Letzte Kohle Zuckungen

Mehrere tausend Menschen demonstrierten gegen einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle. Zum reinen Eigennutz sprachen sie sich damit deutlich für eine weitere Verschmutzung und Zerstörung der Umwelt aus. Mit anderen Worte heißt das, ihnen sind damit in Verbindung stehende Krankheiten und vorzeitige Todesfälle egal, Hauptsache sie können ausgiebig an Konsumschlachten teilnehmen.

Natürlich hatten Gewerkschaften zur Demo aufgerufen, um mit verfehltem und überflüssigem Aktionismus gegen ihre Nichtigkeit und Mitgliederschwund anzukämpfen. Weil mal wieder das Arbeitsplatzschwert drohend über den Köpfen kreist, befinden sich Lokalpolitiker im Ausnahmezustand und paktieren eiligst mit den Aufständischen. Notfalls auf Konfrontationskurs mit den Entscheidern in Berlin.

Das ganze ist eine verlogene Farce, bei der – zurecht – besorgte Menschen zu Hampelmänner der Konzerne degradiert werden. Abhängig werden sie als leicht formbares Schutzschild instrumentalisiert und als austauschbares Fußvolk an vorderste Front geschickt. Das ist schändlich. Richtiger und vernünftiger wäre, die gesamte Führungsriege vom Hof zu jagen und sie in der Wildnis bei Wasser und Brot Demut lernen zu lassen. Gegen die überbezahlten Bonzen sollte sich die Wut richten. Die verschliefen und ignorierten mutwillig jede Entwicklung. Die trafen bewusst die Entscheidungen, auf der Verliererspur zu verharren. Dort denkt man nur an den kurzfristigen Profit, der wächst, weil die Herstellung immer billiger wird. Dort verweigert man sich Innovationen und Visionen. Dort hört keiner zu, wenn es um Zukunft geht. Dort interessiert sich niemand für die Mitarbeiter, weil sie einfach nur Mittel zu ihrem Zweck sind.

Bei allem Verständnis für die Menschen, lassen sie sich vor den falschen Karren spannen. Die Konzernlenker lachen sich ins Fäustchen und geben dafür gerne mal eine Tag frei. Billiger kriegen sie keine Kampagne, um ihre dicken Gehälter zu sichern.

Ratsam ist, noch mal genauer hinzuschauen und das Gesamtbild neu zu bewerten. Egotrips sind dabei weniger hilfreich, eher peinlich bis lächerlich. Gespart werden sollte an den Gewerkschaftsbeiträgen. Derart heuchlerisch getäuscht zu werden, darf nicht toleriert und belohnt werden. Außerdem findet ein doppelter Missbrauch statt: Konzerne und Gewerkschaften nutzen die Situation zu ihrem Vorteil aus. Macht die Augen auf!

Natürlich lässt sich Versäumtes nicht aufholen, aber sich an ein sinkendes Schiff klammern, verzögert den sicheren Tod lediglich. Überlebenskampf und quälender Leidensweg mit ungewissem Ausgang sind sicher weniger erstrebenswert, als sich einmal zusammen gegen den wahren Gegner zu verbünden, um wenigstens den Versuch rettende Ufer zu erreichen mit den eigenen Händen zu gestalten.

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