Brexit

Dieses Bohei hat jedes erträgliche Maß erreicht. Es ist zum Schmierentheater verkommen und schadet jedem politischen und gesellschaftlichen Ansehen – Englands und der EU. Das Gezerre ist nicht mehr vermittelbar und befeuert eine Diskussion, die entzweit und nur Verlierer produziert. Das aufkeimende Begehren nach einem neuen Referendum, um die “Fehlentscheidung” zu korrigieren, spaltet die Bevölkerung, verhärtet Fronten und vertieft Gräben. Am Ende wird sich zeigen, dass Zerstörungskräfte unterschätzt und der eigenen Sturheit wegen billigend in kauf genommen wurden.

In zur Zeit 206 Staaten haben sich die Menschen aufgeteilt, von denen 28 die europäische Union bilden. Eines davon ist mit den Zuständen nicht mehr einverstanden und hat seine Kündigung ausgesprochen. Doch statt Großbritannien nun einfach eines von dann 181 nicht europäischen Ländern werden zu lassen, wird ein Affenzirkus veranstaltet, der sondergleichen sucht.

Weil es mehr ist, aber niemand wagt auszusprechen: Krieg! Ein Krieg dient dazu, dem Gegner seinen Willen aufzuzwingen und sich selbst Vorteile zu verschaffen. Um nichts anderes geht es in diesen “Verhandlungen”. Mit den anderen 180 Ländern zickt man nicht in dieser Art und Weise herum. Mimt die EU also die beleidigte Leberwurst? Sieht danach aus und würde zu den Brüssler Möchtegern Paladinen passen.

Vielleicht sollte man diesen EU-Vertrag grundsätzlich infrage stellen, denn er scheint für unzufriedene und trennungswillige Vertragspartner nachteilig zu sein. Hürden wurden installiert, um einen Ausstieg so unattraktiv wie möglich zu machen. Was sind das für Vertragsbedingungen, die den Weg rein, aber nicht wieder heraus vorsehen? Sind Einbahnstraßen neu akzeptierte Parameter? Mitgefangen, mitgehangen? Das gleicht einer Diktatur, aber nicht einem respektvollem Umgang auf Augenhöhe. Aber dieses Bevormundungsgebaren ist ja inzwischen auf allen Ebenen gang und gäbe.

Ich sehe das zu blauäugig? Warum? Natürlich ließe sich diese Trennung einfach(er) vollziehen – man WILL nicht.

Notwendiger Appell: Hört auf es zwanghaft kompliziert zu machen, denn egal wie, hinterher müsst ihr doch wieder miteinander reden. Also lasst das Porzellan heil, damit ihr später nicht am Zusammenkleben scheitert. Krieg ist immer ein Zeichen der Unfähigkeit anders keine Ergebnisse erzielen zu können und war noch nie die Lösung, nicht mal Ziel fördernd.

Überdies ist der Brexit kein Novum. 1985 gab es schon einen Gröxit, als Grönland seine Mitgliedschaft aufkündigte. Natürlich kann man beide Vorgänge jetzt auf die Goldwaage legen und kleinteilig sezieren oder gleich pauschalisieren, dass sie nicht vergleichbar sind. Sicher, kann man, es ändert aber nichts an der Tatsache, dass ein Land aus dem EU-Staatenverbund ausgetreten ist. Gab es damals ein ähnliches Theater? Meines Wissens nicht.

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Lässt sich der Brexit recht­lich noch stoppen? (LTO)