Intellektuelle Elite

„Die Spaltung der Gesellschaft“ ist im sprachlichen Alltagsgebrauch angekommen. Für gewöhnlich postuliert es die Kluft zwischen arm und reich. Überspitzt ließe es sich auch als Selektion von klug und dumm auslegen. Tatsächlich haben sich unterschiedliche Sphären gebildet, die sich vermehrt stärker gegeneinander abgrenzen. Die „da Oben“ rekrutieren sich eben nicht nur aus Wirtschaftslenkern und Politikern, sondern auch die vermeintlich intellektuelle Elite erhebt ihren Anspruch der Zugehörigkeit. Selbstgefällig werden die „Einfältigen“ wie ein dreckiger Stofffetzen mit spitzen Fingern von sich gehalten und aus sicherer Entfernung die Nase gerümpft. Kommuniziert wird innerhalb der akzeptierten Kreise, um die geistige Inzucht zu pflegen. Von erhabener Position wird dann aus allen Rohren um sich geschossen. Zwar ist deren Munition eher stumpf, denn sie soll bemerkt werden, nicht ernsthaft verletzen. Wie überall wird auch hier um Aufmerksamkeit geheischt, die die eigene Wichtigkeit bestätigen soll. Kommt allerdings als Retourkutsche eine schmutzige Bombe zurück, ist die Entrüstung und Hilflosigkeit groß. Erhält der Schutzturm Risse, verstärkt es deren Aversionen. Die Waffen der weniger Wortbegabten sind erheblich plumper, richten aber gewaltigen Schaden an. Folglich wird auf beiden Seiten die eigene Filterblase weiter abgeschirmt. Mit dieser Wortschöpfung sollte die Beschränktheit der „niederen“ Masse beschrieben werden und natürlich nicht für die geistigen Überflieger gelten. Schließlich ist man intellektuell, was suggerieren soll, dass der Denkapparat potenter ist. Weshalb sich ungeniert der Stempel der Offenheit aufgedrückt wird, ohne dessen Verdienst nachzuweisen, bleibt ungeklärt. Unter Wahrung eines ausreichenden Abstands begleitet die elitäre Sekte mit Entsetzen die Verrohung der Gesellschaft. Bewirken deren kluge Ergüsse wenigstens etwas? Offensichtlich nicht, was vielleicht gar nicht beabsichtigt ist. Den eigenen Dunstkreis beeindrucken, aber nichts am gegenwärtigem Zustand ändern, ist vorrangiges Ziel. Wozu also heiße Luft verbreiten, wenn der Gegenwind unerträglich ist? Irgendwie muss die Spaltung zur eigenen Befriedigung doch aufrecht erhalten werden.