Extrakt 41-2018

1. Glyphosat

“Schatz, ich geh wieder für billige Massenware die Monokulturen vergiften.”
“Hab einen schönen Tag.”
“Vergiss nicht den Porsche zu bestellen … und denk an den Bio-Markt heute.”
“Ja, Liebling.”

Wird Gly­phosat-Pro­zess um Mon­santo neu auf­ge­rollt? (LTO)

2. Polen

Wer den längeren Atem hat, gewinnt. Das gilt nicht nur für den Widerstand, sondern ebenso für die bekämpfte Seite. In Polen hat nun Resignation die Protestler weich gekocht und zum Schweigen gebracht. Trotz entsprechenden Bekundungen war die Unterstützung innerhalb und von außen nur mangelhaft. Die polnische Regierung kann sich jetzt als Sieger feiern und selbstherrlich über den angerichteten Schaden hinwegsehen, wie es kurzsichtige Politiker zu tun pflegen. In den Verlierern wird es aber weiter gären und sich irgendwann Bahn brechen, das lehrt die Geschichte.

Umstrittene Justizreform: Warschau macht weiter (Telepolis)

3. Franz Alt in Hochform

Herrn Alt ist die Hutschnur gerissen, der Kragen geplatzt oder wahrscheinlich beides gleichzeitig. Schon immer mit deutlichen Worten unterwegs, legt er hier noch eine Schippe drauf. Der ablaufende Wahnsinn lässt sich derzeit kaum noch sachlich und neutral kommentieren – ich kann das nachempfinden. Ist das aktuelle Gemurkse schon Haarsträubend, wird es von der Lethargie, dieses zu ändern, noch übertroffen. Das kann zur Verzweiflung treiben.

Nur die allerdümmsten Kälber … (Telepolis)

4. Reich der dämlichen Überschriften

Herrlich! Einfach grandios auf den Punkt gebracht. Respekt für diesen Volltreffer!
Als Sprachrohr der Wirtschaft übersteigt Natur, solange sie nicht auszubeuten ist, den Horizont beim Handelsblatt.

5. Verhinderte Bildung

Natürlich symbolisieren die baulichen Mängel an Lehreinrichtung deutschlandweit den Stellenwert der Bildung in diesem Land. 32.000 fehlende Lehrkräfte unterstreichen das, aber vielleicht hat auch keiner mehr Lust in so einem abgewerteten Beruf zu arbeiten. Plus den 30.000 fehlenden Pflegekräften könnte man die Statistiken ordentlich aufpolieren. Schade nur, dass die Menschen nicht so ehrenhaft sind und umsonst arbeiten wollen. Nun wird überall nach Fachkräften geschrien, die man versäumt hat selbst auszubilden. Klar, zieht man sie eben aus dem Ausland ab, dafür müssen die Länder schon Verständnis haben. Was wir mehr haben, haben andere eben weniger. Zu dumm, dass das mit den Fremden gerade ein unglückliches Thema ist und zusätzlich offenlegt, dass die Problematik der mangelhaften Bildung nicht erst seit gestern besteht. Diese Zusammenhänge kann man schon mal aus den Augen verlieren, auch wenn die Pisa-Studien dort schmerzhaft piksten. Aber in Berlin regieren ja jetzt richtige Macher …

6. Bravo, SPD!

Selten schaffen es die Schicksale der von euch ausgesonderten und abgeschriebenen Menschen soweit in den Fokus der Öffentlichkeit. Ach ich vergaß, es ging euch ja um die Schaffung von Arbeitsplätzen, zu den Konditionen der Wirtschaft natürlich, also billig. Dafür schönt ihr auch die Zahlen, damit sich alle Seiten linkisch auf die Schultern klopfen können. Klasse Leistung, die an den Wahlurnen angemessen “belohnt” wird.

Hartz IV: Dank Hartz IV bald obdachlos? (gegen hartz)

7. Brasilien

Die Vergangenheit lehrt? Menschen lernen dazu? Fehler macht man nur einmal? So wie es aussieht, sind das nur schöne Worte; idealisierte Hoffnungen, die als schwache Sehnsucht zum Überleben notwendig sind, aber von der Wirklichkeit permanent gebeugt werden. Die Vorgänge in Brasilien sind haarsträubend und unbegreiflich. Wirklich erschreckend ist allerdings, dass hier nur sehr deutlich eine Tendenz zutage gefördert wird, die sich weltweit abzeichnet. Es scheint, als hätte unsere menschliche Entwicklung ein Ende erreicht und kehrt sich nun um. Soziale und gesellschaftliche Errungenschaften geraten ins Wanken, weil Empathie von den Regenten (Politik und Wirtschaft) aufgeweicht wurde. Absichtlich, um die Abhängigen gefügiger und steuerbarer zu machen?

Brasilien: Wie wurde das Bolsonaro-Monster geschaffen? (ameriks21)

8. Wirtschaftsnobelpreis 2018

Zwei Amerikaner teilen sich den diesjährigen Wirtschaftsnobelpreis, doch weder gratuliert ihnen ihr Präsident, noch erwähnt dieser diese ausgezeichneten Leistungen in seinen Reden. Was ist da schief gelaufen? Die Themen der beiden geehrten beschäftigen sich mit dem Klimawandel und weil es den bekanntlich nicht gibt, existiert auch aller drumherum nicht. So einfach ist das.

9. Österreich

Anfang der 2000er Jahre gingen die Österreicher jeden Donnerstag auf die Straße , um gegen die damalige Regierung von ÖVP und FPÖ zu demonstrieren. Mit dem Ergebnis, dass die Bürger bereits zweieinhalb Jahre nach der letzten Wahl wieder an die Urnen gerufen wurden. Seit dem ist ihnen wohl Donnerstags zu langweilig geworden, weshalb sie die missliebige Kombination wieder an die Macht gehoben haben … und sich nun endlich wieder Donnerstags treffen können. Zukünftig von einer Software klassifiziert zu werden, ob sich bei einem Arbeitssuchenden die Förderung lohnt, ist nicht wirklich erbauend und könnten durchaus eine Rolle spielen. Vielleicht ist es aber auch nur der berüchtigte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. 12 Stunden Arbeitstag; weniger Rechte für Beschäftigte; Attacken gegen Medien; Ermittlungen gegen Verfassungsschutz; Nationalismus inklusive Rechtsruck – um mal das geläufigste zu nennen.

Österreich: Algorithmus soll entscheiden, welche Arbeitslosen gefördert werden (Heise)

Österreichs Jobcenter richten künftig mit Hilfe von Software über Arbeitslose (Netzpolitik)

10. Welche Klingel?

Aufgrund der DSGVO werden die Namen von den Klingelschildern entfernt? Hmm, da wir nicht den 1. April haben und der politische Regulierungsirrsinn im Wahn möglicherweise über die Stränge geschlagen hat, verkneife ich mir eine Bewertung und belasse es beim Kopfschütteln … Ach, Wien? Oje, die Österreicher triffst echt hart …

Na gut, dann doch noch ein wenig mehr gelesen. Kein Scherz, RA Lampmann sagt sogar, dass es schon immer unzulässig war – interessant.

Anonymer Wohnen mit DSGVO: Wiener Mieter kriegen Klingelschilder ohne Namen (Heise)
{SPON und ZEIT scheinen auch darüber geschrieben zu haben, die lese und verlinke ich nur nicht}

11. Das Letzte

Seit sich mir die Klingelschild Problematik kundgetan hat, blinkt das Briefkastenschild aufgeregt vorm inneren Auge. Zum Glück bin ich da nicht alleine und es wurde sogar noch einen Schritt weiter gedacht. Das stimmt zuversichtlich …

Datenschutz: Post muss Namen und Anschrift auf Briefen schwärzen (Die Tagespresse)

Wochenzitat

Die Dummheit tritt immer selbstbewusst auf: sie fühlt sich stark durch die Masse.
(Johann Jakob Mohr)

Vorhang

Unvollkommen, wie alles … wünsche ich trotzdem eine angenehme nächste Woche.