Allgemeines Glaubens Bekenntnis

Wir glauben ja gerne. Wissen wir nicht weiter oder sind überfordert, rufen wir nach dem Glauben und hoffen auf plausible Antworten. Vor allem glauben wir an seine Wahrhaftigkeit und Rechtschaffenheit. Darauf zählen auch diejenigen, die beides weniger im Sinn haben. Natürlich nicht offenkundig, sondern heimlich durch die Hintertür. Wortreich wird beteuert, alles ginge mit rechten Dingen zu und Angebote oder Dienste seien nur zu unserem Besten. Verführerisch ist der Gabentisch gedeckt, es fehlt lediglich ein kleiner Haken, nur einmal kurz in das leere Kästchen geklickt und schon erhalten wir den ersehnten Zugang. Schwuppdiwupp hat der Glauben das Zepter übernommen. Glauben, dass nichts Schief geht, Zusagen eingehalten und wir nicht über den Tisch gezogen werden. Es hat seinen Grund, dass “leichtgläubig” kein Lob, vielmehr Spott ist. Allerdings besitzen die so Gescholtenen etwas, was die Hochnäsigen nur schwach dosiert, wenn überhaupt, besitzen: Vertrauen. Nun sind zwar Glaube und Vertrauen sehr löbliche Züge, aber ebenso empfindlich und verletzbar. Die heute herrschenden Regeln des Profits sind dagegen knallhart und eiskalt. Sie nutzen Schwächen aus. Eine weitere Eigenschaft spielt ihnen in die Hände: Verlangen bzw. Gier. In unterschiedlichen Ausprägungen steckt es in jedem von uns und kann mehr oder weniger leicht aktiviert werden. Einmal entfacht, stören seitenlange Nutzungsbedingungen, Datenschutzerklärungen oder Allgemeine Geschäftsbedingungen extremst. Selbst wenn sie halbwegs verständlich wären, will sich niemand auf seinem Weg aufhalten lassen, sondern schnell ans Ziel kommen. Zudem besteht neben den trockenen Inhalten die Gefahr, einen unerwünschten Dämpfer zu erhalten, weil dem Verlangen Zweifel angeheftet werden. Wer will das schon. Lieber glauben wir, der Glaube wird schon wissen, was er uns da antut. Zur Not wird später lautstark mokiert, moniert und fassungslos die niederträchtige Behandlung herum posaunt. Die eigene Nase wird geflissentlich ignoriert und unbelehrbar lockt das nächste leere Feld. Treu halten wir zum Glauben. An irgendetwas muss man sich schließlich festhalten.

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