#kurzhalt

bissiges Dazwischengequatsche

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Leben

Allgemeines Glaubens Bekenntnis


09.08.2018

Wir glauben ja gerne. Wissen wir nicht weiter oder sind überfordert, rufen wir nach dem Glauben und hoffen auf plausible Antworten. Vor allem glauben wir an seine Wahrhaftigkeit und Rechtschaffenheit. Darauf zählen auch diejenigen, die beides weniger im Sinn haben. Natürlich nicht offenkundig, sondern heimlich durch die Hintertür. Wortreich wird beteuert, alles ginge mit rechten Dingen zu und Angebote oder Dienste seien nur zu unserem Besten. Verführerisch ist der Gabentisch gedeckt, es fehlt lediglich ein kleiner Haken, nur einmal kurz in das leere Kästchen geklickt und schon erhalten wir den ersehnten Zugang. Schwuppdiwupp hat der Glauben das Zepter übernommen. Glauben, dass nichts Schief geht, Zusagen eingehalten und wir nicht über den Tisch gezogen werden. Es hat seinen Grund, dass “leichtgläubig” kein Lob, vielmehr Spott ist. Allerdings besitzen die so Gescholtenen etwas, was die Hochnäsigen nur schwach dosiert, wenn überhaupt, besitzen: Vertrauen. Nun sind zwar Glaube und Vertrauen sehr löbliche Züge, aber ebenso empfindlich und verletzbar. Die heute herrschenden Regeln des Profits sind dagegen knallhart und eiskalt. Sie nutzen Schwächen aus. Eine weitere Eigenschaft spielt ihnen in die Hände: Verlangen bzw. Gier. In unterschiedlichen Ausprägungen steckt es in jedem von uns und kann mehr oder weniger leicht aktiviert werden. Einmal entfacht, stören seitenlange Nutzungsbedingungen, Datenschutzerklärungen oder Allgemeine Geschäftsbedingungen extremst. Selbst wenn sie halbwegs verständlich wären, will sich niemand auf seinem Weg aufhalten lassen, sondern schnell ans Ziel kommen. Zudem besteht neben den trockenen Inhalten die Gefahr, einen unerwünschten Dämpfer zu erhalten, weil dem Verlangen Zweifel angeheftet werden. Wer will das schon. Lieber glauben wir, der Glaube wird schon wissen, was er uns da antut. Zur Not wird später lautstark mokiert, moniert und fassungslos die niederträchtige Behandlung herum posaunt. Die eigene Nase wird geflissentlich ignoriert und unbelehrbar lockt das nächste leere Feld. Treu halten wir zum Glauben. An irgendetwas muss man sich schließlich festhalten.
⇒ Heise // ⇒ Golem // ⇒ Heise

Unfrei zu Frei umdefiniert


21.07.2018

Wie konnten unsere Ahnen nur ohne die Sicherheit leben, die das Internet heute ermöglicht? Gut, sie wurden geknechtet und aufwändig in ihren Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt. Aber geschah das nicht zu ihren Gunsten? Verfügten sie nicht über genügend Freiraum, um sich bis zum heutigen Status zu entwickeln. Oder überwogen vielleicht die Begrenzungen, um sich zu befreien und erst den aktuellen Stand ermöglichten? Mit dem Internet haben wir schon das große Los gezogen. Ein schier unendlicher Raum voller Chancen und Gelegenheiten. Alles was für dessen Nutzung notwendig ist, sind ein paar Daten, ansonsten kostet es fast nix. So ein paar Daten kann man schon erübrigen, schließlich tut deren Verlust nicht weh und zu verbergen hat auch keiner etwas. Recht amüsant, dass sich damit scheinbar eine Menge Geld verdienen lässt. Aber ausschlaggebend ist doch, dass damit unser aller Sicherheit erhöht, ja geradezu erst gewährleistet werden kann. Wenn das mal kein stichhaltiges Argument ist. Wo früher Massen an Soldaten und Polizisten nötig waren, können die Bösen jetzt auf Schritt und Tritt überwacht werden, obendrein ohne deren Wissen, wenn es erforderlich ist. Es soll sogar vorausgesagt werden können, ob und wann von denen Gefahr droht. Nun gut, ganz funktioniert das noch nicht, immerhin steckt die Materie noch in den Kinderschuhen. Merkwürdigerweise regt sich bei einigen Leuten Widerstand, die die Abhängigkeit der Sicherheit von Daten nicht akzeptieren wollen. Privatsphäre nennen sie es. Zudem sollen Presse- und vor allem Meinungsfreiheit eingeschränkt sein. Angeblich dienen Daten dazu, um uns zu manipulieren und von Oben zu diktieren. Die Nörgler missachten einfach den Komfortgewinn in vielen Lebensbereichen. Heizung, Strom, überhaupt ist das “Smart Home” doch ein Traum. Niemand wünscht sich ernsthaft alte Zeiten zurück. Müssen wir nicht nutzen, was wir erschaffen haben? “Ein Mensch unter Beobachtung ist niemals frei; und eine Gesellschaft unter ständiger Beobachtung ist keine Demokratie mehr.”* Das ist doch übertrieben, oder?
⇒ *Thomas Krüger (bpb)

Die Wahrheit


17.06.2018

Menschen sind dumm.

 

… und schlecht.

 

Vor der anziehenden Entwicklungsgeschwindigkeit kapitulieren unsere Gehirne, weshalb wir Maßnahmen zur eigenen Abschaffung forcieren. Bis dorthin besinnen wir uns unserer tierische Abstammung, wie es weltweit offensichtlich ist. Zwar führen die am lautesten blökenden Schafe politisch die Herden an, verstummen aber ebenso panisch, wenn die Wirtschaftswölfe ihre Reißzähne fletschen. Am Erkennungstest vor dem Spiegel scheitert die Mehrheit, weil sie die Fratze nicht für die eigene hält. Wir könnten anders, ganz anders: Friedlich, respektvoll, gerecht. Keine Ahnung, ob da ein Fehler in unseren Genen vorliegt oder wir irgendwann falsch abgebogen sind. Unser Verhalten ist bestürzend armselig.

Damit ist die Thematik erschöpfend erfasst.

Gleichgültigkeit


07.05.2018

Nachweise über psychische Störungen sind schwierig, wenn sie nicht offenkundig hervortreten. Ebenso gebärdet sich die Akzeptanz bei den Menschen, allerdings in unterschiedlichen Ausprägungen. Von Depression Betroffene sind oft Unverständnis ausgesetzt, während sich über sadistische Mörder einhellig die Meinung eines “Psychopathen” bildet. Übergreifend existiert ein Konsens, dass zwar nicht alle Vorgänge im Gehirn erklärbar sind, aber manche abträgliche Begleiterscheinungen erzeugen, die eine Einstufung als Krankheit verdienen. Permanent mischt sich das Hirn in unser Verhalten ein. In den letzten Jahren hat sich ein Gebaren zur Seuche entwickelt, das in verschiedenster Form seine Hässlichkeit zeigt: Gleichgültigkeit. Privatsphäre, Datenschutz, Überwachung, ungesunde Lebensmittel, grausame Massentierhaltung, vergiftete Umwelt, Finanzzocker, Armut oder rechter Gedankenmüll, um lediglich einen Hauch an Themen anzureißen. Zwei Phänomene charakterisieren diese und alle ungenannten: Zum Einen das Desinteresse des Einzelnen tätig zu werden, obwohl man Betroffener ist. Zum Anderen die Erwartungshaltung, dass sich andere kümmern werden. Alltägliches Beispiel hierzu ist ein Unfall, wo das Smartphone zum Filmen gezückt wird, unter der Annahme, irgendwer ruft schon Hilfe. Dieses Verhalten wird “Zuschauereffekt”, “pluralistische Ignoranz” oder auch “Genovese-Syndrom” genannt. Unterm Strich lassen sich alle bis zur Tatenlosigkeit einlullen. Es wird keine Verantwortung mehr für sich und andere übernommen. Dieses Benehmen steht konträr zur viel gerühmten (Zivil-)Courage, die sich zwar jeder gerne zuschreibt, aber vielmehr Moral und Verhalten von Käfigratten offenbart. Apathisch treibt man dahin, gibt das Ruder aus der Hand und hofft, dass irgendetwas Richtiges passiert. In der Folge entstehen weltweit Störungen in den Gesellschaften. Sie bröckeln, sind anfällig und weisen Zeichen von Siechtum auf. Die Mehrheit hat aufgegeben, weil jedes Aufbegehren ungehört und wirkungslos verhallt. Damit fällt die Immunität, was zu Krankheiten führt. Mag Gleichgültigkeit nicht als psychische Störung bezeichnet werden, ist es aber genau das. Von der Obrigkeit verordnet, ist eine Genesung unerwünscht. Eine dumpfe Masse ist besser formbar.
⇒ Murder of Kitty Genovese // ⇒ Mordfall Kitty Genovese // ⇒ Pluralistische Ignoranz // ⇒ Zuschauereffekt

Verkaufte Gesundheit


26.04.2018

Diente die Wirtschaft einst noch ganz dem Wohl der Menschen, vollzog sich in den letzten Jahrzehnten ein dramatischer Wandel. Der neue Dienstherr heißt jetzt Profit. Dem Diktator Geld wird alles ohne Ausnahme unterworfen, selbst jegliche Form von Leben. Menschen nach ihrem wertvollsten Gut gefragt, antworten in der Regel mit “Gesundheit”. Nun hat Gesundheit die ungünstige Eigenschaft immateriell und nicht direkt vermarktbar zu sein. Etwas derart wertvolles nicht vergolden zu können, wäre für die Wirtschaft ein Desaster. Zu ihrem Glück kommt ihnen der grundlegende Existenzmechanismus dieser Erde zu Hilfe: Bilaterale Beziehung. Wie bei einer Münze hat alles eine Gegenseite. Hier lautet der Gegenspieler Krankheit. Mit gedankenloser Unterstützung der Politik hat die Wirtschaft alles zu Objekten reduziert, die man nach belieben handhabt – auch den Mensch. Trotz ungezügelter Profitgier verbietet sich eine direkte Verletzung der Menschen. Von dieser unmittelbaren Einflussnahme entlastet, sprechen sich Unternehmen von jeder Verantwortung frei. Dieser Umstand stellt aber kein Hindernis dar. Die menschlichen Abhängigkeiten von Umwelt und natürlichen Abläufen, zum Beispiel Essen und Trinken, kredenzen scheinbar eine unerschöpfliche Auswahl an Methoden zur indirekten Beeinflussung. In der Folge trifft unternehmerisches Wirken auf schutzlose Individuen, die den Attacken kaum ausweichen können. So etablierte sich Krankheit als Grundzustand. Um diesen zu erhalten, sind die eingesetzten Strategien vor allem hinterhältig und schwer durchschaubar. Nur mit viel Wissen, Aufmerksamkeit und Einsatz kann das bedingt gelingen, aber nicht gänzlich. Derartige Widerspenstigkeiten sind der Wirtschaft ein Dorn im Auge, schließlich gewöhnt man alle Konsumenten mit enormen Aufwand ans Siechtum. Gesundheit muss zum unstillbaren Verlangen mutieren, damit die Nachfrage niemals versiegt. Erhebt sich Widerstand, diktiert man den Regierungsmarionetten verträgliche Lösungen in deren Gebetsbücher. Der Ausverkauf kennt keine Grenzen. Selbst der Tod wird als Begleiterscheinung achselzuckend ignoriert. Hauptsache die eigene Kasse macht Freudensprünge.
⇒ BUND e.V. // ⇒ Greenpeace // ⇒ Telepolis // ⇒ Utopia // ⇒ Telepolis // ⇒ Keinen Schimmer // ⇒ Telepolis // ⇒ Telepolis // ⇒ Telepolis // ⇒ Telepolis // ⇒ plusminus (verfügbar bis 21.02.2019) // ⇒ Telepolis // ⇒ Heise // ⇒ Deutschlandfunk

Zufriedene Marionetten


15.04.2018

Macht das Leben (noch) Spaß? Kann, darf, soll es das überhaupt? Und wenn, können wir Leben noch leben oder haben wir dessen Inhalt vergessen? Oder verlernt? Haben wir das Wissen darum nicht längst den Ansprüchen der Wirtschaft geopfert, deren einziger Inhalt Profitsteigerung ist und uns zu Melkkühen reduziert? Mit dem Unterschied, dass Kühe keine Wahl haben. Oder wurde uns Sinn und Nutzen einer Wahl erfolgreich ausgetrieben? Vielleicht haben wir die Option auch schlicht aufgegeben, weil es einfacher ist Vorgaben zu folgen. Bei genauer Betrachtung liegen Wohlstand und Armut in den Händen weniger Agitatoren, deren primäres Ziel ist, uns am Nachdenken und Erkennen zu hindern. Die uns mit Überfluss gefügig machen, um uns bei Laune zu halten und damit unsere Abhängigkeit verborgen bleibt. Unser Benutzererlebnis wird von den Anbietern diktiert. Individualität ist nur noch eine Eigenschaft zur Verkaufsförderung. Zum Objekt degradiert, messen Börsenkurse unsere Daseinsberechtigung und wirtschaftliche Tauglichkeit. Alle natürlichen Ressourcen werden hemmungslos ausgequetscht und dazu zählt auch der Mensch. Trotz der mit uns erzielten Gewinne realisieren wir unseren Wert nicht. Gedankenlos verschenken wir unser Sein. Hinterrücks geködert mit der selbst verursachten Leere in unserem Leben, simulieren soziale Medien eine Bühne für unsere Sehnsucht nach Bedeutsamkeit und Wertgefühl. Dabei verantworten wir den Verlust unserer Persönlichkeit selbst. Einfach “leben” geriet zu gewöhnlich, inhaltslos und langweilig. Auf dem Silbertablett boten wir unser Leben feil. Gerne griff die Wirtschaft zu und injizierte uns umgehend einen Cocktail aus Konsumrausch und Stumpfsinn. So dient der Großteil der Erdbewohner lediglich als Spielball und/oder Verhandlungsmasse der Strippenzieher. Das Menschliche mutiert zu einer Illusion, um irgendwann als Relikt entsorgt zu werden. Scheinbar zufrieden hängen wir willenlos an den Fäden der Mächtigen und plappern gedankenlos deren Argumente nach. Ganz, wie es sich für leblose Marionetten geziemt. Und dieses Leben gefällt und ist erstrebenswert?

Grenzenlos beschränkt


06.04.2018

Der Mensch will Alles – natürlich nur für sich allein. Dieser animalische Trieb ist tief im Gehirn verwurzelt. Er könnte diesen steuern, würden er das benutzen, was ihn angeblich vom Tier unterscheidet: Bewusstsein und Intelligenz. Ist der Tisch reichlich gedeckt, pickt er sich seine Leibspeisen heraus und vernachlässigt den Rest. Er hält das für eine vernünftige und einzig richtige Entscheidung. Warum sich von der Vielfalt erschlagen lassen, wenn ihn seine Auswahl voll und ganz befriedigt? Werden ihm seine Lieblinge zudem über ein vermeintlich kostenloses Angebot kredenzt, ist er vollends entzückt. Seinem Anspruch nach hat er alles richtig gemacht. In seiner maßlosen Völlerei finden weiterreichende Gedanken keinen Zugang mehr zum Gehirn. Auf die Idee, dass der verschmähte Rest erst verkümmert und dann versiegt, kommt er nicht. Ganz auf sein begrenztes Sortiment konzentriert, ignoriert er entstehende Abhängigkeiten. Nebenbei verlernt er Nutzen und Bedeutung von Vielfalt. Vollständig unterwirft er seinen Willen den verbliebenen Anbietern. Durchzieht dieses Verhalten alle Lebensbereiche, sticht es besonders im Internet deutlich hervor. Zu Beginn regelrecht von dessen Möglichkeiten überfallen, schwelgten die Menschen in dessen schier unendlichen Weiten. Bis es sie überforderte. Schwächen schreibt der Mensch nur anderen zu, gesteht sich selbst aber keine ein. Stattdessen begnügt er sich mit selbst erschaffenen Grenzen und verkauft dies als Vollkommenheit, um vom eigenen Versagen abzulenken. Google (inkl. YouTube), Facebook und Amazon stellen die Hauptmahlzeit, flankiert von einer handvoll gleichbleibender Beilagen. Das reicht seinem marodierendem Geist zum Satt werden. Seine Bequemlichkeit verhindert dann, über den Tellerrand zu gucken und festigt einen überschaubaren Horizont. Komplett seinen wenigen Lieferanten ausgeliefert, schluckt der Einzelne fortan alles ihm vorgesetzte. Die Macht über ihn wächst. Wenn die Einfältigen irgendwann den faden Geschmack ihrer Beschränktheit bemängeln sollten, wird es für eine Korrektur zu spät sein. Fuchsteufelswild werden sie dann zetern … und dem Nachbarn die Schuld geben.
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