Extrakt 42-2018

1. Dumpfbacke

Da zeigt jemand mit sexistisch vulgären Ausdrücken seine Simplizität und präsentiert diese in selbstverliebter Macho-Manier der Öffentlichkeit. Als er vorgeführt wird, reagiert er verschnupft und kommt mit seiner Wehleidigkeit vor Gericht durch. Hingegen zeigt die Gesellschaft ihm den Mittelfinger und spendet innerhalb von nur 36 Stunden 100.000 Euro zugunsten der Verungimpflichtigten, damit sie sich weiter wehren kann. So ist es Recht! Und wer jetzt noch in dessen Kneipe geht, hat es wohl nötig …

2. Cum-Ex

Erwähne ich, weil es in dieser Woche wichtig war und ich natürlich verfolgt habe. Einen deutlichen Kommentar auf tagesschau.de reiche ich mal weiter, für alles andere reicht der hier angedachte Platz nicht.

3. T-Online wird seriös?

Ohne unredliche Absichten zu unterstellen, sind diese heutzutage überwiegend anzutreffen. Dabei scheint zu gelten, umso perfider die Methoden, umso mehr zahlen sie sich aus. Als zuletzt häufiger T-Online im Zusammenhang mit investigativen Reportagen auftauchte, war ein Besuch des Internetauftritts unumgänglich. Wo früher DSL Verträge angepriesen wurden, prangt nun ein seriöses Nachrichtenportal? Sieht nett aus, reicht nicht mich zu überzeugen. In der Fußzeile verbirgt sich dann Zweifelhaftes. Betrieben wird die Chose von Ströer Communications? Eine reine Werbemittelvermarktungsfirma, denen zum Beispiel die Plakat Vitrinen auf Bahnhöfen und an Bushaltestellen gehören. Werbe-Fuzzis und rückständige Breitbandverhinderer leisten sich eine seriöse Nachrichten Fassade? Keine Ahnung wessen Name hier Rein gewaschen oder in neuem Licht erstrahlen soll, mir ist das zu dubios und hat ein übles Geschmäckle. Bekanntlich lässt sich mit Geld viel kaufen, steuern und blenden. Macht mal, ich bin nicht dabei.

4. Bayern Wahl

Der Schlag vorn Bug für die CSU ist nicht stark genug, um deren verkrustete Borniertheit aufzubrechen. Knapp 10 % für die SPD ist mehr als verdient. Die Freien Wähler scheinen ein CSU Abklatsch mit leicht veränderten Gewichtungen zu sein, also keine Verbesserung. Wer AfD wählt ist hohl, hat nichts kapiert und sollte in seiner dunklen Höhle bleiben, um den Schaden für Land und Zukunft nicht weiter zu verschlimmern. Noch weniger Verständnis verdienen FDP Wähler, die mit ihrer Stimme (Umwelt-)Zerstörung, Spaltung, Reichtumskonzentration, Leibeigenschaft befürworten und ihre asoziale Haltung zeigen. Die Grünen schaffen es mit steigendem Erfolg klaffende Lücken zu besetzen. Nicht überraschend, außer der Geschwindigkeit, in der dem neuen Führungsduo Baerbock/Habeck das gelingt. Das Die Linke scheitert, ist deprimierend. Inhaltlich spiegeln sie die Wünsche der Bürger fast übereinstimmend wieder und kriegen das einfach nicht vermittelt. Dieses ständig um sich selbst Gedrehe und Gejammer, dass zu wenige ihre Inhalte anerkennen, sind selbst platzierte Stolperfallen. Persönlich denke ich, dass aber das größte Hindernis der Parteinamen ist. Damit will/kann sich niemand identifizieren. Wie dem auch sei, kann ich Sahra Wagenknecht verstehen, dass dieser Stillstand nervt und auf Dauer frustrierend ist. Fazit insgesamt? Chance vertan, wie die kommenden Jahre zeigen werden.

Leserbriefe zur Landtagswahl in Bayern, und den diesbezüglichen Artikeln auf den Nachdenkseiten (NachDenkSeiten)

5. Brasilien, Spanien, Italien, Saudi-Arabien, Türkei

Vorgänge und Entwicklungen in diesen Ländern sind erschreckend und abstoßend. Damit sind sie nicht allein, stehen nur aktuell wegen unterschiedlichen Ungeheuerlichkeiten im Fokus. Sich dabei auf die Regierungen fixieren und als Verantwortliche brandmarken, ist hingegen viel zu kurz gegriffen. Überall werden sie vom Großteil der Bevölkerung getragen. Insofern ist Bestürzung zwar verständlich, aber verlogen und in keiner Weise hilfreich oder Ziel fördernd. Deswegen gewinnen überall die Nationalisten an Popularität, weil ihnen blökende Schafe abkaufen, dass nur Abschottung sie vor bösen Wölfen retten kann und alle Menschen nicht von einander abhängig und miteinander verwoben sind. Grenzen im Kopf werden nicht verhindern, dass uns Auswirkungen in anderen Ländern nicht treffen.
Khashoggi Ergänzung: Wenn Einschüchterung, vielleicht sogar Entführung, der Plan war, ist der tödliche Ausgang natürlich eine mangelhafte Umsetzung, für die die Verantwortlichen nun ihren Kopf hinhalten müssen. Zum Glück stammen die aus einem freien, demokratischen Land, wo Jeder solch staatstragende Ereignisse selbständig und eigenmächtig ausführen kann und darf und somit die Verantwortlichkeit in deren Händen liegt und keine falschen Verdächtigungen aufkommen können.

Brasilien – Die rechtsextreme Barbarei ist entfesselt, eine Militärdiktatur neuen Typs lauert auf den Wahlausgang (NachDenkSeiten)

Würdemärsche, Streikposten, Spottlieder… Wofür in Spanien im Oktober 2018 Menschen vor Gericht stehen. Oder im Gefängnis sitzen (LabourNet)

Neue spanische Justizposse: Gericht rudert wegen Banken-Urteil zurück (Telepolis)

Der Prinz und der Journalist (Telepolis)

6. Keine Obdachlose mehr in Ungarn

Kümmert sich die Politik nun um die Schwächsten im Land, wo sie sich die Flüchtlingsströme mit Zäunen vom Leib hält? Ein Dach überm Kopf und geregelte Mahlzeiten deuten darauf hin. Doch statt den Gescheiterten zu helfen, werden sie ins Gefängnis verfrachtet, damit sie die Öffentlichkeit nicht weiter verschandeln. An Humanität hat bei der Regierung doch wohl keiner gedacht, oder?

7. Mahlzeit

40 % der Welt-Getreideernte und 85 % der Sojaernte wird an Nutztiere verfüttert, die daraus in erster Linie Exkremente und Methan produzieren. Das Gas Methan ist 25 mal klimaschädlicher als CO2 und entfleucht den Rinder deshalb so mannigfach, weil ihre Mägen das zugeführte Kraftfutter (u.a. mit Soja) nur schwerlich verdauen können. Ich wollte jetzt nicht, dass das billige Steak im Hals stecken bleibt …
Angezweifelt: Das mit den angeblich tausenden Litern Trinkwasser, die ein Kilo Rindfleisch am Ende “verbraucht” hat und gerne von diversen Schutzorganisationen – und “Qualitäts”medien – als bedrohliche Untergangskulisse in die Schlacht geführt wird, stimmt in der Form nicht und dient eher der Angstmache.
(Ja, wollte ich hier auch anführen, bis ich beim Recherchieren eines Besseren belehrt wurde.)

8. Liebe Wölfe und Fischotter

… wir müssen reden, dringend! Ihr Wölfe seid ja beeindruckend und ihr Fischotter wirklich sehr possierlich, aber an zwei Angewohnheiten müsst ihr unbedingt arbeiten und verbessern. Zum Einen müsst ihr eure Speisekarte neu ordnen und zusammenstreichen. Ihr könnt euch nicht einfach so an den Besitztümern von uns Menschen bedienen, das ziemt sich nicht. Für euch Fischliebhaber gibt es zudem eine Liste an vom Aussterben bedrohte Fischarten, der ihr mehr Beachtung schenken müsst. Am Besten wäre es, ihr würdet beide Vegetarier oder gleich Veganer. Zum Anderen müsst ihr mehr auf eure Verbreitung achten. Das kann so nicht weiter gehen. Ihr stört in massiver Weise die Verdienstmöglichkeiten und beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf. Vielleicht reguliert ihr das mit der Fortpflanzung irgendwie, ist doch nur zu eurem Wohlergehen. Meint ihr, ihr könnt das zeitnah beherzigen und umsetzen? Wir sehen uns dann im Zoo, da ist es doch auch ganz heimelig, so mit Vollpension und rundum Pflege, oder etwa nicht?

9. Geschütztes Tracking

Schon irre … da kann die Technik, die beim Surfen im Internet schützen soll, gegen die Nutzer angewendet werden. Da werden sich die Verwerter nicht lange Bitten lassen. Bestimmt nur versehentlich tauchen Google und Facebook an vorderster Front auf. Waren die nicht an der Entwicklung von TLS 1.3 beteiligt? Nein, ich will nichts andeuten …

Forscher warnen vor Tracking via TLS (Heise Security)

10. Ausgeblendete Abhängigkeit

Selbstgefällig schlafwandeln wir durch unseren Tag, zuhauf begleitet von Ressourcen prekärer Herkunft, die wir gedankenlos ausblenden, weil wir ihre Verfügbarkeit für selbstverständlich halten und unser Anspruch es erwartet. Wir handeln nicht gewissenlos und/oder verantwortungslos, weil wir uns gedanklich erst gar nicht soweit damit beschäftigen, um in den Dunstkreis dieser Vorwürfe zu geraten. Daher lesen wir diesen detaillierten Artikel auch nicht: Rohstoffe – und was haben wir damit zu tun? (Zebralogs)

11. Schiedsgerichte ausgebootet

Bei der Neuauflage ihres Freihandelsabkommens NAFTA haben die USA und Kanada Schiedsgerichte herausgestrichen. Kehrt bei den Politikern endlich Vernunft ein? Nicht wirklich, sie konnten nur nicht mehr länger die Augen vor den negativen Folgen verschließen. Im typischen Politiker Geschwafel wird eingeräumt, dass Nachteile die angedachten Vorteile überwiegen. Dann kann jetzt weltweit aufgeatmet und dies als Vorbild genommen werden? Nun mal immer langsam mit den Gäulen. Glaubt doch keiner, dass die nun plötzlich bekehrt sind und sich zu den Guten wandeln. Also biegsame Politiker vielleicht, aber doch nicht Konzerne. Die Zeiten, in denen die sich noch fügten, sind lange vorbei. Warum langwierige Schiedsprozesse, wenn die Unternehmen schon die Gesetzgebung gestalten können, das spart doch Mühen, Zeit und natürlich Geld? Schön, Politik schafft sich selbst ab. Für ein paar Verwaltungsbeamte, die dann noch benötigt werden, braucht es nur einen Bruchteil an Steuern. Tolle Aussichten, oder?

Paukenschlag in Amerika: NAFTA 2.0 ohne Schiedsgerichte (Lobby Control)

12. Pensionierung

Unter lautem Protest wird in vielen Ländern das Renteneintrittsalter angehoben. In Polen wird es, zumindest für Richter, gesenkt und das ist nun auch wieder falsch? Die Pensionierung mit 65 wird als Zwangsakt verschrien, aber mit 70 ist es dann keiner mehr? Mal unabhängig von der kolportierten Ansicht nach regimefreundlichen Besetzungen, auf die reinen Zahlen beschränkt, ist das sehr verwirrend. Aber unsere kompetenten EU-Regenten haben den Durchblick und ein Machtwort gesprochen. Zum Glück … wenn jeder machen würde, wonach ihm ist, versinken wir doch nur im Chaos. Ich mein ja nur …

13. Im Glashaus

Zugegeben, die dümmlicher und vulgärer, oberflächlicher und eingeschränkter, irrelevanter und schriller werdende Presse nervt. Die bekannte Dünnhäutigkeit beim FC Bayern aber nicht minder, vor allem, wenn es nicht wunschgemäß läuft. Ob es an der Zeit ist, “dass sich der wichtigste Klub in Deutschland positioniert” (Hoeneß), sei mal dahingestellt. Wenn man sich in dieser Position sieht, steht man eben auch dementsprechend im Fokus, mit allen Begleiterscheinungen. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass die Protagonisten auch keine Kinder von Traurigkeit sind und nichts von Blättern vorm Mund halten.

Bayern-Medienschelte: „Bundesliga ist doch keine Dschungelshow“ (BR/ARD)

14. Das Letzte

Das ist wirklich das Letzte. Das ist so absurd und abartig, dass die Bayern von diesem Platz weichen mussten und ich immer noch ungläubig vor der Meldung sitze. Ob auch andere filmende Menschen verklagt wurden, geht leider nicht aus dem Text hervor. Auch nicht, ob sie so gehandelt hätten, wenn die “Täter” Journalisten oder Reporter gewesen wären. Über den Umstand, auf einer Demonstration in den öffentlichen Fokus zu geraten, wurden sie wohl nicht aufgeklärt. Erstaunlich, dass ihnen jetzt plötzlich was vom “Recht am eigenen Bild” einfällt und das in diesem Zusammenhang. Vielleicht war es ihnen noch nicht genügend Aufmerksamkeit und weil es heutzutage ja schick ist, sich zum Affen zu machen … Kleiner kostenfreier Tipp am Rande: Bleibt nächstes mal zu Hause. Beknackt … ehrlich.

Polizei postet Demo-Fotos im Internet und wird verklagt (Heise)

Wochenzitat

Wahnsinn ist, immer dieselben Fehler zu machen und unterschiedliche Ergebnisse zu erwarten.
(unbekannt)

Zitat wird diversen Urhebern zugesprochen, weshalb von einer unbekannte Quelle auszugehen ist.

Vorhang

Unvollkommen, wie alles … wünsche ich trotzdem eine angenehme nächste Woche.