Bildung frei verkäuflich

Ist es gar Vorsatz, dass hierzulande so wenig in Bildung investiert wurde und wird? Dienten die Bestrebungen zur schwarzen Null im Bundesfinanzhaushalt nur als Ablenkung, um durch die Hintertür kapitalistischen Mächten Zugänge zu öffnen, die im Normalfall von der Bevölkerung abgelehnt worden wären?

Klar, umso eher man Zugriff auf das menschliche Gehirn erlangen kann, umso besser lässt es sich nach den eigenen Vorstellungen formen. Je frühzeitiger Manipulation und Indoktrination ansetzt, desto größer und weitreichender sind erzielbare Ergebnisse.

Die Wirtschaft ist an nützlichen Objekten interessiert, nicht am denkenden Mensch – schon gar nicht am nachdenkenden. Er soll und darf keinen Widerstand leisten, sondern bedingungslos alles schlucken, was ihm vorgesetzt wird. Zudem werden mehr Melkkühe benötigt, als Melker. Geeignetes Personal für den Eigenbedarf lässt sich so bereits während der Schulzeit heranzüchten. Inzwischen setzt sich die Politikerkaste aus mehrheitlich wirtschafts(neo)liberalen Studierten zusammen, weshalb der rote Teppich für die Unternehmen nicht überrascht. Natürlich ist auch Politik am dressierten Bürger interessiert. Entgegen aller Behauptungen, aber mit Widersprüchen kennt Politik sich ja Bestens aus.

Wahrscheinlich würden Google & Co. auch die maroden Schulen sanieren, gewährte man ihnen weitreichende Gestaltungsmöglichkeiten – nein, nicht primär bei den Gebäuden, sondern im Zugriff auf Unterricht und Schüler.

Und das alles, um noch eher an noch mehr Daten zu kommen, um noch filigranere Profile zu erstellen. So viel Geld lässt sich mit unserer Überwachung verdienen. Krank. Aber um das erkennen und erfassen zu können, braucht es Wissen und Kapazität zum Einordnen und Bewerten – oder auch schlicht: Denken.

„Schulen haben den Auftrag, Bildung zu vermitteln und nicht einfach Lernen zu begleiten.“, schreibt Carl Bossard bei Rubikon, womit prinzipiell alles gesagt ist. Oder wie Vera F. Birkenbihl in den durchaus sehenswerten 43:37 Min. resümiert, wird in Schulen stur gepaukt, also zur Zweckerfüllung flüchtig in die Köpfe gestopft. Sobald es nicht mehr gebraucht wird, löst es sich in Wohlgefallen auf. Mit “Lernen” habe das nichts zu tun.

Immer mehr Unterrichtsmaterial wird von der Wirtschaft gestiftet, die es natürlich nur Gut meint – mit sich selbst. Permanent wird ignoriert, dass das keine Wohltätigkeitsorganisationen sind. An Absurdität kaum noch zu überbieten, ist allerdings die angekündigte Investition von Facebook in ein universitäres Umfeld zum Thema Ethik bei künstlicher Intelligenz. Zum Wohle der Allgemeinheit? Quatsch, zum Wohle des eigenen Profits. Natürlich fühlt sich der Herr Professor gebauchpinselt, kann er für die nächsten Jahre den eng geschnallten Sparsamkeitsgürtel etwas lockern. Und natürlich behauptet er, dadurch nicht beeinflusst zu werden. Alles menschlich und deswegen alles Unsinn. Die Infiltration und Weichenstellung im Kopf ist längst passiert. Dagegen ist auch kein hoher IQ gefeit.

Zum Glück gibt es eine frisch eröffnete Bildungseinrichtung von Google in unserer Hauptstadt. Hier wird einem zukünftig beigebracht, wie das mit dem Manipulieren so geschickt klappt, dass die Manipulierten es für eigenes Denken halten. Denken? Naja, nicht wirklich, sondern nur vorgekautes, aber das soll gesünder für die Verdauung … äh, verbliebenen Gehirnprozesse sein.

Wozu sind Politiker noch mal da? Ich fürchte deren mangelhafte Aufgabenerfüllung führt zum kollektiven Vergessen, an dessen Ende ein Kollateralschaden wartet. Aber solange die nicht verlernen, wie sie sich jedes Jahr ihre Diäten erhöhen, können wir doch beruhigt sein, oder?

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