Deutsche Hinterwäldler

Mit der Kennzeichnung “Made in Germany” wollten die Engländer unsere vermeintlich mangelhaften Produkte vom Rest unterscheiden können. Bekanntlich ging diese Rechnung nicht auf und nach Hinten los. Auf Lorbeeren lässt sich kurzzeitig ausruhen, rafft man sich dann aber nicht rechtzeitig wieder auf, verpasst man einen Zug nach dem anderen.

Hauptsächlich den CSU Hinterwäldlern haben wir es zu verdanken, dass Deutschland ein ums andere Mal sitzen bleibt. Vor allem in technischen Disziplinen haben wir den Anschluss verloren. Behindert von der eigenen Fettleibigkeit, laufen auch Denkprozesse auf Sparflamme, um Energie zu sparen. Sich dann im Dickicht seiner Regelungssucht verzetteln, wo die hilflos zappelnden Arme als Richtungsweiser interpretiert werden und heilloses Chaos verursachen, könnte urkomisch sein, wenn es nicht so bitter armselig wäre.

Des deutschen liebstes Kind sind seine Normen, Regeln, Vorschriften und der ganze Rattenschwanz aus Verwaltungs- und Vereinsmeierei. Ohne an die Hand genommen zu werden, scheinen wir Bewegungsunfähig und würden auf der Stelle erstarren. Mit unserer kleinteiligen Regelwut haben wir allerdings inzwischen ebenfalls den Stillstand erreicht. Tief im zähen Morast eingesunken, wird in Zeitlupe agiert. Die nächste Hitzewelle könnte den Sumpf aushärten und uns zum Dasein als Statuen verdonnern. Es einfach machen, ist uns ein Garaus, insbesondere den Politikern. Dabei spielt es keine Rolle, wie “einfach” und “machen” betont werden, um unterschiedliche Bedeutungen auszudrücken. In Kombination mit “einfach” gerät unsereins in schwere Konflikte.

Das Possenspiel um den kommenden Mobilfunkstandard 5G ist lediglich ein weiterer Akt eines unerträglichen Trauerspiels. Aber den Selbstdarstellern sind ihre Auftritte nicht peinlich, weil dafür ein Schamgefühl notwendig ist. Mit einem solchen wäre allerdings keine Politik nach ihrem Verständnis möglich. Dabei gäbe es noch andere nützliche Eigenschaften, die von Vorteil wären, Erkenntnis und Weitsicht zum Beispiel. Klugheit wäre auch nicht schlecht, aber ich lasse das mal lieber jetzt …

An mehreren Stellen schrieb ich über die Pfeife Dobrindt, was auch vom Bundesrechnungshof so gesehen wird. Darauf könnte ich mir vielleicht etwas einbilden, angesichts der haarsträubenden Folgen seiner Regentschaft, kommen mir aber eher drastischere Maßnahmen in den Sinn, die ich lieber nicht ausführe.

Insgesamt liefert unsere Regierungsriege eine klägliche Leistung ab. Weil das Publikum nicht den Saal verlässt und lautstark seinen Unmut kundtut, schweben die Versager weiter auf Wolke 7. Sehr betrübliche Aussichten.


Oh, ich sehe gerade, dass dies der 100. Beitrag ist 🙂 Dann will ich mich mal selber Beglückwünschen 😉 Auf die nächsten 100 – Sorgen, dass mir keine Vorlagen mehr geliefert werden, brauche ich mir ja nicht zu machen …


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