Bühne frei für Rechts

Der rote Teppich liegt bereit. Gepflegt von den Medien, die sich auf ihren öffentlichen Informationsschutz berufen. Gebetsmühlenartig ihre Neutralität betonend, pulen sie den kleinsten Dreck hervor. Wichtigtuerisch rücken sie die Scheinwerfer zurecht, um kein Detail zu verpassen und auszulassen. Es sei ihre Aufgabe und irgendwer muss sie schließlich machen, damit der Zuschauer ein sauberes Bild erhält. Auf die Idee, dass gerade sie für den hoch spritzenden Schmutz verantwortlich sind, würde man nie kommen. In Betracht ziehen die schmuddeligen Gassen nicht auszuleuchten und gelassen zu ignorieren erst recht nicht. Alleine ihre Sucht nach Sensationen und Aufmerksamkeit verbietet dies. Diese Haltung ist nicht exklusiv den Medien vorbehalten. An Stellen, die Keiner auf dem Zettel hat, schlägt es sogar kräftigere Wellen. Die Frankfurter Buchmesse 2017 war zum Beispiel ein solcher Ort. Was als unvorhersehbarer Eklat verkauft wurde, stinkt vielmehr nach geplantem Kalkül. Nötig hat die Buchmesse es nicht, zumal der Umgang der Verantwortlichen mit der Aufruhr zur peinlichen Slapstick-Nummer ausartete. Diese Wendung dürfte vielen nicht gemundet haben. Argumentativ bediente man sich der Floskel aus der Medienwelt: Eine Demokratie muss das aushalten und allen Gesinnungen die gleiche Bühne bieten. Rums, da knallt man den Nörglern den ausgelutschten Standardsatz vor den Latz. Richtiger wird die Rechtfertigung durch ihre penetrante Wiederholung keinesfalls, nur abgenutzter und immer weniger verständlich. Gerade die Messe mit ihrem Hausrecht hätte ohne Erklärungsnot dieses Theater unterbinden können. Das schärfste, wirksamste und schmerzhafteste Mittel der Menschen unter- und gegeneinander ist Ignoranz. Kein Spotlight heißt keine Wahrnehmung. Damit bleibt auch brauner Schmutz weitestgehend unsichtbar. Wenn man diese Tatsache in die begriffsstutzigen, engstirnigen Sturköpfe der Medien gehämmert kriegt, käme man einen großen Schritt weiter – aber die drehen sich lieber im Kreis.

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#FBM17 – Frankfurter braune Messe 2017 (Sven Hensel)