Extrakt 50-2018

1. Digitale Visionen

Da muss man aufpassen nicht am eigenen Lachen zu ersticken. Politik malt groteske Wahnvorstellungen an den sich verdunkelnden Himmel, während gleichzeitig der Staatsbetrieb Deutsche Messe AG die CeBIT dicht macht. Ganz großes Kino.

Internet-Verband eco: EU braucht neue und visionäre digitale Agenda (Heise)

2. Basis für Bildung verblasst

Lesen bildet? Alexa, lies mir mal die Lieferdienste der Umgebung vor.
Buchverkäufe sind rückläufig und das investierte Geld wird weniger. Buchhandlungen* schließen, der Markt verdichtet sich zu den großen Ketten, nur Amazon profitiert von der abnehmenden Bildung. Ausländische Fachkräfte lehnt eine wachsende Bevölkerungsschicht ab, wollen aber hochwertige Qualität in allem, nur nichts dafür bezahlen. Die unauflösbaren Konflikte/Widersprüche nehmen zu. Bildung könnte ja helfen …

* Alleine 20 Meldungen im boersenblatt über Schließungen in diesem Jahr

3. Schwer uneinsichtig

Sich bis zum europäischen Gerichtshof für Menschenrechte durch zu klagen, weil man nicht auf den erschlichenen Titel verzichten will, zeugt von einem kruden Verständnis für Respekt und Anstand. Hier haben verdorbene Moralvorstellungen die geistige Haltung vergiftet. Sich selbst auf den Leistungen anderer erhöhen, ist widerwärtig – auch wenn es billig und beliebt ist. Damit aber die Justiz überflüssigerweise zu behelligen, wird hoffentlich mit einem finanziell schmerzlichen Denkzettel honoriert.

Kein „Dr.“ für Frau Mathio­poulos (LTO)

4. Verurteilter Mörder auf freiem Fuß

… weil die Justiz zu lange braucht. Und dies Beispiel ist ja bei weitem kein Einzelfall oder Ausnahme. Aber schön, dass das Militärbudget ordentlich erhöht wurde. So was nennt man wohl die richtigen Prioritäten setzen. Unsäglich.

Haft­be­fehl gegen wegen Mordes Ver­ur­teilten auf­ge­hoben (LTO)

5. Ungleichbehandlung

Italien ist wirklich ungezogen. Widersetzt sich einfach den angemeldeten Vorgaben der Vorgängerregierung und riskiert mit den EU-Regeln aneinander zu geraten. Die Möchtegern Herrscher in Brüssel sind brüskiert und drohen Italiens Po ihren Rohrstock spüren zu lassen. Blöd ist nur, dass es andere Mitglieder noch viel schlimmer treiben und ungestraft ihrer Völlerei frönen dürfen. Ganz schön diskriminierend. Wie schon bei Griechenland. Irgendwie scheinen die feinen Popel unser phantasierten EU-Regierung mit den Lebensweisen in südlichen Gefilden ihre Schwierigkeiten zu haben – außer Spanien natürlich, deren diktatorischen Ansätze sind gefällig.

Italien und Frankreich: Haushaltsdefizite im Vergleich (Telepolis)

6. Beschränkter Verkehrsminister ausgebremst

Im Bundesrat finden sich noch Reste von Vernunft. Ob wirklich der Zusammenhang zwischen den exorbitanten Investitionen, einhergehend mit geradezu fahrlässig falscher Begründung und die Schaffung einer Infrastruktur, die sich auch für andere Einsätze missbrauchen verwenden lässt, erkannt wurde, sei mal dahingestellt. Hauptsache den Überwachungsfantasien wurde erst mal ein Riegel vorgeschoben. Dass es damit noch nicht über-/ausgestanden ist, entsetzt aber schon noch.

Bundesrat lehnt Massenüberwachung von Autofahrern ab (Netzpolitik)

7. Der Witz von Kattowitz

Dieses Wortspiel funktioniert zwar nur in unserer Sprache, hilft aber trotzdem nicht über das gezeigte Trauerspiel hinweg. Mit tausenden Flugmeilen wurde das Klima zusätzlich verseucht, um am Ende viel heiße Luft um Nichts zu produzieren. Problem ist, dass sich die Verantwortlichen viel zu wichtig nehmen und dabei das Ausmaß ihrer Untätigkeit nicht realisieren. Erschwerend kommt nicht das Brett vorm Kopf hinzu, weil das mit dem Holz langsam kritisch wird, sondern das tief eingeführte Zäpfchen der Wirtschaft, das sich bei Nonkonformität unangenehm bemerkbar macht. Schade, dass sich die energischen Politiker (z.B. Trump, Bolsonaro) auf der falschen Seite der Medaille engagieren.

Klimaforscher: „Wir fahren diesen Planeten gerade an die Wand“ (Heise)

8. Juristische Schwergewichtsklasse

Wenn Anwälte direkt aufeinander losgehen, sind meist interessante Auseinandersetzung die Folge. Jetzt wurde die gesamte Vorstandswahl der Rechtsanwaltskammer (RAK) vom Gericht einkassiert und für ungültig erklärt. Der Prozess selbst scheint aber auch kurios gewesen zu sein. Schönes Theater spielen Anwälte nicht nur im Fernsehen. Nur in der Königsklasse, gegen BRAK und beA, treffen sich keine gleichwertigen Gegner. Noch nicht, ändert sich aber hoffentlich bald.

Wahl­kampf­rede statt Rechen­schafts­be­richt vom Prä­si­denten (LTO)

9. Politiker im Fadenkreuz

In den letzten Jahrzehnten bestand Politik darin, der Wirtschaft zu Kreuze zu kriechen und sich zu Erfüllungsgehilfen zu machen. Wie alles, setzt sich auch Wirtschaft aus zwei Seiten zusammen: die sichtbare und die im Untergrund agierende. Nun sind zwar beide Seiten mehr oder weniger kriminell, die bösen Jungs scheuen aber keine brachialen Mitteln, um ihre Ziele zu erreichen. Wer in seiner wohlgefälligen Facebook-Blase annimmt, unsere Entwicklung schließt Zivilisiertheit mit ein, fällt auf einen großen Schwindel rein. Überall nimmt die Verrohung zu und Hemmschwellen sinken. Was dem Profit im Wege steht, wird eliminiert. Widerspenstige Politiker stehen da in der ersten Reihe. Solche rauen Sitten sind hier nicht vorstellbar? Naivling.

Polizei in Brasilien vereitelt Mordanschlag an Politiker der Sozialistischen Partei (amerika 21)

10. Dumm gelaufen, liebe Ungarn

In eurer angestachelten Ausländerfeindlichkeit ward ihr bei der letzten Wahl nur für das Thema zugänglich und nicht bedacht, dass Politik euer gesamtes Leben beeinflusst. Nun ist die Kacke am dampfen, weil sich eure Stimme gegen euch stellt. Allerdings ist die geringe Beteiligung an den Protesten nicht besonders hilfreich, lachen sich die Politiker hinter den Gardinen wahrscheinlich scheckig. Dem Großteil der Bevölkerung ist es entweder egal oder sie haben schon vorher aufgegeben, weil ihnen die Kraft für den aussichtslosen Widerstand fehlt – oder beides.

Proteste in Ungarn: „Orbán, verschwinde!“ (Telepolis)

11. Das Letzte

Es ist äußerst praktisch, wenn Personen, die schreckliche Anschläge ausführen, am Ende selbst nicht überleben. Das Geschehene lässt sich bei aller Grausamkeit gezielt instrumentalisieren und manipulativ ausnutzen. Dabei rückt komplett aus dem Fokus, dass nur eins niemals ans Tageslicht kommt: die Wahrheit. Was möglicherweise nicht nur bezweckt, sondern in jedweder Hinsicht dienlich ist.

Über all der Trauer und den Gräueltaten stumpft unsere Kritikfähigkeit und Skepsis zunehmend ab. Wem das wohl nützt? Ich meine ja nur …

Wochenzitat

Früher hatten die Menschen Angst vor der Zukunft. Heute muss die Zukunft Angst vor den Menschen haben.
(Werner Mitsch, dt. Aphoristiker)

Vorhang

Unvollkommen, wie alles … wünsche ich trotzdem eine angenehme nächste Woche.