Achtung, Profit Wilderer!

Alle aus der Schusslinie! Schießwütige mit Schaum vorm Mund sind auf freier Wildbahn gesichtet worden.

Dem Bauernverband interessiert Natur nur insoweit sie einen Zweck erfüllt und die eigenen Taschen stopft. Erst wenn sie zum Sachwert gewandelt wurde, wird dieser Teil beschützt. Jede Gefährdung wird bekämpft. Jede Mittel sind gerechtfertigt. Alle Maßnahmen ohne Zweifel zulässig. Skrupel schmälern Gewinne und sind daher verpönt. Beschränkt und kurzsichtig wird alles nieder getrampelt und notfalls mit Totschlags-Argumenten nieder gekeult. Hat man alle legalen Wege ausgeschöpft, die Gefahr aber noch nicht gebannt, wird nach neuen Gesetzen gerufen, die auch drastischere Vorgehensweisen ermöglichen. Der Feind muss schließlich vernichtet werden, droht ansonsten der ganzen Nation Ungemach biblischen Ausmaßes.

Ist der Mensch zwar für die Ausbreitung der Schweinepest verantwortlich, übertragen letztlich Wildschweine die Erreger auf ihre domestizierten Artgenossen. Unterstrukturierte Denkprozesse kommen da schnell auf die naheliegendste, ebenso einfach gestrickte Lösung, die Wildschweine abzuschießen. Am Besten gleich alle, um ganz sicher zu gehen. Außer als Wildschweinbraten sind die doch eh nutzlos.

Und wo man die Flinten gerade im Anschlag hat, lassen sich doch auch gleich die Wölfe wieder ausrotten. Die verbreiten sich nämlich völlig ungefragt wieder über unser Land und vergreifen sich ungeniert am kostbaren Zuchtvieh. In Zoos und anderen Ländern können die ja hausen, aber hier sind sie in freier Wildbahn unerwünscht.

Wer glaubte, dem Bauer liegt Natur um der Natur Willen am Herzen, dürfte enttäuscht sein. Dabei zeigen deren Monokulturen, industrielle Bewirtschaftung und vergiftete Umwelt schon lange, dass es lediglich eine durch optimierte und grenzenlos auspressende Wirtschaftsmaschinerie ist, die extrem anfällig für Störeinflüsse ist. Andererseits ermöglicht sie ihren Herren einzigartige Argumentationen, denn Ernährung wird überall als elementar anerkannt.

Der Bauernverband unterscheidet sich nicht von anderen Lobbyisten. Laut schreien, ordentlich auf den Tisch hauen und den sterbenden Schwan mimen. Gehört bei allen Übertreibung zum Standardrepertoire, sind die Forderungen in diesem Fall mit nachhaltigen Folgen verbunden. Die weitreichenden Eingriffe in natürliche Kreisläufe fallen uns bereits auf die Füße. Den Bogen immer weiter zu überspannen, zeugt von seltener Dämlichkeit und Ignoranz. Die Natur auszuschlachten, heißt, sie zu töten. Wer die Konsequenzen daraus nicht begreift, hat vielleicht schon zu viel Gift inhaliert.

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