Österreichs Seifen-Oper

Es scheint ein Widerspruch zu sein, kann doch in der Schwäche Stärke liegen. Gerät man in eine Opferrolle, steigen die Sympathiebekundungen. Nun ist dem fehlerbehafteten System Mensch keine Methode zu feist, um sich im allgegenwärtigem Machtkampf Vorteile zu verschaffen. Und solange keine Wahrheiten ans Tageslicht kommen, was gerade im Politik-Zirkus eher unüblich ist, stört sich auch niemand an der schmutzigen Wäsche. Obwohl die abwegigste These bereits laut Gedacht wurde, erhielt sie umgehend den Stempel der Verschwörungstheorie. Es ist ja auch viel einfacher das Naheliegendste als logische Erklärung zu rechtfertigen. Die SPÖ diskreditiert den Spitzenkandidaten der gegnerischen ÖVP, um sich bei der anstehenden Nationalratswahl mehr Zuspruch zu verschaffen. Nun gut, Naivität gehört auch zu den menschlichen Lastern. Zu Glauben, eine derartig durchsichtige Vorgehensweise fällt nicht automatisch auf einen zurück, ist schon verboten Einfältig. Erweist sich diese These am Ende als zutreffend, hat man sich selber einen schwer reparablen Schaden zugefügt. Selten dämlich, aber nicht unvorstellbar. Natürlich forciert die betroffene ÖVP die Aufmerksamkeit auf diese Theorie. Dass sie der Initiator dieses Schmierentheaters sein könnten, ist ja auch abwegig, geradezu absurd. Wirklich? Sie ist doch der unangefochtene Profiteur. Das geschundene Kind, das mit traurig treuen Augen seine blütenweiße Weste vorzeigt. Total unschuldig und alleine der Gedanke, es könnte anders sein, ist ein Verrat der Integrität. Weil aber allerorts die Bandagen härter und der Ton rauer wird, um Macht zu erreichen, sollte gerade Abwegiges nicht leichtfertig beiseite geschoben werden. Wer hätte schon VW einen solchen Betrug zugetraut? Wie dem auch sei, in Österreich wird im Schmutz gewühlt. Ob sich so die Wahrheit finden lässt, oder lediglich Indizien als solche verkauft werden, wird sich zeigen. Zweifel sollten jedoch nicht voreilig ad acta gelegt werden. Egal welche vermeintlichen Ergebnisse letztlich präsentiert werden, das Ansehen der Politik im Allgemeinen wird den größten Schaden davon tragen.

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