Huawei auf verlorenem Posten

Es ist schon schwierig. Da drängt das Heimatland massiv auf die Weltmärkte und subventioniert entsprechende Ambitionen der Unternehmen, wenn es nicht sogar selbst aktiv wird. Den IT Hardware und Software Herstellern spuckt die Regierung mit ihrer Überwachungsneurose allerdings derart heftig in die Suppe, dass sie auf immer mehr Ablehnung stoßen. Für den weltweit operierenden Netzwerkausrüster Huawei, der zudem einer der größten ist, dementsprechend seine Komponenten weit verbreitet und an essenziellen Schnittstellen verbaut sind, entwickelt sich die grassierende Skepsis zum Desaster.

Möglicherweise sind die geäußerten Zweifel unberechtigt und nicht beweisbar, doch der Schaden ist angerichtet und Huawei sitzt in der Falle – wie eine wehrlose Maus in die Ecke gedrängt. Da nützen alle Beteuerungen nichts. Selbst jede Zeile Code offen legen, wird nicht mehr helfen. Die Aura des alles sehenden Politiker-Auges vergiftet jedes Renommee.

Und ein Ende ist noch nicht mal abzusehen. Wenn die Regierungschefs sagen, wir misstrauen Huawei, wird sich das auf die Bevölkerung auswirken – das sind menschliche Prozesse, die unbewusst ablaufen und sich nur beeinflussen lassen, wer seinen Kopf benutzt. Bei der nächsten Entscheidung für ein Smartphone dürfte Huawei aus dem Rennen sein. Der eroberte zweiten Platz im Ranking der Smartphone-Produzenten wird bald passé sein.

Chinas Vormarsch mag aus ökonomischer Sicht begrüßt werden. Die einhergehende Knechtschaft stößt verständlicherweise auf Widerstand. Mögen viele Länder selbst mit einer weitreichenden Überwachung ihrer Bürger liebäugeln, sind die Menschenrechtsverletzungen in China dann aber doch (noch?) nicht tolerierbar. China schießt sich damit ins eigene Knie. Um nicht ins Straucheln zu kommen, würde nur helfen, die “Vorzüge” ihrer Politik zu exportieren. Dafür stehen die Chancen gar nicht mal so schlecht, wie man meinen sollte. Ein Blick durch die Welt verheißt in diesem Punkt nichts Gutes.

Insofern sind die Vorhaben von Apple und Google, sich für den chinesischen Markt fein zu machen, gerade nicht hilfreich. Die Begleiterscheinungen – protestierende Mitarbeiter, säubern der App-Stores, filtern und zensieren der Angebote – erhalten genügend Aufmerksamkeit, um sich negativ auf jegliche chinesischen Verknüpfungen auszuwirken.

Zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt platzt jetzt die Verhaftung Huaweis Finanzchefin in die ohnehin angespannte Lage. Erweisen sich die Vorwürfe, das Handelsembargo gegen den Iran umgangen zu haben, als belastbar, ohne mal das Embargo selbst zu bewerten, droht dem Unternehmen anhaltende Schwierigkeiten. In diese geschwächte Position hätten sie sich dann allerdings selbst bugsiert.

Sollte ich vorsorglich mein Huawei Smartphone austauschen? Ich bin mir da nicht sicher …

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