Extrakt 43-2018

1. Sichere Tipps zur finanziellen Freiheit

Als ich 1998 ins Internet eintauchte, fand ich Aktien eine spannende Angelegenheit. Interessiert las ich eine Zeitlang diverse Publikationen zum Thema Börse. Ein tief sitzendes Unbehagen hielt mich davon ab, mein nicht vorhandenes Geld in diesem Bereich zu versenken. Zunehmend suspekt wurden mir aber die Zeitschriften mit ihren “Empfehlungen”. Was mich schon vor knapp 20 Jahren stutzig machte, ist natürlich immer noch ein Thema:

Warum müssen Wirtschaftsredakteure noch arbeiten? (DWDL)

2. YouTube Gewerkschaft

Na endlich! Kaum verwunderlich, dass ein Deutscher der Initiator ist, drängt sich eher die Frage auf, warum hat das so Lange gedauert? Aber irgendwie … niedlich. Anzunehmen, YouTube ließe sich in die Geschäftspolitik reinreden, ist ziemlich sportlich. Ist ja nicht so, dass Google/YouTube nicht gezeigt hätten, was sie von solchen Einmischungen halten. Erst recht, wenn es an deren Geld geht – man möge sich an den GEMA Disput erinnern, der viele Jahre dauerte. Aber wenn man unzufrieden ist, beruhigt so ein bemühter Aktionismus vielleicht.

Gewerkschaft der Youtube-Stars hat 16.000 Mitglieder (Golem)

3. Fatales Signal

So so, die Polizei darf also nicht über ihre Arbeit berichten. Überall wird laut Transparenz eingefordert, aber so ist dann doch wieder nicht gemeint. Dieses Urteil sendet ein fatales Signal aus: Alles andere ist KEINE Überwachung! Damit wird der sorglose, gedankenlose, gewissenlose, verantwortungslose Umgang bei der Verteilung seiner Daten und Abschöpfung selbiger von den Verwertern, vom Makel der Überwachung befreit, weil die scheinbar nur der Staat durchführt. Absolut und komplett falsches Signal. Ich hoffe, die Verliererseite geht in Berufung und trifft dort auf umsichtigeres Personal. Nein, ich finde jede Art der Überwachung unwürdig, diese in gut und böse zu trennen, ist katastrophal!

Gericht: Presseteam der Polizei darf bei Demos nicht fotografieren (Heise)

Pres­se­team der Polizei darf bei Demos nicht foto­gra­fieren (LTO)

4. Noch nicht laut genug

Politiker sind stoisch störrisch und resistent renitent; kennt man, weiß man, weswegen Ungerechtigkeiten und Unvermögen nur doppelt und dreifach aufregen. Schaden tut das zwar nur der eigenen Gesundheit, doch der Druck muss raus, sonst platzt man am Ende noch. Solange dies auf zivilisierte Weise geschieht, ist das begrüßenswert. Leider ist diese Art meist zu leise, weshalb vermehrt zu fragwürdigen Alternativen gegriffen wird. Was Politiker derzeit verbocken, geht weit über den kriminellen Umgang mit der Autoindustrie hinaus und zieht bereits weite Kreise. Die Leisen müssen lauter werden! Hier ist ein Anfang:

Betrug ist nicht genug (Heise Autos)

Acht Fakten, wie sehr Braunkohle uns allen schadet (campact)

5. ÖRR Flügel stutzen

Egal wie, da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, Hauptsache es kommt mehr Geld in die Kasse, am besten mit einer automatischen Steigerungsrate. Nein, zusammenstreichen und gewohnte Zöpfe abschneiden, kommt gar nicht Frage. Auch das nutzloseste, hirnverbrannteste, dümmlichste, ungesehenste und unansehnlichste Programmangebot rechnet sich unterm Strich. Kritisch hinterfragt wird nur, wenn es taktisch angebracht ist und man einen reuigen Eindruck schinden will.

Diese Aussage ist krass – Verarschung und Verhöhnung aufs Allerwiderwärtigste. Alleine für diese Heuchelei müssten die Zwangssubventionen halbiert werden – mehr ist beim ÖRR sowieso nicht zu finden, was sich selbst wohlwollend zur Grundversorgung zuordnen lässt.

(Sich vor den AfD Karren spannen lassen wollte ich kommentieren, aber Ochsen sind schwer von Begriff.)

Rundfunkbeitrag: Kopplung an Inflationsrate gefordert (Heise)

6. Warum, Brasilien?

Wir mögen Köpfe schütteln und bestürzt die Entwicklung kommentieren, weil sich der vermeintlich “gesunde Menschenverstand” den dahinter verborgenen Wahrheiten verweigert – dort wie hier. Doch das Ursache/Wirkung-Prinzip lässt sich nicht wegdiskutieren. Es ist der verzweifelte Versuch, begangene Fehler mit einem Schlag zu korrigieren. Fehler, die das Volk mit ihren Wahlen ermöglichten. Was Brasilien “blüht”, ist die Folge von gebrochenen Versprechen und einer korrumpierten Parallelwelt, in welcher Politikmenschen ihre Machtgelüste frönen. Wer allerdings glaubt, dieses ist neben Brasilien nur auf wenige Länder beschränkt, steckt mit seinem Kopf tief im Sand. Andernorts pirscht es sich auf leisen Sohlen an, ist aber zum weltweiten Phänomen aufgestiegen. Europa hat es längst erreicht. Nicht gemerkt?

Bolsonaros Angriff auf Brasiliens Demokratie (Justice Now)

Diktatur mit Ansage (junge Welt)

7. Sicherer ohne TÜV

So ein TÜV-Siegel ist doch voll beruhigend und vertrauenswürdig. Seit Jahrzehnten wird uns diese institutionelle Sicherheit mit der Muttermilch eingeimpft. Sie anzweifeln oder infrage stellen gleicht einem Verrat des besten Freundes. Wer zum Wächter über Leben und Tod stilisiert wird, darf sich natürlich für unfehlbar halten und uneinsichtig jede Kritik Klein reden. Diesmal sind es “nur” Onlineshops, aber die Silikonimplantate sind nicht vergessen. Bedenkt man, wo die TÜV-Prüfer überall ihre Hände im Spiel haben – Autos, Jahrmarkt Fahrgeschäfte, Achterbahnen, Flugzeuge –, dann sollte uns eher mulmig werden. Wer kontrolliert die Kontrolleure?

Onlineshops mit nutzlosem TÜV-Siegel (Golem)

8. Karawane prangert Versagen an

Selbst ein Präsident oder wenigstens im engeren Umfeld, könnte mal ins Grübeln kommen: “Scheiße, wer solche Torturen ohne Aussicht auf Erfolg auf sich nimmt, muss wirklich Übel dran sein, vielleicht sollte man mal gucken, was man tun kann.” Könnte … warum nicht? Ja, das gilt auch für andere Länder. Stattdessen heißt es: “Achtung Invasion, wir werden überfallen! Terroristen, Schmarotzer, Plagegeister, Kriminelle, Verseuchte bedrohen unseren Wohlstand! Hilfe, fahrt die Abwehrmaßnahmen hoch!” Natürlich ist das beschämend sein eigenes Versagen aufs Butterbrot geschmiert bekommen. Lieber hetzt man die eigenen Leute auf, um sie von dem abzulenken und abzuhalten, was sie eigentlich auszeichnen sollte: Menschlichkeit, Helfen, Unterstützen und Veränderungen einleiten, die keine Flucht mehr notwendig machen. Ein “Ende gut, alles gut” ist daher leider nicht zu erwarten.

50 Kilometer täglich bei 30 Grad (Tagesschau)

9. Zeit verläuft im Sand

Natürlich besteht zwischen den westlichen und östlichen Außengrenzen der europäischen Union ein Unterschied im Tagesverlauf. Wer sagt denn, dass an beiden Enden dieselbe Uhrzeit herrschen muss? Keiner. Dass es womöglich zu einem wilden Durcheinander kommt, wäre dagegen Politiker typisch. Der Globus ist in Zeitzonen eingeteilt, da kommt es auf eine mehr oder weniger nicht an. Natürliche Abläufe lassen sich nicht ökonomisieren und nach unseren Vorlieben/Vorgaben in die gewünschte Form zwingen. Festlegen, dass nur gerade Gurken in den Handeln kommen, entspringt diesem kläglichen Ansinnen. Zeigt aber nur die Beschränktheit auf.

Juncker in der Populismus-Falle (Tagesschau)

Sommerzeit: Das Ende vom Ende? (Lost in EUrope)

10. Gegen das Vergessen

Unsere “überragenden” Medien berichten nicht mehr über diese Gespenster, weshalb sie aus den Köpfen der Menschen entwichen sind. Sie sind aber nicht vom Tisch und bedrohen uns nach wie vor von allen Seiten. Gerade wo sich jetzt der Widerstand verflüchtigt, ist es für die Verhandler ein Leichtes, auch unbequemes und ungewolltes auf leisen Sohlen unter Dach und Fach zu bringen. Und dann nützt auch das lauteste Gejammer nichts mehr, dann ist es ZU SPÄT! Freihandelsabkommen sind in erster Linie NICHT zum Nutzen der Allgemeinheit. Die wird mit Krümeln getäuscht, gelockt, verraten und abgespeist.

JEFTA: Wasser schlecht geschützt (campact)

11. Besitzwahrungsgeschrei

Nimmt man einem Baby den Schnuller aus dem Mund, wird damit die Sicherungslasche einer Schrei-Granate entfernt, die unmittelbar darauf explodiert. Kennt man. Dieses Verhalten ist tief in unseren Köpfen verwurzelt, so dass es in vergleichbaren Situationen zuverlässig aktiviert wird – unser Leben lang. Google+ wird eingestellt. Wie andere Dienste vorher und wie auch dort, setzt unverzüglich das Geschrei ein. Irgendwann übernimmt dann die Einsicht das Ruder, dass das nichts nützt und ändert, und Ruhe kehrt ein. Google hat mit dem + kein Plus gemacht, also wird es nicht weiter mitgeschleppt. Facebook freut sich den größten Konkurrenten los zu sein und die Erde dreht sich immer noch.

Woran ist Google+ gescheitert? Auf der Suche nach dem wahren Grund für die Einstellung des Netzwerks (GoogleWatchBlog)

12. Das Letzte

Statistiken sind Toll. Mit vorliegenden Zahlen kann man so viel Schabernack treiben, dass sich aus drögen Diagrammen allerlei Aufregendes konstruieren lässt. Ist es dann immer noch nicht dramatisch genug, wird eben weiter gedreht. Die richtige Wortwahl zur Beschreibung liefert dann als Krönung den letzten Kick. Schließlich ist der Ruf noch nicht genug ruiniert.

Österreich: Rekordland bei Morden (nömix)

Wochenzitat

Dem Staat ist es nie an der Wahrheit gelegen, sondern immer nur an der ihm nützlichen Wahrheit, noch genauer gesagt, überhaupt an allem ihm Nützlichen, sei dies nun Wahrheit, Halbwahrheit oder Irrtum.
(Friedrich Nietzsche)

Vorhang

Unvollkommen, wie alles … wünsche ich trotzdem eine angenehme nächste Woche.