Unverantwortliches Lethargie Fernsehen

Das überwiegend niveaulose Programm der privaten Fernsehsender muss man wohl akzeptieren, obgleich es ein beschämendes Bild unserer Gesellschaft zeichnet. Längst brauchen wir keine Mammuts und Säbelzahntiger mehr jagen, um unsere Familien zu ernähren, trotzdem scheint das Leben so mühsam und anstrengend zu sein, dass voyeuristisch denkfreie Unterhaltung erforderlich ist. Wobei sich die Inhalte lediglich unseren Anforderungen angepasst haben. Nur billiges animiert unser Interesse. Die üblichen Marktkräfte, Angebot und Nachfrage, führten zum heutigen Stand. Wegen der scheinbar allgemeinen Zufriedenheit, wird nur marginal am Bestand gefeilt – “Don’t change a running system”. Wer sich dem unerträglichen Verdummungsprozess entziehen will, um seine Gehirnzellen nicht verkümmern zu lassen, hat es nicht leicht. Die Sender Vielfalt täuscht darüber hinweg, dass hochwertiges oder anspruchsvolles Material gut versteckt wird. Natürlich ist jeder Anspruch subjektiv. Die grassierende Verflachung rein auf unterschiedliche Geschmäcker zu schieben, ist aber zu einfach. Damit stiehlt man sich aus jeder Verantwortung und versteckt sich hinter einer angenommenen Mündigkeit der Zuschauer. Artet Wissen, Bildung und Information zur Rosinenpickerei aus, fördert dies die Abgrenzung der Menschen. Anspruchsloses Fernsehen gewöhnt seinem Publikum eine differenzierte Meinungsbildung ab. Simple oder populistische Ansprache trifft dadurch leichter auf Gehör und Zuspruch. Kaum verwunderlich, ist der Weg des geringsten Widerstands ein natürlicher Mechanismus. Unbegreiflich ist das Desinteresse und die Teilnahmslosigkeit der Fernsehmacher. Von den privaten Sender ist keine andere Haltung zu erwarten, zählt hier einzig die Quote, um Werbeeinnahmen zu generieren. Gerade deswegen sollte der mit Zwangsgeldern subventionierte öffentliche Rundfunk (ÖRR) verpflichtet sein, dem auf seinen Hauptkanälen ARD und ZDF entgegenzuwirken. Dort äfft man aber übermäßig dem inhaltslosen Trend nach. Wertvolles wird zu Schlafenszeiten gesendet oder auf Spartenkanälen versteckt, die als Alibi für unsachgemäße Gebührenforderungen dienen. Ein deutsches Pendant zur schweizerischen #NoBillag Initiative wäre sicher ein probates Mittel, den in seine Verschwendungssucht verliebten ÖRR zu wirkungsvollen Reformen zu zwingen. Weil hier leider alles am Nabel weltfremder Politik hängt, bleibt das ein hoffnungsloser Wunsch. So leistet das Fernsehen seinen Beitrag zum geistigen Delirium. Klasse Leistung.

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