Verdrehte Demokratie

Stellt man etwas auf den Kopf, lässt sich wohl noch deren ursprüngliche Bedeutung erkennen, aber zweifelsohne wird sich am Ende die fälschliche Nutzung nachteilig auswirken. Gerade bei offenen Behältnissen verflüchtigt sich deren Inhalt meist schneller, als es einem lieb ist. Was mit Gegenständen noch recht einfach vorzustellen und /oder darstellbar ist, klappt auch mit Worten und insbesondere deren Bedeutungen. Die Redewendung von den im Mund umgedrehten Worten hat nicht umsonst ihre Bewandtnis gefunden.

Seit geraumer Zeit wird der Großteil der Menschheit darauf konditioniert, vormals anerkannte Zusammenhänge im verdrehten Modus zu lernen, zu akzeptieren und letztlich zu verinnerlichen. Früher abgelehnte Verhaltensmuster dienen jetzt dem eigenen Benutzererlebnis und können daher nur willkommen sein – wer will sich schon um sein Benutzererlebnis bringen? Vielfach sind diese neuartigen Wortklaubereien zwar ärgerlich und /oder lästig, auch durch ihre Begleiterscheinungen, aber auf Einzelne beschränkt. Ja, auch wenn Entscheidungen bei Facebook zwei Milliarden Menschen gleichmäßig erfassen, betreffen die Auswirkungen jede Person separat für sich, die schließlich auch die Wahl hat, sich abzumelden.

Schwerwiegender gestaltet es sich im politischen Umfeld, wenn gesellschaftliche Auswirkungen und/oder Veränderungen im Gefolge lauern. Verstärkt werden aktuell Demokratie, Sicherheit und Freiheit herausgefordert. Allerdings kämpft die Gegenseite mit unfairen Mitteln: den im Mund verdrehten Worten. Rücksichtslos werden Begriffe gemischt, unüblich verknüpft und mit neu gewichteter Bedeutung den ausgelieferten Bürgern um die Ohren geschleudert. Und wer es nicht versteht oder verstehen will, bekommt das schlechte Gewissen gleich mit hinterhergeworfen.

Freiheit gibt es nur durch Sicherheit, die nur mit entsprechender Überwachung gewährleistet werden kann, wovon am Ende eine funktionierende Demokratie abhängt und auf Privatsphäre besteht nur, wer etwas zu verbergen hat. Nein, eine Nummer kleiner war ausverkauft …

Nun mal die Füße still gehalten und aufklären lassen. Apropos Aufklärung, das gleichnamige Zeitalter (ca. 1650 bis 1800) markiert die Anfänge zu den heute bekannten und vorherrschenden Gesellschaftsformen, hauptsächlich der Demokratie.

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