Extrakt 51-2018

1. Uneinsichtiger Abzocker

Der Standpunkt, man habe nicht richtig vermitteln können, warum Eventim eine Gebühr erhebt, wenn der Kunde eigenes Papier und teure Tinte verbraucht, ihn demnach faktisch doppelt belastet, anstatt ihm einen Rabatt zu gewähren, stellt einen absurden Realitätsverlust dar. Wer auf diesem Weg seine unersättliche Gier beweist, dann aber behauptet, auf die damit verdiente Million Euro könne man sowieso verzichten, sollte sich als Märchenerzähler im Altersheim bewerben. Bei Eventim haben sie nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Ich gehe gerne auf Konzerte, verzichte aber, wenn es die Karten nur bei Eventim gibt. Weil sie Quasi Monopolist sind, entgeht mir zwar so manches Highlight und betrifft auch die Ausrichter, aber ich unterstütze weder unredliche Geschäftemacherei, noch eine kranke Einstellung gegenüber seinen Kunden. Zu Schade, dass immer nur ich so konsequent bin.

Eventim schafft Online-Ticketgebühr nun doch ab (Golem)

2. Ausgezeichnet gefälscht

Wie soll eine Qualitätssicherung funktionieren, wenn man vor lauter Selbstüberschätzung kaum noch Luft bekommt und das Anspruchsdenken so aufgebläht ist, dass es jede Sicht versperrt? Den Teufel des oberflächlichen Ruhms hat die Medienbranche selbst gezüchtet. Daher trifft es mit dem Spiegel genau das richtige Blatt, das seine Schmiere lediglich einfärbt und parfümiert, um sich selbst zu täuschen und es erträglicher zu machen.

Besonders lesenswert sind die Ausführungen von Mathias Bröckers, der die aufgesetzte Affektiertheit und profane Effekthascherei genüsslich zerlegt.

Die Aufgabe der Journalisten ist es, die Wahrheit zu zerstören, gerade heraus zu lügen, zu verdrehen, zu verunglimpfen, vor den Füßen des Mammons zu kuschen und sein Land und seine Rasse um sein tägliches Brot zu verkaufen. Sie wissen es und ich weiß es.
(John Swinton)

Ausgezeichnet gefälscht (randnote)

Der geplatzte Traum von der perfekten Reportage (Telepolis)

3. Der dickköpfige Maulwurf

Falsch ist für BILD gerade gut genug. Man darf schließlich nicht vom Usus abweichen und die Leser plötzlich mit richtigen Informationen überfordern. Die bezahlen immerhin dafür mit ordentlich Quatsch und Blödsinn versorgt zu werden.

Bild.de macht ein O für ein U vor (BILDblog)

4. Facebooks Like-Button verschwindet – endlich

Hat lange genug gedauert, während Facebook sich mit reichlich Daten eingedeckt hat. Die Abmahnanwälte stehen sicher schon in den Startlöchern … und diesmal bin ich auf deren Seite.

Gefähr­liche Likes (LTO)

EuGH-Generalanwalt: Mithaftung für den Datenschutz bei Like-Buttons (Heise)

5. Faules Spielgeld

Bitcoin, geboren aus Langeweile. Einzig um einige wenige zu bereichern. Gutgläubigkeit und Fantasie Unbedarfter ausnutzend, der unersättlichen Gier einer korrupten Branche auf den Leim zu gehen. Eine Luftblase innerhalb einer Luftblase. 3000 Kryptowährungen spiegeln eine völlig entfremdete Welt wieder. Der Realitätsverlust zeigt sich auch im Ausblenden der Klimaschädlichkeit. Umso schneller dieser Wahnsinn ein Ende findet, umso besser. Aber solche neu geschaffenen Baustellen lenken vortrefflich von den faulen Stellen ab. Gold- und Blechmünzen in einen Topf werfen und festlegen, dass alles nun gleichwertig ist, kann nur kranken Hirnen entspringen. Von Geburt mit Multiresistenten Keimen verseucht, verbreitet der Euro die gesellschaftliche Zersetzung. Unfähig der Erkenntnis und zu klein zum Eingeständnis, verschlimmert Politik ihre verursachte Seuche immer weiter. Wer aus Bockigkeit das sinkende Schiff nicht verlässt, ertränkt damit auch wenigstens seine Dämlichkeit. Ganze Heerscharen von Menschen mit in den Abgrund zu reißen, ist hingegen verantwortungslos und niederträchtig.

Kann der Bitcoin bald wertlos werden? (Telepolis)

Der Euro zerstört Europa und unseren Wohlstand (Telepolis)

6. Gute Nachricht

Sehr erfreulich, dass die Anzahl derer zulegt, die in Anbetracht von Amazons Geschäftspraktiken, ihre kritischen Denkprozesse entrosten. Mit den gewonnenen Erkenntnissen dürfen sie gerne vehementer hausieren gehen. Stöbern in der Buchhandlung, neugierig nach der nächsten Welt suchen, in die man abtauchen will, ist fast so schön, wie das Lesen selbst. Leider verliert das gerade an Zuspruch, weshalb die Werbetrommeln noch mehr Wumms brauchen. Also: Mehr Bücher lesen, am Besten aus der Buchhandlung vor Ort – das macht Spaß, wirklich!

Immer weniger Deutsche kaufen Bücher bei Amazon (boersenblatt)

7. Schlaraffenland mit Zwangsgebühren

„Ein weiteres Einfrieren des Rundfunkbeitrags nach 2020 würde die Leistungen des WDR wie auch der ARD ernsthaft gefährden.“, sagt der Vorsitzende des Rundfunkrats. Darauf kann es nur eine vernünftige Reaktion geben: Geht’s noch! Was für Leistungen?! Für den zum größten Teil schwachsinnigen Bullshit werden die Gelder regelrecht verprasst. Aus ökonomischer Sicht würde der Betrieb nicht existieren, weil kaum einer für diese nutzlosen „Leistungen“ zahlen würde. 500 Mitarbeiter weniger, innerhalb von 5 Jahren? Deutliches Zeichen, dass der ÖRR eine alimentierte Beschäftigungseinrichtung ist, die sich nur aus einem Grund aufbläht: um permanent über viel zu niedrige Gebühren zu jammern. Der zunehmende Realitätsverlust allerorten befällt natürlich auch den subventionierten Staatsfunk. Den ÖRR sollte man endlich auf die Hälfte zusammenstreichen, dann könnte er seinen originären Auftrag immer noch erledigen.

WDR will höheren Rundfunkbeitrag (Heise)

8. Das Letzte

Was für ein Aufwand! Drei Metal-Songs aus Donald Trumps Worten zusammensetzen (je ca. 1 Min.). Spaßig 😉

‘Raining Blood’: Donald Trump singt Slayer (Metal Hammer)

Wochenzitat

Wir sollten viel öfter von ganzem Herzen etwas tun, das kein Ziel verfolgt, keine Eile hat und sich nicht lohnen muss.
(Jochen Mariss)

Vorhang

Unvollkommen, wie alles … wünsche ich eine besinnliche, friedliche und harmonische Weihnachtszeit.