Amazon nutzt menschliche Schwäche aus

Geschickter kann man es kaum anstellen, wie Amazon Bürgermeistern amerikanischer Großstädte den Schweiß aus den Poren treibt und hektischen Aktionismus auslöst. Der größte Online Händler hat da mal in den Raum geworfen, er suche einen Standort für eine zweite Zentrale. Die Aussicht auf 50.000 Arbeitsplätze lässt nun jede Vernunft und Anstand über Bord gehen. Wie in einer Casting-Show machen sich gestandene Politiker zum Affen. Bereits ansässige Unternehmen in den Städten dürften vor Verwunderung die Augen austreten, ob der Zusagen die Amazon für eine Ansiedelung erhält. Natürlich ist dies ein gängiges Prozedere, obwohl hier scheinbar doch recht extrem gepokert wird. Darum geht es auch nicht. Auf obzöne Weise offenbart sich eine menschliche Schwäche, die Amazon gnadenlos ausnutzt: Gier! Nun kennt sich Amazon damit Bestens aus, ist es doch selbst unersättlich und spielt die Klaviatur der Nutzer Sehnsüchte inzwischen fast fehlerfrei. Für ein erstklassiges Filet wird der Mensch nun mal zum Tier. Deshalb ist der Schachzug zwar geschickt, aber vor allem ist er Nahe liegend. Die Frage ist nur, ob die Reaktion die einzig mögliche ist? Und das ist der springende Punkt. Nein, ist sie eben nicht! Statt sich gegenseitig zu zerfleischen, kann man den Spieß auch umdrehen. Nicht nachgeben; nicht zu Kreuze kriechen; nicht nach Amazons Pfeife tanzen, sondern mit den eigenen Waffen schlagen und auf maximalen Ertrag setzen. Klar ginge das, wenn sich die Bürgermeister absprechen. Aber da taucht die nächste Fehlbarkeit des Menschen auf: Einer tanzt immer aus der Reihe und die Schlacht beginnt von Vorne.

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