beA … chtlich

Das Thema ist gegessen. Sicher? Mundet es? Kaum kaubar, weil staubtrocken, musste es als dicker Brocken die Speiseröhre regelrecht runter gepresst werden und fristet jetzt unverdaulich im Magen sein Dasein. Niemand weiß, ob das Desaster wieder hochgewürgt werden muss oder gar zu Vergiftungen führt. Dass dieses Mahl derart unverdaulich geriet, liegt an allen Beteiligten. Die Gründe sind aber weniger im sachlichen Unvermögen, als im zweifelhaften Verhalten zu suchen, womit das Menü einen ekligen Beigeschmack erhält. Von Berufswegen sind die Verantwortlichen nur dem Gesetz und ihrem Gewissen verpflichtet. Doch hinter diesem asketischen Ansatz verbirgt sich ein explosives Gemisch mit enormer Sprengkraft.

Die Auftraggeber mögen keine Computer Fachleute sein, aber es sind mit Sicherheit keine “dummen Jungs”. Alle sind studierte Juristen, die als Anwälte oder Richter arbeiten und bestimmt nicht auf den Kopf gefallen sind. Wenn diese Leute nun das erzielte Ergebnis und das gesamte abgelaufene Prozedere mit reinem Gewissen als beste, als richtige, als korrekte, als allen Anforderungen und Ansprüchen gerecht werdende Lösung deklarieren, ja dann, dann sollte uns allen Angst und Bange werden!

Nicht wegen den technischen Unzulänglichkeiten, die einfach nur peinlich sind. Sondern wegen der Abläufe, Zusammenhänge und wirtschaftlichen Komponenten, die wie gammeliger Fisch zum Himmel stinken. Selbst im Anschluss folgten auf großspurigen Ankündigungen nur kleine Krümel, wie sie so gerade eben in deren Kram passten. Doch weiterhin präsentiert man sich mit breiter Brust als wahrhaftig und rechtschaffen. Das zudem die Anwaltschaft verpflichtet ist, das ungenießbare Fraß nicht nur zu essen, sondern vor allem zu bezahlen, ist schon so grotesk, dass eine Portion Schadenfreude zur Würzung gehört.

Ausschlaggebend bleibt aber die Gewissensfrage. Was die Vorreiter sämtlicher Anwälte hier an den Tag gelegt haben, macht keinen Mut. Wer in dieses Räderwerk gerät, kann nur hoffen, an jemanden aus dem abnehmenden Kreis von ehrlich gewissenhaften Personen zu geraten. Insgesamt erinnern die Vorgänge rund um das beA an mafiöse Machenschaften … aber das ist bestimmt nur ein geschicktes Täuschungsmanöver – wofür auch immer.

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