Extrakt 45-2018

1. Maaßen

Natürlich hat jeder seine eigene Sichtweise, aber wenn ein Glas überläuft, läuft es über. Nun steht es jedem frei, auf seine Art damit umzugehen – ignorieren, belächeln, weggucken –, ändert aber nichts an der Tatsache. War das Theater der vergangenen Wochen schon grotesk, stellen aktuelle Entwicklungen eine schwerwiegende Belastung dar und lässt die Angelegenheit zu einem ekligen Fremdkörper mutieren. Das unser elementarsten Behörde jahrelang ein radikaler Rassist vorstand, sollte nicht, sondern muss ein politisches Beben folgen. Der für die Benennung verantwortliche Innenminister, Hans-Peter Friedrich (CSU), kann selbst nicht mehr über die Affäre stolpern. Die unrühmliche Rolle von Horst Seehofer darf ihm aber nicht durchgelassen werden. Ob in dieser Legislaturperiode, mit diesem Personal, noch anständige Politik betrieben wird, darf zweifelsohne bezweifelt werden.

„Ein Radikaler im öffentlichen Dienst“ (Tagesschau)

2. Kleingeistige Versager

Guatemala und Honduras Staatschefs beweisen, wie Geld- und Machtgier auf nicht vorhandene Menschlichkeit basiert. Die Angst wohlgefällige Unterstützung zu verlieren und gleichzeitig den Gönner zum Gegner zu machen, obsiegt über Courage. Abhängigkeiten sind das Schwert, welches die USA drohend vor sich her schwingt und von dem niemand getroffen werden will.

„Härte des Gesetzes gegen Organisatoren“ (Tagesschau)

3. Amazon macht DHL Platt

In gnadenloser Ausbeutung kennen sich die Amerikaner von Amazon einfach besser aus. Deutsche Eifrigkeit und Fleiß hat auch seine hinderlichen Seiten. Überbordender Regulierungs- und Verwaltungswahn stehen den kurzfristig denkenden Mechanismen des blutleeren Neo-Kapitalismus‘ permanent im Weg. Gerade der unbewegliche Riese DHL beweist alltäglich seine Hilflosigkeit mit den Veränderungen Schritt zu halten. Unabhängig vom bestialischen Verdrängungswettbewerb dürfen gerne beide für ihre menschenverachtende Haltung kräftig auf die Schnauze fallen.

Das Amazon-Dilemma der Deutschen Post (Tagesschau)

4. Unzivilisierte Eliten

“Steuern sind der Preis, den wir für eine zivilisierte Gesellschaft zahlen”, meinte der Richter am obersten US-Gerichtshof Oliver Wendell Holmes – 1870! Wahrscheinlich waren die Neandertaler zivilisierte, als die entmenschlichten Eliten heutzutage. Es ist erbärmlich.

5. Midterm Election USA

Auf den ersten Blick ist die eroberte Mehrheit im Repräsentantenhaus für die Demokraten ein Gewinn. Der zweite nivelliert das, weil die Republikaner im Senat ihre Mehrheit sogar noch ausbauen konnten. Allerdings entpuppt sich das vermeintliche Patt als trügerische Falle für die Demokraten. Agieren sie unbequem, was zu erwarten ist, wird Präsident Trump mit seiner gesamten Gefolgschaft wie blutrünstige Raubtiere über sie herfallen. Ab nun werden die Demokraten die Schuldigen für jeden Unbill sein und wenn es dementsprechend “hingedreht” werden muss. Insofern gebärt sich die Niederlage im Repräsentantenhaus bezüglich der Präsidentschaftswahlen 2020 zu einem unverhofften Pfund für die Republikaner. Am Ende könnte es heißen: Dumm gelaufen.

6. Börsenblatt Rechts verseucht?

Im Börsenblatt wird die Absage der Autorin Margarete Stokowski kommentiert, weil sie keine Vorlesung in der Buchhandlung Lehmkuhl abhalten will, da man dort keine Scheu hat an den Büchern rechter Autoren zu verdienen. Wenn da gerade keine freie Karte Phrasen-Bingo auf dem Schreibtisch lag, stimmt das Geschreibsel nachdenklich. Eine Demokratie muss das aushalten, weil sonst die offene Gesellschaft in Gefahr ist und sowieso nur Zeichen mangelnder Argumente eines autoritären Systems sind, das Angst vor der Auseinandersetzung hat. Geht’s noch? Dieser klagenden Vorwurfs Metrik bedient sich regelmäßig die Seite, die für sich einfordert, was sie anderen verwehrt. Der Börsenverein wird sich natürlich herausreden, dass es der Kommentar eines Mitarbeiters war und nicht die Meinung des Vereins wiedergibt. Naja, Rechtsaußen finden sich nicht nur Arbeitslose, also muss der Rest irgendwo arbeiten … Ich kommentiere ja nur …

Die Furcht vor dem verstrahlten Grund (borsenblatt)

7. Scheinheiliger Vorlesetag

Unbezahlbares Marketing, ermöglicht von der Stiftung Lesen mit dem jährlichen Vorlesetag. Mit im Paket ist das Zurechtbiegen von Argumenten. Jede unterschwellige, subversive Indoktrination ist erlaubt. Gegen Kritik steht der ehrenhafte Ruf als Schutzschild zur Verfügung.

Kommentar: Prostituierte haben mehr Charakter.

Offener Brief von Isabel Abedi (boersenblatt)

„Vorlesen soll überall stattfinden“ (boersenblatt)

8. Bitcoin unwirtschaftlicher als Gold

Aus Langeweile erschaffenes Spielgeld, ideal für gierige “Fantasien” der Finanzzocker, kostet der Menschheit reale Ressourcen und befeuert die allgemeine Abwärtsspirale. Statt den Sklavenhändler Geld zu bekämpfen, werden ihm neue Namen verpasst und mit verqueren Argumentationen an seiner Reinwaschung gefeilt. Was für ein absurder Schwachsinn!

Studie: Gold-Gewinnung energieeffizienter als Kryptogeldmining (Heise)

9. Novellierung Urheberrecht

Dumme machen dumme Sachen, weshalb man sie vorsichtshalber an der kurzen Leine führt. Mit welcher Hingabe sie dabei an den Arschlöchern ihrer Herrchen lecken und deren Lügen schlucken, ist allerdings widerwärtig. Aber es steht ja jedem frei nach seiner Fasson zu leben, solange es keine Politiker sind … Oh … verdammt!

Urheberrecht: Ärger im EU-Parlament über verwässerten Schutz für Künstler (Netzpolitik)

Droht vielen Youtube-Kanälen wirklich das Aus? (Golem)

Lügen fürs Leistungsschutzrecht (das hört nie auf) (ÜberMedien)

10. Amoklauf USA

Über 30.000 Tote durch unkontrollierte Waffengewalt – jedes Jahr! Ob da dem einen oder anderen Opfer in den letzten Sekunden durch den Kopf geht, “Scheiße, hätte mich wohl doch für schärfere Waffengesetze einsetzen sollen …”? Das ist zynisch? Stimmt, die hätten ja mit einer eigenen Waffe nur schneller schießen müssen.

Viele Tote bei Angriff auf Bar (Tagesschau)

11. Apple Lob

So viel Fairness sollte sein. Bei all deren Verabscheuungswürdigkeiten, ist der kompromisslose Tracking-Schutz vorbildlich – wiegt den Rest aber nicht auf.

Online-Werber beklagen Apples verschärften Tracking-Schutz (Mac & i)

12. Gerichte mit weitsichtigen Fahrverboten

Gegen immer mehr Städte verhängen Richter ein Fahrverbot, weil deren Luft zu dreckig ist. Aber keine Angst, nicht sofort. Die Richter haben ihre Glaskugel befragt und legen den Handlungsbedarf großzügig in die Zukunft. So schlimm kann das mit der Verschmutzung schon nicht sein, schließlich leben die Menschen ja noch.

13. Wirtschaftsweisen Klone

Hinterließ bereits deren letzter Auftritt tiefes Stirnrunzeln, ist nach dem aktuellen offensichtlich, dass es nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Äußerlich ähneln sie ihren Namensgebern, doch ihre Gehirne wurden entweder ausgetauscht oder zumindest überschrieben. Solche Maßnahmen sind natürlich sinnvoll und jeden Aufwand wert, handelt es sich nicht um irgendein popeliges Sachverständigengremium. Hier wird die gesamtwirtschaftliche Lage begutachtet und die daraus resultierende Entwicklung prognostiziert. Die Gefahr liegt in der Nähe zur Regierung, die anhand des erstellten Gutachtens ihr Handeln ausrichtet. So wie es aussieht, hat die Wirtschaft deren Hirne komplett mit neoliberalem Gedankengut manipuliert, um ihre Macht auszubauen. Unternehmen sind nur am eigenen Profit interessiert, nicht, ob es den Menschen gut geht oder sie sich immer mehr an die Gurgel gehen. Aber wer natürlich von seinem wohlbehüteten Schlossfenster auf den Pöbel runter schaut, nimmt nur wahr, was ihm zugetragen wird.

14. Das Letzte

Wie das Kind heißen soll? Herr Richter, bitte übernehmen sie … Das die Eltern nicht mehr zusammenleben, scheint seine Gründe zu haben …

OLG Nürnberg entscheidet im Namensstreit (LTO)

Wochenzitat

Wenn man früher unfähig war, wurde man Fotograf; heute wird man Abgeordneter.
(Guy de Maupassant)

Vorhang

Unvollkommen, wie alles … wünsche ich trotzdem eine angenehme nächste Woche.