Neoliberale Ungleichung

Unternehmen sind darauf fokussiert, dass auf der Ergebnisseite ein Faktor über alles thront und umso größer und fetter dieser ist, umso besser: Profit! In der Reihe der Zulieferer sorgt hingegen ein Umstand für schlechte Laune: Mitarbeiter! Überall der unangenehmste Kostenproduzent; überall die unter größtem Druck stehende Einheit. Effizienz ist das Wirtschaftsmantra neoliberaler Zeitrechnung. Erstes Ziel und Dauerbrenner ist die Optimierung der Ressource Arbeit, womit die damit verknüpften Menschen direkt betroffen sind. Nach dem Wirtschaftsprinzip – minimaler Einsatz/maximaler Ertrag – bietet die Arbeitskraft gleich zwei Gestaltungsansätze für dieselbe Maßnahme: möglichst wenig. Die Arbeitslast auf möglichst wenig Schultern verteilen und diese möglichst wenig entlohnen.

Soweit, so bekannt. Doch so sehr ich mich auch bemühe, klafft da eine Lücke, die ich nicht geschlossen bekomme: Mitarbeiter sind Verbraucher, die mit ihrem Einkommen konsumieren und Einnahmen für die Unternehmen generieren sollen. Entlässt man diese nun Massenhaft, zahlt dem verbliebenen Rest gerade mal das vorgeschriebene Minimum und lagert die meiste Arbeit in Billiglohnländer aus, dann soll bitteschön wer für Umsatz sorgen?

Wer soll denn all das kaufen, was mit der umfangreich personalisierten Werbung penetrant unter die Nasen gerieben wird? Woher soll das Geld stammen, dass aus leeren Taschen gezogen werden soll?

Sich durch aufwendige Steuervermeidungskonzepte nicht an der sozialen Gemeinschaft beteiligen, aber ungeniert deren gesellschaftlichen Errungenschaften ausnutzen, um den eigenen Profit zu steigern, ist das eine. Gewinne mit Geld erzeugen und steigern zu wollen, dass man selbst nicht zahlen will, das andere. Ernten ohne in Saat zu investieren? Ja, die Finanzzocker haben da auch ihre Zaubertricks, um die staunende Zuschauerschaft zu täuschen – Politiker inbegriffen.

Unabhängig davon, dass diese unsägliche Datensammelei nahezu nutzlos ist und sich selbst ad absurdum führt, verwundert die sture Beibehaltung der Ungleichung. Ich dachte, da seien studierte, intelligente Leute beteiligt – muss ich mich wohl getäuscht haben. Kurzfristig gesehen – zeitgeschichtlich betrachtet – mag das letzte Vierteljahrhundert lukrativ gewesen sein, steht durch seine haltlose Konstruktion aber auf tönernen Füßen. In seiner begrenzten Herrschaftspanne will der Geldadel goldene Früchte genießen, weshalb nur das eigene Wohl Beachtung findet und (zukünftige) Folgen seines Handelns uninteressant sind.

Andererseits macht die gut angepasste Werbung den Mund wässrig, worauf folgt, dass die Menschen ständig feststellen, wie leer ihre Taschen sind und sie daran scheitern, die in ihnen entfachten Wunschträume zu realisieren. Aus Frust wird Ärger, wird Wut, wird Gewalt, werden Straßenschlachten, Stadionprügeleien, Feindseligkeiten, Hetzjagden – wird Hass.

Bravouröse Leistung der Wirtschaft … wirklich kolossal – vermasselt!

P.S. Mir lag noch die Frage auf der Zunge, ob man dort die Einschläge nicht merkt … hat sich von alleine beantwortet …

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