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Umkehr Symbiose

Symbiose ist eine nützliche Vereinigung zweier Lebensformen, die von der Verschmelzung ihrer Fähigkeiten profitieren. Die zugrunde liegende Nutznießung wandelt sich zu einem positiven Effekt. Die Primaten, zu denen der Mensch zählt, auch wenn ihm diese biologische Einordnung nicht genehm ist, beanspruchen eine Sonderrolle. Sie benötigen für ihre Existenz zwei funktionierende und reibungslose Verbindungen: Zu den natürlichen Ressourcen und untereinander. Während sich tierische Primaten nahtlos in den Naturkreislauf einfügen, sondert sich der Mensch ab. Immer extremer treibt er die Ausbeutung seiner Grundlagen voran. Dabei beschränkt er sich nicht auf Natur und Umwelt, sondern wendet sich auch vermehrt gegen Artgenossen. Rücksichtslos liegt sein Augenmerk auf persönliche Bereicherung. Für seine Entnahme etwas zurück geben oder eine Gegenleistung erbringen, widerstrebt ihm zusehends. Sein Handeln beschränkt sich auf Nutznießung, zieht also alle Vorteile aus den Leistungen anderer. Geflissentlich werden bestehende Abhängigkeiten und Folgen ignoriert. Allem Anschein nach erfüllt der Mensch die Eigenschaften eines Parasiten, der seinen Wirt schädigt, manchmal zu dessen Tod führt. Allerdings sind diese biologischen Vorgänge trotz ihrer Grausamkeit Bestandteil des natürlichen Zyklus′ und tragen zum Erhalt des Gleichgewichts bei. Wirte sind keinesfalls wehrlose Opfer, sondern verfügen über Abwehrmechanismen. Zudem sind Parasiten auf wenige Wirte hochspezialisiert und dadurch eingeschränkt. Das spricht gegen den Mensch als Parasit. Weder ist er spezialisiert, noch trägt er zu einem funktionierenden Kreislauf bei. Er ist im Gegenteil sogar überzeugt, diesen ohne negative Folgen nach seinem Belieben manipulieren zu können. Zügellos presst die Menschheit aus ihrem Wirt, der Erde, alles Nutzbare heraus. Obwohl sie als einzige Spezies den Intellekt besitzt zu erkennen, dass mit ihrem Tod unweigerlich der eigene folgt. Zusätzlich sorgen Habsucht und Neid untereinander für Schwächung. Insofern kehrt sich die Symbiose zu einem Abstoßeffekt um – die Erde wehrt sich und der Mensch reagiert verstört und verständnislos. Dabei ignoriert er einen folgenschweren Gedankenfehler: Die Erde braucht den Mensch nicht. Stattdessen hält er an seinem Irrglauben fest, diesen Machtkampf gewinnen zu können.
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23.03.2018 | Leben

Unverantwortliches Lethargie Fernsehen

Das überwiegend niveaulose Programm der privaten Fernsehsender muss man wohl akzeptieren, obgleich es ein beschämendes Bild unserer Gesellschaft zeichnet. Längst brauchen wir keine Mammuts und Säbelzahntiger mehr jagen, um unsere Familien zu ernähren, trotzdem scheint das Leben so mühsam und anstrengend zu sein, dass voyeuristisch denkfreie Unterhaltung erforderlich ist. Wobei sich die Inhalte lediglich unseren Anforderungen angepasst haben. Nur billiges animiert unser Interesse. Die üblichen Marktkräfte, Angebot und Nachfrage, führten zum heutigen Stand. Wegen der scheinbar allgemeinen Zufriedenheit, wird nur marginal am Bestand gefeilt – “Don't change a running system”. Wer sich dem unerträglichen Verdummungsprozess entziehen will, um seine Gehirnzellen nicht verkümmern zu lassen, hat es nicht leicht. Die Sender Vielfalt täuscht darüber hinweg, dass hochwertiges oder anspruchsvolles Material gut versteckt wird. Natürlich ist jeder Anspruch subjektiv. Die grassierende Verflachung rein auf unterschiedliche Geschmäcker zu schieben, ist aber zu einfach. Damit stiehlt man sich aus jeder Verantwortung und versteckt sich hinter einer angenommenen Mündigkeit der Zuschauer. Artet Wissen, Bildung und Information zur Rosinenpickerei aus, fördert dies die Abgrenzung der Menschen. Anspruchsloses Fernsehen gewöhnt seinem Publikum eine differenzierte Meinungsbildung ab. Simple oder populistische Ansprache trifft dadurch leichter auf Gehör und Zuspruch. Kaum verwunderlich, ist der Weg des geringsten Widerstands ein natürlicher Mechanismus. Unbegreiflich ist das Desinteresse und die Teilnahmslosigkeit der Fernsehmacher. Von den privaten Sender ist keine andere Haltung zu erwarten, zählt hier einzig die Quote, um Werbeeinnahmen zu generieren. Gerade deswegen sollte der mit Zwangsgeldern subventionierte öffentliche Rundfunk (ÖRR) verpflichtet sein, dem auf seinen Hauptkanälen ARD und ZDF entgegenzuwirken. Dort äfft man aber übermäßig dem inhaltslosen Trend nach. Wertvolles wird zu Schlafenszeiten gesendet oder auf Spartenkanälen versteckt, die als Alibi für unsachgemäße Gebührenforderungen dienen. Ein deutsches Pendant zur schweizerischen #NoBillag Initiative wäre sicher ein probates Mittel, den in seine Verschwendungssucht verliebten ÖRR zu wirkungsvollen Reformen zu zwingen. Weil hier leider alles am Nabel weltfremder Politik hängt, bleibt das ein hoffnungsloser Wunsch. So leistet das Fernsehen seinen Beitrag zum geistigen Delirium. Klasse Leistung.
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19.03.2018 | Medien

Personalisierte Sucht

Hofiert und beachtet werden; sich wichtig und wertvoll fühlen; Inhalt und Bedeutung fürs Leben finden; diese Bedürfnisse treiben jeden um. In vergangenen Zeiten blieb für deren Suche und Erfüllung keine Zeit, weil andere Tagesabläufe die Menschen dominierten. Vor allem knechtete die Arbeit jeden Müßiggang aus den Köpfen. Immer geht es ums Überleben – damals wie heute. Dieser Kampf will belohnt werden, dann sorgen Hormone im Gehirn für Glücksgefühle. Demnach besteht ein natürlicher Bedarf, dem sich niemand entziehen kann und der nach Befriedigung giert. Gerne erfüllt die Konsum-Wirtschaft dieses Streben. Werbung wurde intensiviert und dient einzig dazu einen Bedarf zu wecken, wo keiner ist. Dann kam das Internet. Ein nie versagendes Füllhorn an Möglichkeiten – für beide Seiten. Selbstdarstellern bot sich eine günstige Bühne, auf der einige bald heraus stachen und zu Vertretern 2.0 umfunktioniert wurden. Als "Star von nebenan" genießen sie einen unergründbaren Vertrauensbonus, den sie schamlos in bare Münze umwandeln. An ihren neuen Titel "Influencer" (Beeinflusser) reibt sich merkwürdigerweise niemand. Ganz allgemein befriedigen die sozialen Medien auf einfache Weise Sehnsüchte: Aufmerksamkeit – Anerkennung – Bedeutung. Im Umkehrschluss alles, was zu fehlen scheint. Durch die hinterlassenen Datenspuren, die fleißig von der Wirtschaft eingesammelt werden, findet eine direktere Ansprache statt. Gebauchpinselt ist der nächste Einkauf zur Belohnung nur einen Klick entfernt. Der Handel jubiliert, während sich bei den Konsumenten das Suchtverlangen meldet. Kaufsucht (DE: 5 %) hat Bulimie (DE: 2 %) und Essstörung (Anorexie, DE: 1 %) abgehängt. In Österreich sind sogar 11 % betroffen. Unbeholfen und gedankenlos bewegen sich die Nutzer im Netz. Hinterfragen nichts und niemand. Unkritisch und naiv wird geglaubt und vertraut. Ungebremst rutschen sie in die personalisierte Sucht. Spielt der Kaufrausch noch eine untergeordnete Rolle, überragt die Sucht nach Bestätigung alles. Vor allem Facebook und YouTube nähren dieses Verlangen. Wie ein Dealer sacken sie ohne Gewissensbisse riesige Gewinne ein. Als einzige Gefahr droht ihnen, dass ihr abhängiges Klientel die wahre Bedeutung von "Leben" entdeckt … was kaum wahrscheinlich ist.
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11.03.2018 | Leben

Endstation Politfilz

"Vitamin B" hat als Synonym für "Beziehungen" seinen Platz in unserem Sprachschatz gefunden. Ins Abseits geraten ist die Redewendung, "wer nichts wird, wird Politiker". Die damit ausgedrückten Kombination aus Profilierungssucht, Machtstreben und Unfähigkeit hat sich als unvermeidbar erwiesen. Zudem wurde die Kombi dank YouTube zur Massenhysterie, weshalb die Unzulänglichkeiten heutiger Politiker kaum noch Beachtung finden. In diesem Zuge ist die Vorteilsnahme "aus" dem Amt vom Radar der Leute verschwunden. Schon immer existent, gewinnt sie in Zeiten wirtschaftlicher Dominanz an Brisanz. Politiker degradieren sich zu Befehlsempfängern der Geldmacht, weshalb ein "Seitenwechsel" heikel ist. Häufig resultiert deren politische Laufbahn aus fraglicher Qualifikation für eine Wirtschaftskarriere, reicht jedoch für einen zügigen Aufstieg im Politzirkus, was wegen der meist kurzen Verweildauer erstrebenswert ist. Am Ende locken lukrative Posten in der Wirtschaft, die auf herkömmlichen Weg unerreichbar wären. Notfalls schaffen Unternehmen sogar erst Positionen für scheidende Politiker. An den fetten Trögen ist nicht für jeden unnützen Politiker Platz. Damit diese nicht darben müssen, was angesichts weiter gezahlten Gehälter/Pensionen nicht der Fall ist, oder sich nutzlos langweilen, werden sie innerhalb des System verteilt. Jegliche Eignung spielt wie im Politikgeschäft keine Rolle. Als Reste-Rampe stehen in unserem Verwaltungsverliebten Land viele Möglichkeiten bereit. Zum Beispiel im Öffentlich Rechtlichen Rundfunk (ÖRR), der nicht "Staatsfunk" gescholten werden will. Wer aber derart von Politikern durchzogen ist, stets konform und wohlgesonnen berichtet, verdient sich diese Bezeichnung. Zweifellos ist die europäische Politikbühne bei den Überflüssigen ungleich beliebter. Bedauerlicherweise dürfen sie hier dann am ganz großen Rad drehen – zu unser aller Verhängnis. War der Politfilz schon immer ein lästiges Übel, erreicht die Filzokratie gefährliche Ausmaße. Hinterzimmer Mauscheleien dienen der Übervorteilung bereits Bevorzugter und Ausbau des Vitamin B Speichers. Verstrickungen und Entscheidungsfindungen sind nicht mehr oder nur schwer nachvollziehbar. Mangels adäquater Mittel zur Gegenwehr, ertragen die Bürger das Geschehen. Aber die Herrschergilde hat sich schon oft in Sicherheit gewogen … bis der Faden bei den Untertanen riss.
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06.03.2018 | Politik

Demokratie Demontage

Das Konstrukt der Demokratie ist brüchig geworden und kommt den Abrissbirnen gefährlich nahe. Es bedarf keines gründlichen Blicks unter die Oberfläche mehr, um den Zerfall zu erkennen. Weltweit kämpfen sich autokratische Strukturen an die Spitze. Selbst moderate Länder, denen eine stabile Demokratie zugeschrieben wird, befällt die Zersetzung. Zwar bemüht man sich den Anschein zu wahren, was die Auflösungstendenzen nur dürftig kaschiert. Um den eigenen Machtstatus zu erhalten, folgt Politik selbst ruinösen Tendenzen. Augenscheinlich wird dabei das Volk entmachtet, welches ob des Verlustes keineswegs zürnt, sogar befeuert, denn es reicht die Köder selbst an. Länderübergreifend gleichen sich die Lockmittel, weil sie niedere Instinkte ansprechen: Gefährdung von Freiheit, Sicherheit und Wahrung nationaler Identität. Der Gedanke an einer zügellosen Vermengung von Menschen und Kulturen übersteigt dann doch die Vorstellungskraft Vieler. Grenzen im Kopf hatten ausreichend Zeit sich zu manifestieren. Global wird in dem Maße akzeptiert, wie es dem eigenen Nutzen gereicht. Die unersättliche Gier im Geldkreislauf, sowie ausufernde Gewalt, geprägt von den Unterdrückungsfantasien des Islams, schüren Verlust- und Existenzängste. In der Abschottung wird das Heil gesucht, um jegliches Unbill abzuwehren. Hierfür ist Demokratie ungeeignet, weil sie zu weich und ein in sich fragiles System ist. Ersetzt wird sie von der Ochlokratie*, bei der Eigennutz und Habsucht im Vordergrund stehen, nicht das Gemeinwohl einer Demokratie. Von der Wirtschaft ungestört und erfolgreich vorgelebt, will auch der Einzelne maximal profitieren und verteidigt sein vermeintliches Recht auf Erlangtes, wozu auch abstraktes wie "Heimat", "Nationalität" oder "Meinungshoheit" zählt. Gewiefte Lenker bündeln diese Ichbezogenheit, um noch intensiver an den Pfeilern der Demokratie zu sägen. Mit welchem Nutzen? Keinen. Allerorten dreht es sich ums Profilieren, Dominieren und dem unvermeidlichen Machtbesitz. Die Folgen sind egal. Jeder wünscht sich einen Blick in die Zukunft, kümmert sich im Jetzt aber einen feuchten Dreck um deren Gestaltung und demontiert sich selbst … gedankenlose Menschen eben.
⇒ * Wikipedia // ⇒ Deutschlandfunk Kultur

01.03.2018 | Politik

beA … tmung

Es gibt viele Arten der Bespaßung, wobei nicht jede ein Vergnügen ist – Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Manche Vorstellung wirft hingegen die Frage auf, ob sie überhaupt zur Unterhaltung gedacht war. Gerade wenn die öffentliche Hand oder andere offizielle Einrichtungen beteiligt sind, wird in der Regel großes Kino geboten. Meist geraten deren Projekte zum Drama und dienen dem Publikum zur tragikomische Belustigung. Steht hingegen die knochentrockene Zunft der Rechtsanwälte im Mittelpunkt, könnte das Lachen schnell gefrieren. Vertrauen ist ein zerbrechliches Gut, zudem es heutzutage reichlich strapaziert wird. Von Rechtsangelegenheiten darf aber zurecht ein verschwiegener Umgang erwartet werden. Was die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) sich jetzt leistet, gewinnt spielend jedes Armutszeugnis. Für die Entwicklung des besonderen Anwaltspostfachs (beA) wurden von den Anwälten extra Gebühren eingetrieben. Bis heute ca. 38 Millionen Euro, die sich der französische IT-Dienstleister Atos bereits zum großen Teil einsteckte. Von dort wurden statt Ergebnisse Vertröstungen geliefert. Allerdings stand hierzulande der 1.1.2018 als endgültig letzter Starttermin fest. Auf die Schnelle wurde dann was zusammengeschustert, was einen funktionierenden Eindruck zu machen schien. Nur hat sich Pfusch noch nie ausgezahlt und unentdeckt bleibt er schon gar nicht. So kam es, wie es kommen musste. Zwei Wochen vor dem offiziellen Start fiel der BRAK ihre Inkompetenz schmerzhaft auf die Füße. Was dann folgte könnte als Mustervorlage zur Demonstration einer bekannten Redewendung dienen: Schlimmer geht immer. Krisenmanagement zeigte sich als Fremdwort, vielmehr entlarvte die BRAK eine groteske Unbeholfenheit. Obwohl direkt dem Justizministerium unterstellt, hielt man sich dort dezent zurück und überließ den Verantwortlichen die Fettnäpfchen, die mit Hingabe genutzt wurden. Ende-zu-Ende Verschlüsselung, die unterwegs geöffnet wird; unsichere Handhabung der Zertifikate; veraltete und löchrige Software als Unterbau; verstaubte Benutzeroberfläche; am Bedarf vorbei entwickelt – sofern nicht bekannt, helfen die verlinkten Artikel nach. Wirklich bedenklich ist die nicht vorhandene Einsicht des BRAK Präsidenten über das eigene Versagen und hochnäsige festhalten an seinem Posten. Längst um Kopf und Kragen fabuliert, mangelt es an Größe aus den Fehlern Konsequenzen zu ziehen. Statt endlich Offenheit bei diesem sensiblen Thema walten zu lassen, wird weiter im Geheimen gemauschelt. Großes Kino eben.
⇒ LTO // ⇒ Heise // ⇒ LTO // ⇒ Golem // ⇒ LTO // ⇒ Golem // ⇒ LTO // ⇒ JUVE // ⇒ LTO // ⇒ LTO // ⇒ Golem // ⇒ LTO // ⇒ Heise // ⇒ Heise // ⇒ Heise // ⇒ beck – NJW // ⇒ Project Consult // ⇒ Golem // ⇒ LTO

21.02.2018 | Recht

Intellektuelle Elite

"Die Spaltung der Gesellschaft" ist im sprachlichen Alltagsgebrauch angekommen. Für gewöhnlich postuliert es die Kluft zwischen arm und reich. Überspitzt ließe es sich auch als Selektion von klug und dumm auslegen. Tatsächlich haben sich unterschiedliche Sphären gebildet, die sich vermehrt stärker gegeneinander abgrenzen. Die "da Oben" rekrutieren sich eben nicht nur aus Wirtschaftslenkern und Politikern, sondern auch die vermeintlich intellektuelle Elite erhebt ihren Anspruch der Zugehörigkeit. Selbstgefällig werden die "Einfältigen" wie ein dreckiger Stofffetzen mit spitzen Fingern von sich gehalten und aus sicherer Entfernung die Nase gerümpft. Kommuniziert wird innerhalb der akzeptierten Kreise, um die geistige Inzucht zu pflegen. Von erhabener Position wird dann aus allen Rohren um sich geschossen. Zwar ist deren Munition eher stumpf, denn sie soll bemerkt werden, nicht ernsthaft verletzen. Wie überall wird auch hier um Aufmerksamkeit geheischt, die die eigene Wichtigkeit bestätigen soll. Kommt allerdings als Retourkutsche eine schmutzige Bombe zurück, ist die Entrüstung und Hilflosigkeit groß. Erhält der Schutzturm Risse, verstärkt es deren Aversionen. Die Waffen der weniger Wortbegabten sind erheblich plumper, richten aber gewaltigen Schaden an. Folglich wird auf beiden Seiten die eigene Filterblase weiter abgeschirmt. Mit dieser Wortschöpfung sollte die Beschränktheit der "niederen" Masse beschrieben werden und natürlich nicht für die geistigen Überflieger gelten. Schließlich ist man intellektuell, was suggerieren soll, dass der Denkapparat potenter ist. Weshalb sich ungeniert der Stempel der Offenheit aufgedrückt wird, ohne dessen Verdienst nachzuweisen, bleibt ungeklärt. Unter Wahrung eines ausreichenden Abstands begleitet die elitäre Sekte mit Entsetzen die Verrohung der Gesellschaft. Bewirken deren kluge Ergüsse wenigstens etwas? Offensichtlich nicht, was vielleicht gar nicht beabsichtigt ist. Den eigenen Dunstkreis beeindrucken, aber nichts am gegenwärtigem Zustand ändern, ist vorrangiges Ziel. Wozu also heiße Luft verbreiten, wenn der Gegenwind unerträglich ist? Irgendwie muss die Spaltung zur eigenen Befriedigung doch aufrecht erhalten werden.

16.02.2018 | Leben

3. Weltkrieg

Es ist absurd, grotesk, geradezu irrsinnig davon zu sprechen, nicht mal denken sollte man es. Selbst die Ausschluss-Floskel, es niemanden zu wünschen, verbietet sich. Doch ist es angesichts weltweiter Entwicklungen nicht fahrlässig und verantwortungslos, die Augen zu verschließen oder es leichtfertig als unrealistisch aus der Wahrnehmung zu wischen, um sich nicht damit zu beschäftigen? Reicht es darauf zu hoffen, dass rechtzeitig Vernunft einkehrt? Allerdings sind gerade bezüglich der Vernunft Zweifel angebracht. Vernunft ist mit dem steigenden Druck unvereinbar. Macht- und Hierarchie-Ordnungen entgleiten ihrer gewohnten Struktur und verteilen sich neu. Mit den Nebenwirkungen ist das alte Establishment überfordert. Veränderungen haben zu ihren Bedingungen abzulaufen oder sie werden grantig. Spannungen stricken ein sich zusammenziehendes Netz um diesen Planeten. Regierungen sind der Schlüssel zum Problem, wie auch zur Lösung. Das Problem, weil sie die Eskalationen herauf beschwören und unfähig sind ihre Engstirnigkeit abzulegen. Die Lösung, weil sie an den Hebeln sitzen, um die Flammen unter dem brodelnden Wassertopf zu löschen. Aber eben nicht die, die den Mist anrichten und sich auch noch Scheinheilig geben. Das ist der verhängnisvolle Irrtum. Sie müssten gegen sich selber agieren – was unvorstellbar ist – und erst mal die Einsicht dazu besitzen – was ausgeschlossen ist. Der schwerwiegendste Fehler und größte Bürde ist der Kontrollverlust über den Finanzkreislauf. Dessen Verselbständigung wird sogar weiter forciert, weil die geschaffene Abhängigkeit jetzt als Heilsbringer fungieren muss. Daran hat die Wirtschaft aber kein Interesse. Für sie zählt einzig der eigene Vorteil und der steht einer gerechten, ausgeglichenen Welt entgegen. Die gesamte Situation steuert auf das Ende einer Sackgasse zu. "Weiter so" und "Augen zu und durch" machen den Crash unausweichlich. Braucht es erst einen Weltkrieg als reinigendes Gewitter oder ist dieser letztlich der Aufprall an der Wand? Die weisen Worte "aus der Geschichte lernen" nützen nichts, wenn die Sprecher sie nicht umsetzen können. Politiker reiten die Menschheit in einen verheerenden Schlamassel. Alles nur Schwarzmalerei? Das wäre wirklich wünschenswert.
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09.02.2018 | Politik

Zukunftsmaschinen

Die Ungewissheit über die Zukunft macht den Menschen seit jeher zu schaffen. Im schlimmsten Fall erdrückt die Angst und Sorge um das, was kommen mag, die empfindlichen Seelen. Mit den wachsenden technischen Möglichkeiten wird daher viel Energie aufgewendet, um dieser bohrenden Unsicherheit Herr zu werden. Unermüdlich werden Maschinen darauf gedrillt uns einen Blick in das Unbekannte zu gewähren. Gefüttert mit allen greifbaren Daten, sollen deren Verknüpfungen wahrscheinliche Ereignisse voraussagen. Auf stumpfen Berechnungen und Zahlenkolonnen basierend, wird jedes Ergebnis als Segen betrachtet. Akzeptiert, weil es eigenen Vorstellungen entspricht, für die man selbst die Basis geschaffen hat. Inzwischen berechnen Algorithmen die nächsten Verbrechensorte und dirigieren Polizisten durch den Arbeitstag. Für Prognosen zur Rückfälligkeit von Straftätern wird ebenfalls mehr den Programmen vertraut, als wie bisher den Einschätzungen von Fachleuten. Computer Prozessoren wurden diese spekulativen Vorhersage Fähigkeiten gerade zum Verhängnis und machen sie zu teurem Schrott. Trotzdem wird vor allem ein Einsatzzweck voran getrieben: Kontrolle. Denn was kontrolliert gesteuert wird, erlaubt zuverlässigere Voraussagen. Hingegen sorgen negative Meldungen für Verstimmung oder werden gleich ganz als unwahr abgestempelt, was dann sogar präsidialen Zuspruch findet. Wozu also die Sehnsucht, schon heute das Morgen zu kennen, wenn wir die Wahrheit nach unserem Nutzen formen? Ist es nicht Naturgesetz, dass nur die Pflanze wächst, dessen Samen gesät wurde? Knabbern wir nicht vielmehr an der Unabwendbarkeit unseres Handelns? Überhaupt an der Begrenztheit unseres Seins? Nur unsere Selbstsucht ist überzeugt, jede Grenze sprengen zu können. Krampfhaft wird daran gearbeitet Irrationalität (Mensch) und Rationalität (Maschine) zu vereinen. Mögen diverse dystopische Filme noch Fiktion sein, entspringen deren Ideen derselben Quelle, aus der auch die Zukunftsbastler schöpfen – unserem Gehirn. Der Schöpfer der Atombombe war auch "nur" neugierig, ob seine Überlegungen richtig sind und funktionieren; mit den Folgen habe er nicht gerechnet und nie beabsichtigt. Beunruhigende Zukunftsaussichten.
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30.01.2018 | Leben

Geiz fliegt nicht

"Geiz ist geil" brachte auf den Punkt, was in menschlichen Untiefen unkontrollierbare Reize animiert und jede Rationalität unterjocht. Mag es für die technischen Geräte des "Erfinders" akzeptabel sein, wurde die verstohlene Sehnsucht der Konsumenten damit Salonfähig. Obwohl Apple vorführt, wie seine horrend überteuerte Hardware reißend Abnehmer findet. Jedoch lauert der wirkliche Horror der Knauserigkeit im Verborgenem. Interessieren in der "heilen" Welt nicht die Lebensbedingungen in China oder Bangladesch, gar jede Verantwortung abgetan, sorgt die mangelhafte Qualität manch billiger Produkte eher noch für Verärgerung. Da zumeist keine ernsthafte Gefahr davon ausgeht, verpufft die Wut schnell und der Unmut wird mit dem nächsten Schnäppchen befriedigt. Vielleicht mit einer Flugreise? Man fliegt günstiger nach Mallorca, als mit der Bahn von Berlin nach München zu reisen. Die Fluggesellschaften haben den Preiskampf bestimmt im Blick, denn Konkurrenz gehört zum Geschäft und kam schon immer dem Verbraucher zugute, richtig? Und ist Fliegen nicht das sicherste Verkehrsmittel? Hier erreicht der Geizkragen seine Grenze, sich näher mit dem Thema zu beschäftigen. Weiter als bis zur eigenen Geldbörse reicht seine Motivation nicht. Bliebe er so stur und unberührt, ginge es ihm an sein Leben? Wenn er wüsste, was sein Geiz für Auswirkungen hat? Bevor ein angehender Pilot sein vermeintlich nobles Gehalt verdient, hat ihm seine Ausbildung mindestens 150.000 Euro Schulden aufgebürdet. Voraussichtlich landet(!) er dann bei einem Billig-Flieger, wo der angebliche Traumberuf fortlaufend an Schrecken gewinnt. Übernachtungen auf Sofas im Flughafen, um mit den Hotelspesen das kärgliche Einkommen minimal aufzustocken. Essen muss die Besatzung beim Flug aus eigener Tasche bezahlen. Bereitschaftszeiten übers Ertragen hinaus. Einsätze, also Flugzeiten, die sich durch Tricksereien über alles Erlaubte hinweg setzen. In der Folge konnten die meisten Abstürze der letzten Jahre auf menschliches Versagen zurückgeführt werden – Überlastung, oder verständlicher ausgedrückt: Müdigkeit! Geiz fliegt nicht … sondern stürzt ab.
⇒ 3sat (bis 19.01.2019 verfügbar)

24.01.2018 | Leben

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