Zahnlose Medien

Wie Raubtiere mit sabbernden Lechzen stürzen sich Medien auf jede vermeintliche Sensation. Dabei sind sie so zahnlos und zahm wie ein Baby, nur nicht so niedlich. Haben sie sich an dem Opferduft ausreichend gelabt, wird hastig weitergezogen; ohne Zähne kann die Beute nicht ausgeschlachtet werden. Ihre Oberflächlichkeit verteidigen sie mit einer hypothetischen Neutralität, die sie wie eine heilige Kuh vor sich her treiben. Klägliches Beispiel ist der Fipronil-Skandal, dem die gierige Meute nach einigen Tagen nichts mehr abgewinnen konnte. Nur vorbei ist dieser längst nicht, er wird jetzt erst spannend. Die vergifteten Eier lassen sich in zahlreichen weiterverarbeiteten Produkten nachweisen, was zu erwarten war. Doch statt die Produkte und Produzenten zu benennen, um einen öffentlichen Druck aufzubauen, herrscht Schweigen im Walde. Für Verbraucher wäre eine detaillierte Berichterstattung wertvoll, schließlich hat jeder ein gesteigertes Interesse daran seine Gesundheit zu schützen. Anprangern mag gegen die zweifelhafte Objektivität stehen, wahrscheinlicher ist aber, dass die Anzeigenkunden aus der Wirtschaft nicht vergrault werden sollen. Gerade die Zeitungsverlage kämpfen um jeden Cent und mit dem Internet, das sie nicht verstehen. Krampfhaft halten sie sich an eingefahrenen Denkweisen fest und zur Not wird um sich geschlagen. Probieren sie Neues aus, wird es ihnen von Außenstehenden vorgesetzt, die ihre eigenen Interessen verfolgen und von den Medien als Handlanger profitieren, was man in den Chefetagen bei der angeborenen Engstirnigkeit natürlich verkennt. Die ebenso übliche wie einfältige Lösung muss es dann richten; eigene Mitarbeiter werden zunehmend ausgebeutet und freie Zulieferer zu Knebelverträgen erpresst. Der Journalismus verzockt seine Bedeutung im belanglosen Einheitsbrei und ist hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt. Der im Raum stehende Vorwurf einer „Lügenpresse“ ist zwar sehr griffig, schenkt den Bezeichneten unverdiente Aufmerksamkeit und ist nur die halbe Wahrheit. Vielmehr ist die Gleichförmigkeit schlicht Langweilig, Nichtssagend, Vernachlässigbar; nach dem Motto, „braucht das noch einer oder kann das weg?!“

Mehr Lektüre:

Die Frage ist nicht, ob Journalisten bestechlich sind. Sondern, von wem. Und von was. (Tages Anzeiger)

Ex-Kameramann berichtet über Ausstieg aus der Branche – Das Ende der Leidenschaft (Film & TV Kamera)

Vernichtende Kritik an Oettingers Urheberrechtsplänen (Golem)

Facebook will Bezahlfunktion für journalistische Inhalte testen (Heise)

Tamedia: Berufsverband Freischreiber klagt über «Knebelverträge» (Klein Report)

Mehr Penunzen für den freien Journalismus, bitte (Deutschlandfunk)