Kultur Saboteur ÖRR

Mit knapp 9 Milliarden Euro setzt die Buchbranche in etwa das um, was dem ÖRR durch die Zwangsabgaben zufließt. Wohlgemerkt Umsatz, nicht Gewinn, der mit dem Kulturgut Buch erzielt wird. Dagegen kann der ÖRR alles Geld nach eigenem Gutdünken verprassen. Zwar per Gesetz zum sparsamen Umgang verpflichtet, ist das erstens eine Auslegungssache und zweitens eine Sache des richtigen Verkaufen. Zur vermeintlichen Erfüllung altertümlicher, dem ÖRR hinderliche, anspruchsvoller Inhaltsaufträge, platziert die ARD aktuell zwei angeblich investigative und kritische Sendungen Montag Abends als Alibi. Obwohl der ÖRR gerade nicht Quoten abhängig ist, werden sie mangels Interesse bald wieder im Nirwana verschwinden (*). Das kann schon bewusst durch die Produktion gesteuert sein oder weil gut situierte Sesselfurzer meinen sie hätten den Durchblick. Vermutlich liegt es aber daran, dass gehaltvolles Programm den Zuschauern inzwischen zu anstrengend ist und schwer auf den Magen schlägt. Für die Verflachung der Ansprüche ist der Öffentlich Rechtliche Rundfunk nicht nur mitverantwortlich, sondern Hauptschuldiger bzw. -verursacher. Der ÖRR hat sich mit den privaten Sendern in einen Wettbewerb begeben, der faktisch nicht existiert. Damit und der schleimig regierungsfreundlichen Berichterstattung, haben sie längst die eigene Glaubwürdigkeit verspielt. Als Staatsfunk scheint der eigentliche Auftrag das Schwächen der Bildung zu sein, damit Politik ungestört herrschen kann. Bei zunehmender Lethargie und Interessenlosigkeit verwahrlost die Kultur, während die Verrohung zunimmt. Bücher bzw. das Lesen an sich, sind nur ein Leidtragender, dafür aber der bekannteste und meist verbreitetste. Bezeichnend ist der abnehmende Branchenumsatz mit Büchern, während der ÖRR für seine Demontage der Kultur laut nach immer mehr Geld schreit. Maßgeblich ist der ÖRR an dieser kulturellen Sabotage beteiligt, auch wenn man es dort in klein-geistiger Selbstgefälligkeit weit von sich weist und die eigenen Schandtaten zudem für Qualität hält – aber Einsicht war noch nie eine Stärke selbstverliebter Gockel.

(*) Artikel Entwurf von Mitte Mai, inzwischen sind die Sendungen entweder tatsächlich bereits wieder abgesetzt oder wurden nach den wenigen, sicherlich sehr anstrengenden, Auftritten in den Sommerurlaub geschickt – Rückkehr fraglich, denn aus den Augen, aus dem Sinn.