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bissiges Dazwischengequatsche

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Kultur Saboteur ÖRR


19.07.2018

Mit knapp 9 Milliarden Euro setzt die Buchbranche in etwa das um, was dem ÖRR durch die Zwangsabgaben zufließt. Wohlgemerkt Umsatz, nicht Gewinn, der mit dem Kulturgut Buch erzielt wird. Dagegen kann der ÖRR alles Geld nach eigenem Gutdünken verprassen. Zwar per Gesetz zum sparsamen Umgang verpflichtet, ist das erstens eine Auslegungssache und zweitens eine Sache des richtigen Verkaufen. Zur vermeintlichen Erfüllung altertümlicher, dem ÖRR hinderliche, anspruchsvoller Inhaltsaufträge, platziert die ARD aktuell zwei angeblich investigative und kritische Sendungen Montag Abends als Alibi. Obwohl der ÖRR gerade nicht von Quoten abhängig ist, dürften sie mangels Interesse bald wieder im Nirwana verschwinden (*). Das kann schon bewusst durch die Produktion gesteuert sein oder weil gut situierte Sesselfurzer meinen sie hätten den Durchblick. Vermutlich liegt es aber daran, dass gehaltvolles Programm den Zuschauern inzwischen zu anstrengend ist und schwer auf den Magen schlägt. Für die Verflachung der Ansprüche ist der Öffentlich Rechtliche Rundfunk nicht nur mitverantwortlich, sondern Hauptschuldiger bzw. -verursacher. Der ÖRR hat sich mit den privaten Sendern in einen Wettbewerb begeben, der faktisch nicht existiert. Damit und der schleimig regierungsfreundlichen Berichterstattung, haben sie längst die eigene Glaubwürdigkeit verspielt. Als Staatsfunk scheint der eigentliche Auftrag das Schwächen der Bildung zu sein, damit Politik ungestört herrschen kann. Bei zunehmender Lethargie und Interessenlosigkeit verwahrlost die Kultur, während die Verrohung zunimmt. Bücher bzw. das Lesen an sich, sind nur ein Leidtragender, dafür aber der bekannteste und meist verbreitetste. Bezeichnend ist der abnehmende Branchenumsatz mit Büchern, während der ÖRR für seine Demontage der Kultur laut nach immer mehr Geld schreit. Maßgeblich ist der ÖRR an dieser kulturellen Sabotage beteiligt, auch wenn man es dort in klein-geistiger Selbstgefälligkeit weit von sich weist und die eigenen Schandtaten zudem für Qualität hält – aber Einsicht war noch nie eine Stärke selbstverliebter Gockel.
(*) Artikel Entwurf von Mitte Mai, inzwischen sind die Sendungen entweder tatsächlich bereits wieder abgesetzt oder wurden nach den wenigen, sicherlich sehr anstrengenden, Auftritten in den Sommerurlaub geschickt – Rückkehr fraglich, denn aus den Augen, aus dem Sinn.

Aufmerksamkeitsdefizit und Junk Medien


01.05.2018

“Keine Zeit” ist der Taktgeber unserer Zeit. Im Laufschritt hecheln wir durchs Leben, getrieben vom Verlangen nach Erfüllung, dessen Ausgestaltung längst die Wirtschaft bestimmt. Um in der Informationsflut nicht zu ertrinken, muss deren Aufnahme schnell gehen und flugs, aber nicht lange anhaltend, sättigen. Schließlich jagt ein wichtiges Thema das nächste … zumindest gefühlsmäßig. Auf ungesunde Inhaltsstoffe wird nicht geprüft; auch nicht, ob die Nahrung einseitig oder einfältig ist – was gefällt, wird klaglos geschluckt. Aufmerksamkeit wird im Vorbeigehen erledigt. Ebenso rasch erhebt und zerstreut sich Empörung – die nächste wartet schon. Flüchtigkeit regiert den Alltag. Dem Bedarf passen sich die Medien an und servieren oberflächliche, leicht verdauliche Häppchen. Selbstverständlich verwehrt man sich dem Vorwurf Junk (Müll) zu produzieren. Allerdings blitzen alte Tugenden unter der Fettschicht nur noch auf, wenn ihnen edelste Zutaten direkt unter die Nase gerieben werden (Panama/Paradise Papers, LuxLeaks, Snowden). Mehr Energie stecken Medien in die Gängelung potentieller Nutzer und vergrätzt diese mit nerviger Werbung, üblem Tracking und antiquierten Abo-Modellen. Den Einweg-Konsum befeuern sie, weil kaum ein Ereignis verfolgt wird, sondern im kollektivem Erinnerungsnirwana landet. Kein erneutes Aufgreifen und/oder Aktualisieren. Kein Melden von Entwicklungen und/oder Veränderungen. Da kommt die Henne-Ei Frage auf: Wo sank das Niveau zuerst? Generiert Qualität Einnahmen oder umgekehrt und wird das überhaupt noch wertgeschätzt? Während sich die Lieferanten im Kreis drehen, enteilen die Käufer und erschließen sich neue Bezugswege. Weil ihnen zudem vom traditionellen Gehabe des Althergebrachten schlecht wird, orientieren sie sich an Gleichgesinnten. Bevorzugt wird auf ein Aspekt geachtet: Kostenlos. Dieser sich durch alle Lebensbereiche ziehende Defizit-Kurs hat sich inzwischen fest eingenistet. Von überdrehten Medien angetrieben, sind sie selbst mit Motorschaden liegen geblieben und schreien nach einem politischen Abschleppseil: Leistungsschutzrecht. Uneinsichtig klammert sich deren Eitelkeit am Ruf vergangener Tage. Die “Vierte Gewalt” vegetiert schlaff und formlos im Stützkorsett vor sich hin, von der eigenen Arroganz ins Abseits gestellt. Ein neues Denken müsste her, aber da war ja was … keine Zeit.
⇒ Telepolis // ⇒ Heise // ⇒ Telepolis

BILDungsfern


11.04.2018

Die Wahrheit ist nicht des Menschen liebstes Kind, obgleich die Lüge verteufelt wird. Diesen Konflikt löst Ignoranz. Entweder ausblenden, dass man für Dumm verkauft wird oder Unwahrheiten akzeptieren, weil sie ins eigene Weltbild passen … oder beides. Am ehesten zeigen dieses Verhalten Menschen, deren Interesse an Bildung und Wissen begrenzt ist. Widersprüchlich scheint, dass “Fake News” Vorwürfe hauptsächlich aus dieser Gruppe stammen. Aber alles, was nicht ihrer Meinung entspricht, kann nur Schwindel sein. Keimzellen ihrer einseitigen Haltung sind nicht unbedingt Zeitungen, Zeitschriften oder Fernsehsendungen, sondern vermehrt im Internet aufgeschnappte Meldungen, die von selbst erwählten Lieferanten zugetragen werden. Allen gemein ist die Ferne zu einem in Ansätzen neutralen Journalismus oder ursächlicher Recherche. Vorzeigebeispiel und beliebteste Quelle aus diesem Bereich ist BILD in allen Darreichungsformen. Obgleich deren Verlagshaus eine eigene und anerkannte Journalistenschule führt, praktiziert BILD das Gegenteil eines seriösen Journalismus’. Es muss die Frage erlaubt sein, ob der Mensch dahinter keine Ehre hat, um täglich diesen hanebüchenen Mist zu publizieren? Wahrscheinlich überwiegt das animalische Gefühl der Dominanz, mit dem verzapften Blödsinn für ordentlich Aufregung und Aufruhr zu sorgen. Den Menschen nach dem Mund quatschen und Stimmungen zum eigenen Vorteil nutzen und aufheizen, ist Populismus, aber kein Journalismus. Neben BILD schlagen noch weitere Publikationen in diese Kerbe. Von triefendem Schund (“Das goldene Blatt” und Co.) bis rechtem Schmutz (“Compact” und Co.) profitieren viele von sinkender Bildung und wachsender Engstirnigkeit. Der verursachte Schaden ist beabsichtigt. Die verschmähten Medien erhalten dadurch nicht automatisch Absolution oder den Stempel “Qualität”. Vom BILDungsfernen Bazillus, der journalistische Grundwerte zerbröckelt, sind auch sie befallen. Schnell hingeklatschte Oberflächlichkeiten vergraulen die Nutzer, die wiederum Schuld sein sollen, weil sie angeblich dieses Tempo einfordern. Von den Verlagen steigt aber keiner mal vom hohen Ross ab, um die kruden Annahmen zu verifizieren. Überleben wird, wer das lauteste Geschrei bedient oder ehrloses und unmoralisches Führungspersonal hat … oder beides. Keine beruhigenden Aussichten.
⇒ Wikipedia (Journalist) // ⇒ Wikipedia (Journalismus) // ⇒ ÜberMedien // ⇒ Telepolis // ⇒ BILDblog // ⇒ Telepolis // ⇒ BILDblog // ⇒ ÜberMedien

Unverantwortliches Lethargie Fernsehen


19.03.2018

Das überwiegend niveaulose Programm der privaten Fernsehsender muss man wohl akzeptieren, obgleich es ein beschämendes Bild unserer Gesellschaft zeichnet. Längst brauchen wir keine Mammuts und Säbelzahntiger mehr jagen, um unsere Familien zu ernähren, trotzdem scheint das Leben so mühsam und anstrengend zu sein, dass voyeuristisch denkfreie Unterhaltung erforderlich ist. Wobei sich die Inhalte lediglich unseren Anforderungen angepasst haben. Nur billiges animiert unser Interesse. Die üblichen Marktkräfte, Angebot und Nachfrage, führten zum heutigen Stand. Wegen der scheinbar allgemeinen Zufriedenheit, wird nur marginal am Bestand gefeilt – “Don't change a running system”. Wer sich dem unerträglichen Verdummungsprozess entziehen will, um seine Gehirnzellen nicht verkümmern zu lassen, hat es nicht leicht. Die Sender Vielfalt täuscht darüber hinweg, dass hochwertiges oder anspruchsvolles Material gut versteckt wird. Natürlich ist jeder Anspruch subjektiv. Die grassierende Verflachung rein auf unterschiedliche Geschmäcker zu schieben, ist aber zu einfach. Damit stiehlt man sich aus jeder Verantwortung und versteckt sich hinter einer angenommenen Mündigkeit der Zuschauer. Artet Wissen, Bildung und Information zur Rosinenpickerei aus, fördert dies die Abgrenzung der Menschen. Anspruchsloses Fernsehen gewöhnt seinem Publikum eine differenzierte Meinungsbildung ab. Simple oder populistische Ansprache trifft dadurch leichter auf Gehör und Zuspruch. Kaum verwunderlich, ist der Weg des geringsten Widerstands ein natürlicher Mechanismus. Unbegreiflich ist das Desinteresse und die Teilnahmslosigkeit der Fernsehmacher. Von den privaten Sender ist keine andere Haltung zu erwarten, zählt hier einzig die Quote, um Werbeeinnahmen zu generieren. Gerade deswegen sollte der mit Zwangsgeldern subventionierte öffentliche Rundfunk (ÖRR) verpflichtet sein, dem auf seinen Hauptkanälen ARD und ZDF entgegenzuwirken. Dort äfft man aber übermäßig dem inhaltslosen Trend nach. Wertvolles wird zu Schlafenszeiten gesendet oder auf Spartenkanälen versteckt, die als Alibi für unsachgemäße Gebührenforderungen dienen. Ein deutsches Pendant zur schweizerischen #NoBillag Initiative wäre sicher ein probates Mittel, den in seine Verschwendungssucht verliebten ÖRR zu wirkungsvollen Reformen zu zwingen. Weil hier leider alles am Nabel weltfremder Politik hängt, bleibt das ein hoffnungsloser Wunsch. So leistet das Fernsehen seinen Beitrag zum geistigen Delirium. Klasse Leistung.
⇒ Heise // ⇒ Golem // ⇒ Telepolis // ⇒ Telepolis // ⇒ Telepolis // ⇒ Keinen Schimmer

Bühne frei für Rechts


20.11.2017

Der rote Teppich liegt bereit. Gepflegt von den Medien, die sich auf ihren öffentlichen Informationsschutz berufen. Gebetsmühlenartig ihre Neutralität betonend, pulen sie den kleinsten Dreck hervor. Wichtigtuerisch rücken sie die Scheinwerfer zurecht, um kein Detail zu verpassen und auszulassen. Es sei ihre Aufgabe und irgendwer muss sie schließlich machen, damit der Zuschauer ein sauberes Bild erhält. Auf die Idee, dass gerade sie für den hoch spritzenden Schmutz verantwortlich sind, würde man nie kommen. In Betracht ziehen die schmuddeligen Gassen nicht auszuleuchten und gelassen zu ignorieren erst recht nicht. Alleine ihre Sucht nach Sensationen und Aufmerksamkeit verbietet dies. Diese Haltung ist nicht exklusiv den Medien vorbehalten. An Stellen, die Keiner auf dem Zettel hat, schlägt es sogar kräftigere Wellen. Die Frankfurter Buchmesse 2017 war zum Beispiel ein solcher Ort. Was als unvorhersehbarer Eklat verkauft wurde, stinkt vielmehr nach geplantem Kalkül. Nötig hat die Buchmesse es nicht, zumal der Umgang der Verantwortlichen mit der Aufruhr zur peinlichen Slapstick-Nummer ausartete. Diese Wendung dürfte vielen nicht gemundet haben. Argumentativ bediente man sich der Floskel aus der Medienwelt: Eine Demokratie muss das aushalten und allen Gesinnungen die gleiche Bühne bieten. Rums, da knallt man den Nörglern den ausgelutschten Standardsatz vor den Latz. Richtiger wird die Rechtfertigung durch ihre penetrante Wiederholung keinesfalls, nur abgenutzter und immer weniger verständlich. Gerade die Messe mit ihrem Hausrecht hätte ohne Erklärungsnot dieses Theater unterbinden können. Das schärfste, wirksamste und schmerzhafteste Mittel der Menschen unter- und gegeneinander ist Ignoranz. Kein Spotlight heißt keine Wahrnehmung. Damit bleibt auch brauner Schmutz weitestgehend unsichtbar. Wenn man diese Tatsache in die begriffsstutzigen, engstirnigen Sturköpfe der Medien gehämmert kriegt, käme man einen großen Schritt weiter – aber die drehen sich lieber im Kreis.
⇒ Sven Hensel

Zahnlose Medien


14.10.2017

Wie Raubtiere mit sabbernden Lechzen stürzen sich Medien auf jede vermeintliche Sensation. Dabei sind sie so zahnlos und zahm wie ein Baby, nur nicht so niedlich. Haben sie sich an dem Opferduft ausreichend gelabt, wird hastig weitergezogen; ohne Zähne kann die Beute nicht ausgeschlachtet werden. Ihre Oberflächlichkeit verteidigen sie mit einer hypothetischen Neutralität, die sie wie eine heilige Kuh vor sich her treiben. Klägliches Beispiel ist der Fipronil-Skandal, dem die gierige Meute nach einigen Tagen nichts mehr abgewinnen konnte. Nur vorbei ist dieser längst nicht, er wird jetzt erst spannend. Die vergifteten Eier lassen sich in zahlreichen weiterverarbeiteten Produkten nachweisen, was zu erwarten war. Doch statt die Produkte und Produzenten zu benennen, um einen öffentlichen Druck aufzubauen, herrscht Schweigen im Walde. Für Verbraucher wäre eine detaillierte Berichterstattung wertvoll, schließlich hat jeder ein gesteigertes Interesse daran seine Gesundheit zu schützen. Anprangern mag gegen die zweifelhafte Objektivität stehen, wahrscheinlicher ist aber, dass die Anzeigenkunden aus der Wirtschaft nicht vergrault werden sollen. Gerade die Zeitungsverlage kämpfen um jeden Cent und mit dem Internet, das sie nicht verstehen. Krampfhaft halten sie sich an eingefahrenen Denkweisen fest und zur Not wird um sich geschlagen. Probieren sie Neues aus, wird es ihnen von Außenstehenden vorgesetzt, die ihre eigenen Interessen verfolgen und von den Medien als Handlanger profitieren, was man in den Chefetagen bei der angeborenen Engstirnigkeit natürlich verkennt. Die ebenso übliche wie einfältige Lösung muss es dann richten; eigene Mitarbeiter werden zunehmend ausgebeutet und freie Zulieferer zu Knebelverträgen erpresst. Der Journalismus verzockt seine Bedeutung im belanglosen Einheitsbrei und ist hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt. Der im Raum stehende Vorwurf einer "Lügenpresse" ist zwar sehr griffig, schenkt den Bezeichneten unverdiente Aufmerksamkeit und ist nur die halbe Wahrheit. Vielmehr ist die Gleichförmigkeit schlicht Langweilig, Nichtssagend, Vernachlässigbar; nach dem Motto, "braucht das noch einer oder kann das weg?!"
⇒ Golem // ⇒ Tages Anzeiger // ⇒ Heise // ⇒ Klein Report // ⇒ Kameramann // ⇒ Deutschlandfunk


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