Straffreie Erpressung

In einer Studie fand man an der Universität Karlsruhe heraus, dass potentiellen Kunden nicht nur unterschiedliche Preise desselben Hotels präsentiert wurden, sondern sogar eine abweichende Sortierung der Angebote. Als Ursache wurden die personifizierten Profile ausgemacht. Die gesammelten und zusammengeführten Daten beeinflussten nachweislich die gezeigte Auswahl an Unterkünften.

Logisch, dass sich mit diesen Möglichkeiten Hoteliers die Pistole auf die Brust setzen lässt und so der ein oder andere Euro zusätzlich erzielt werden kann. Vor dem Internetzeitalter nannte man diese Praktiken Erpressung und war eine Straftat. Seitdem hat sich viel geändert. Im Zuge der Verpflichtungen zum unerbittlichen Wachstum wurden ehemals schändliche Handlungsweisen legitimiert und der Gesellschaft als zu akzeptieren aufgezwungen. In der Folge sanken auf breiter Ebene immer weiter jegliche Hemmungen.

“Aus großer Macht erwächst große Verantwortung”, bekam schon Peter Parker von seinem Onkel mitgegeben. Verantwortung ist allerdings ein Profitgenerierungshinderniss, weswegen es in Wirtschaftskreisen unbekannt ist. Die sogenannte “New Economy” fühlt sich davon überhaupt nicht mehr angesprochen, obwohl sie es inflationär in den Mund nimmt und für sich annektiert. Am deutlichsten demonstrieren eben die angeblichen Vergleichsportale den Machtmissbrauch. Von den Verbrauchern aufgrund der vermeintlichen Objektivität und des praktischen Nutzens fast schon verehrt, wissen die Macher natürlich diese Stellung eiskalt in klingende Münzen umzuwandeln. Der “gute Ruf” zählt schon lange nichts mehr, weshalb sie sich ungeniert bedienen, wo sie nur können.

Ohne Frage sind Vergleichsportale eine hilfreiche Anlaufstelle. Deren Ergebnissen aber unkritisch einfach anzunehmen, ist dagegen ziemlich blauäugig. Natürlich setzen die Anbieter gerade auf diese Naivität, lässt sich damit am besten Geld verdienen.

Doch dieses Vorgehen ist nicht auf Vergleichsportale beschränkt. Vor allem Amazon ist mit ähnlichen Methoden bereits schon mehrfach unangenehm aufgefallen. Trotzdem sind die Nutzer dämlich genug, dem Zerstörer über 17 % Wachstum in 2018 zu bescheren.

Die Konsumenten entscheiden über Wohl oder Vergehen, wenn, ja wenn … ach lass wir das …

Und Politik? Die hat sich in ihrer Regelwut längst verirrt und folgt hilflos jedem Lobbyisten Geschrei. Sinnvolle Unterstützung kann aus dieser Richtung nicht mehr erwartet werden.

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Auch ein Quengler freut sich über Zuwendung.