Football Leaks

Untertitelt mit “Von Gier, Lügen und geheimen Deals” und im Vorfeld zu genüge angepriesen, war ich gespannt. Angeblich lagen über 70 Millionen Unterlagen zur Auswertung vor. Man erinnere sich, bei den “Paradise Papers” waren lediglich 13 Millionen Dokumente im Spiel. Herausgekommen ist (bis jetzt) eine 60-minütige Reportage, die derart dünn und nichtssagend ist, dass alleine diese Verschwendung von Ressourcen ein Skandal ist. Aber die Reporter, immerhin fünf Männer und Frauen, durften wenigstens viel durch die Welt reisen. Dank Zwangs eingetriebenen Gebühren kann man aus den Vollen schöpfen, in reißerischer BILD Manier großspurige Ankündigungen machen und dann einen Rinnsal liefern.

Nach 60 Minuten Nachrichten starrte ich fassungslos und verärgert auf den Bildschirm. Das war alles? Mehr ist den Abermillionen Papieren nicht zu entlocken? Daran haben 80 Journalisten weltweit über 9 Monate gearbeitet?

Und dann die übliche Sensationslust, unbedingt den Whistleblower vor die Kamera zu kriegen. Keinen Respekt vor dessen Taten und Sicherheitsbedarf. Keine Achtung vor den Opfern, die es ihm womöglich kostet. Das ist einfach nur widerlich!

Doch mal abgesehen von der präsentierten Nichtigkeit und dem ohnehin vermuteten Korruptionssumpf bei UEFA und FIFA, stellen sich mir ganz andere Fragen. Die schiere Masse an Daten, die, so wird versichert, nicht gehackt wurden, also auf “normalen” Wegen entwendet, kopiert und/oder zugänglich gemacht wurden, fielen in den Organisationen niemanden auf? Zudem dürfte der Whistleblower “John”, wie er sich nennt, so dicht an den Einrichtungen dran sein, dass eine Eingrenzung oder Aufdeckung seiner Identität nicht möglich ist? Und das bei den heutigen Möglichkeiten, über die nicht nur offizielle Ermittlungsbehörden verfügen?

Übergreifend hat sich in den letzten Jahren manifestiert, dass “Whistleblower” Personen sind, die von Innen heraus Niederschmetterndes öffentlich machen. Sie sind demnach aktiver oder ehemaliger Mitarbeiter. Wobei ich den Quellenschutz sehr begrüße und mir eine Enttarnung prinzipiell Schnuppe ist. Es ist natürlich schön, wenn die Welt weiß, bei wem sie sich bedanken sollte, wie zum Beispiel in den Fällen Snowden oder Manning!

Für mich passt das alles nicht zusammen. Die Echtheit der Daten will ich dabei gar nicht bezweifeln. Aber der Kamera- und Öffentlichkeitsscheue Chefjustiziar von Bayern München entdeckt plötzlich seine Medienaffinität? Mehr als 5 mal so viele Unterlagen wie bei den “Paradise Papers” und heraus kommen zwei Tricksereien von Infantino, sowie Pläne zur Abgrenzung von der UEFA? Gerade für Letzteres reicht etwas gesunder Menschenverstand, als dass sich derartiges nicht längst erahnen ließe. Es liegt doch Nahe, dass sich mit einer neuen “eigenen” Liga mehr Geld verdienen lässt und um nichts anderes geht es heutzutage. Fußball? Sport? Guter Witz!

Eine Einzelperson dürfte nicht in der Lage sein, diese Masse an brisanten Inhalten zu beschaffen. Demnach sind mehr Personen, vielleicht sogar ein Netzwerk, beteiligt. Womit sich Schwach- oder Bruchstellen potentiell erhöhen. Und das soll bis heute gehalten haben?

Nein, keine Frage, ich würde liebend gerne UEFA und FIFA implodieren sehen, um einen Neuanfang zu ermöglichen. Aber was mit diesen vermeintlichen “Football Leaks” geboten wird, ist mir zu dubios, zweifelhaft und fragwürdig. Vielmehr erweckt alles den Eindruck, als sei es gesteuert. Von wem und zu welchem Zweck erschließt sich mir bisher allerdings nicht. Natürlich ist dies nur ein erster Eindruck auf die angebotenen Informationen. Bei neuerlichen Ergänzungen ändert sich diese Einschätzung vielleicht.

So enden diese Zeilen, wie sie begannen – ich bin gespannt.

Mehr Lektüre:

Football Leaks (Sportschau)