Erzwungene Obsoleszenz

Es ist zum Kotzen! Diese drastischen Worte sind nötig, um wenigstens halbwegs das niederträchtige Vorgehen der technischen Industrie auszudrücken. Deren Haltung verdient keine milden Schönfärbereien. Mit vor Stolz geschwellter Brust neue Produkte präsentieren ist schön und gut — aber warum muss das alle halbe Jahre sein? Sind die Irre? So werden Hightech Entwicklungen zu Wegwerfprodukten degradiert. Dafür die ganze Mühe und der Aufwand? Oder sind die Unterschiede vielleicht marginaler, als uns weis gemacht werden soll? Zweimal im Jahr 1.000 Euro für ein neues Modell ausgeben, mag der Industrie gefallen, ist aber hirnrissig und fern jeder Realität. Weil man das natürlich weiß und in der Position ist, dem Entscheidungsprozess nachzuhelfen, wird hierfür jede Möglichkeit skrupellos genutzt. Obsoleszenz schimpft sich dieser Vorgang — mit anderen Worten, geplante Zerstörung. Bei den Methoden ist die Industrie nicht zimperlich, zieht ihr Vorgehen gnadenlos durch und mimt dennoch den Unschuldsengel. Nötig wären diese hinterhältigen Betrügereien nicht. Verantwortlich ist hauptsächlich das Dogma vom Wachstum. Dahinter verbirgt sich die unersättliche Gier der Aktionäre. Wie mit der Peitsche getrieben, muss die Industrie permanent Neues liefern und den Konsumenten schmackhaft machen. Da lösen zwielichtige Mittel kein schlechtes Gewissen aus, sondern dienen dem Zweck. Stellt sich heraus, dass die bejubelten Geräte mit der heißen Nadel gestrickt sind, Qualität oberflächliche Fassade ist, es darunter aber faulig stinkt, muss endlich ein Kurswechsel stattfinden. Angeblich entspricht dieses „schnell schnell“ unserer heutigen Zeit. Mit welchem Sinn? Das ist substanzlos. Warum nicht kurze Produktzyklen gegen eine gründliche und nachhaltige Entwicklung tauschen? Warum Käufer einen Bedarfsmangel suggerieren, wo keiner ist? Wenn die Geräte so Super sind, warum dürfen sie nicht einige Jahre ihren Dienst verrichten und ihre angepriesene Qualität unter Beweis stellen? Auch wenn die Unternehmen es nicht wahr haben wollen, aber Wachstum ist begrenzt. Wenn bloß die Konsumenten bewusster agieren würden, das wäre schon ein Fortschritt.

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