Endstation Politfilz

„Vitamin B“ hat als Synonym für „Beziehungen“ seinen Platz in unserem Sprachschatz gefunden. Ins Abseits geraten ist die Redewendung, „wer nichts wird, wird Politiker“. Die damit ausgedrückten Kombination aus Profilierungssucht, Machtstreben und Unfähigkeit hat sich als unvermeidbar erwiesen. Zudem wurde die Kombi dank YouTube zur Massenhysterie, weshalb die Unzulänglichkeiten heutiger Politiker kaum noch Beachtung finden. In diesem Zuge ist die Vorteilsnahme „aus“ dem Amt vom Radar der Leute verschwunden. Schon immer existent, gewinnt sie in Zeiten wirtschaftlicher Dominanz an Brisanz. Politiker degradieren sich zu Befehlsempfängern der Geldmacht, weshalb ein »Seitenwechsel« heikel ist. Häufig resultiert deren politische Laufbahn aus fraglicher Qualifikation für eine Wirtschaftskarriere, reicht jedoch für einen zügigen Aufstieg im Politzirkus, was wegen der meist kurzen Verweildauer erstrebenswert ist. Am Ende locken lukrative Posten in der Wirtschaft, die auf herkömmlichen Weg unerreichbar wären. Notfalls schaffen Unternehmen sogar erst Positionen für scheidende Politiker. An den fetten Trögen ist nicht für jeden unnützen Politiker Platz. Damit diese nicht darben müssen, was angesichts weiter gezahlten Gehälter/Pensionen nicht der Fall ist, oder sich nutzlos langweilen, werden sie innerhalb des System verteilt. Jegliche Eignung spielt wie im Politikgeschäft keine Rolle. Als Reste-Rampe stehen in unserem Verwaltungsverliebten Land viele Möglichkeiten bereit. Zum Beispiel im Öffentlich Rechtlichen Rundfunk (ÖRR), der nicht „Staatsfunk“ gescholten werden will. Wer aber derart von Politikern durchzogen ist, stets konform und wohlgesonnen berichtet, verdient sich diese Bezeichnung. Zweifellos ist die europäische Politikbühne bei den Überflüssigen ungleich beliebter. Bedauerlicherweise dürfen sie hier dann am ganz großen Rad drehen – zu unser aller Verhängnis. War der Politfilz schon immer ein lästiges Übel, erreicht die Filzokratie gefährliche Ausmaße. Verstrickungen und Entscheidungsfindungen sind nicht mehr oder nur schwer nachvollziehbar. Hinterzimmer Mauscheleien dienen der Übervorteilung bereits Bevorzugter und Ausbau des Vitamin B Speichers. Mangels adäquater Mittel zur Gegenwehr, ertragen die Bürger das Geschehen. Aber die Herrschergilde hat sich schon oft in Sicherheit gewogen … bis der Faden bei den Untertanen riss.

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