kommen. Venezuela ist schließlich keine Ausnahme, sondern gehört zur Regel. Allerdings überzieht die Seuche inzwischen den gesamten Erdball, was zu betrüblichen Zukunftsaussichten führt.

3. Artikel auf Englisch

Ich teste gerade oder versuche mich daran, ausgewählte Artikel von #kurzhalt und randnote: auf Englisch anzubieten. Zu diesem Zweck habe ich write.as als Basis gewählt. Als offene Blog-Plattform initiiert, wurde das System dahingehend weiter entwickelt, sich ins Fediverse genannte Universum freier Angebote zu integrieren. Mit dem im Hintergrund werkelnden ActivityPub-Protokoll sind alle dargebotenen Formen der Präsentationsflächen untereinander verzahnt und können kombiniert verfolgt werden – zumindest theoretisch.

Sämtliche Projektsoftware ist frei verfügbar und ein Jeder könnte sein eigenes Angebot schnüren und dem Netzwerk beitreten. Bekanntester Vertreter dürfte Mastodon sein, das als Twitter Alternative regen Zuspruch erfährt. Aber auch PeerTube oder PixelFed und besonders diaspora als Facebook Alternative gehören dazu.

Auf Grund dieser Dezentralität, was der Antrieb hinter allem ist, findet sich mein rethink (Umdenken) getauftes englischsprachiges Blog auch unter der Domain qua.name. Für das Übersetzen lasse ich mir von der derzeit besten Übersetzungsmaschine deepl helfen. In dieser Disziplin rangiert Google sogar noch hinter Microsofts Bing, beide aber abgeschlagen hinter den Fähigkeiten von Linguee, die sich für deepl verantwortlich zeichnen.

Wer jetzt Lust bekommen hat, sich aus den Fängen zentralen, Daten sammelnden Digital-Diktatoren zu befreien – nur zu, schaut überall vorbei und lasst euch inspirieren.

Ach ja, auf der Mastodon-Instanz todon.nl habe ich mich auch mal niedergelassen.

4. Koalitionsgerangel

Üblicherweise wird die Übereinkunft zwischen CDU/CSU und SPD in den Medien Koalitionsvertrag genannt. Damit wird eine Rechtsform suggeriert, die anschaulich nicht zutreffend ist. Dass solch misslicher Umgang nachhaltig verstörende Wirkungen erzielt, wird komplett außer Acht gelassen. Mal wird die Vereinbarung ins Feld geworfen, um abzulehnen, zu behindern oder umzuformen. Mal, um etwas zu bestätigen, was entgegen allgemeiner Auffassungen handelt. Ein anderes Mal gebrochen, weil nun geänderte Vorstellungen konformer sind. Wie auch immer, am Ende präsentieren die Verantwortlichen ein desolates Schauspiel und geben ein nicht nachahmungswürdiges Vorbild ab. Unsere Regierungsvertreter schaden der von ihnen viel gerühmten Demokratie mehr, als sie zu fördern. Wir bräuchten dringend neue Parteien! Allerdings braucht es dafür erst mal die entsprechenden Menschen. Ob die derzeitige #FridayForFuture demonstrierende Jugend für größere Aufgaben geeignet ist, wird sich zeigen.

5. Nichts passiert?

Dieser magere Extrakt ist kein Zeichen einer ereignislosen Woche, sondern Ergebnis einer Überlastung. Gerade der zunehmende Irrsinn und das von Wahnsinn getriebene Geschehen, bringt mich an Grenzen. Ich komme den Ereignissen kaum noch hinterher und kann den Ausmaßen nicht die notwendige Referenzen erweisen. Oder anders ausgedrückt: immer häufiger sitze ich fassungslos vor den Meldungen und bin zu gelähmt passende Worte zu finden. Gibt es so etwas wie eine “bewusste Ohnmacht”?

Inzwischen hat sich ein Mount Everest an offenen Artikeln aufgetürmt, was mit Sicherheit mental nicht förderlich ist. Ja, tatsächlich verbirgt sich hinter den tiefgründigen Texten ein (nach)denkender Mensch, den die Sorge über unfassbare Entwicklungen um treibt. Ich kann aber gerade das nicht, was der Rest beherrscht: Däumchen drehend weg gucken, hoffen irgendwie durch zu kommen und dem Motto frönen, “nach mir die Sintflut”. Wie dem auch sei, nach diesem persönlichen Einblick heißt es Ärmel hoch krempeln, in die Hände spucken und weiter machen.

6. Das Letzte

Häufig über BILD zu schreiben, verschafft dem Schmierblatt unnötige Beachtung und sollte tunlichst vermieden werden. Aber so manch haarsträubende Niederträchtigkeit muss aufgezeigt werden, um in der Dunkelheit mancher Lesergehirne vielleicht doch ein Lichtlein zu entzünden – ein ganz kleines reicht ja schon.

Den Schmutzfinken bei deren Anfrage für einen Bericht mit deutlichen Worten mitteilen, dass man für deren Scheißblatt nicht zur Verfügung steht, ist für diese erst Recht Ansporn, sich darüber hinweg zu setzen. Wie immer frage ich mich, ist so ein Charakterloses Leben erfüllend? Aber Zombies erkennen ja ihre eigene Missbildung nicht.

Wochenzitat

Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein.
(Karl Marx)

Mut machen

Darf’s ein bisschen Wert sein? Dann unauffällig folgen.

Vorhang

Unvollkommen, wie alles … wünsche ich eine erbauliche nächste Woche.