#kurzhalt

bissiges Dazwischengequatsche

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Wirtschaft

Moral nicht profitabel


02.04.2018

“Werte” suggerieren eine falsche Bedeutung, denn nach heutigen Maßstäben sind sie wertlos. Vernunft, Verantwortung, Respekt, Ehrlichkeit, Toleranz – alles Schatten ihrer selbst. Eine Folge der Vernichtung der Basiswerte: Moral und Ethik wurden zuerst eliminiert. Initiiert von der Wirtschaft, denen diese Aspekte schon lange lästig waren. Im Zuge des vorangepeitschten Neoliberalismus’ hatte nur eine Devise Gültigkeit: Wachstum. Hierfür waren Moral und Ethik mit ihren Begleiterscheinungen eine zu starke Bremse, weshalb sie kurzerhand ausgemerzt wurden. Ohne Störenfriede wuchsen die Unternehmen zu Größen, die Konkurrenz nicht fürchtet und noch weniger duldet. Heimtückisch wird der Markt beobachtet. Schickt sich das Produkt enthusiastischer Entwickler an, einen Achtungserfolg zu erzielen, wird gnadenlos zugeschlagen. Es wird kopiert oder gleich das Grundwissen geklaut. Wegen ihrer Marktmacht können sie Bestandteile günstiger einkaufen und den Preis des Originals unterbieten. Ihre größere Präsenz in den Geschäften und mehr Werbung verdrängt die Wahrnehmung der Konsumenten zusätzlich. So ist die Wirtschaft nicht mehr nur auf eigene Innovationen und Entwicklungen angewiesen. Damit ist deren Skrupellosigkeit längst nicht am Ende. Wagt ein kleiner Erfinder den Widerstand, wird er eiskalt zerquetscht. Kompromisslos wird seiner Existenz der Garaus gemacht. Der private Exitus wird dabei billigend in Kauf genommen, weil er die Diebe schlichtweg nicht interessiert. Moral und Ethik? Fehlanzeige. Aussortiert, weil sie Antipoden des Profits sind. Nur eine Moral fordern sie erbittert ein: Die Zahlungsmoral ihrer Kunden. Erschreckend ist das Abfärben dieser abstoßenden Haltung auf die “normale” Bevölkerung, obwohl es eine logische Folge ist. Menschen führen Unternehmen und was Vorteile verspricht, breitet sich wie ein Virus aus, denn niemand will abgehängt werden. Die Resultate sind weltweit unübersehbar. Abgrenzungen und Aggressionen nehmen zu. Lediglich Konsum kühlt noch die Gemüter. Die Abschaffung der Werte erweist sich für die Wirtschaft als profitabel, was das alleinige Ziel ist – der Rest ist wertlos.
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Erzwungene Obsoleszenz


11.01.2018

Es ist zum Kotzen! Diese drastischen Worte sind nötig, um wenigstens halbwegs das niederträchtige Vorgehen der technischen Industrie auszudrücken. Deren Haltung verdient keine milden Schönfärbereien. Mit vor Stolz geschwellter Brust neue Produkte präsentieren ist schön und gut — aber warum muss das alle halbe Jahre sein? Sind die Irre? So werden Hightech Entwicklungen zu Wegwerfprodukten degradiert. Dafür die ganze Mühe und der Aufwand? Oder sind die Unterschiede vielleicht marginaler, als uns weis gemacht werden soll? Zweimal im Jahr 1.000 Euro für ein neues Modell ausgeben, mag der Industrie gefallen, ist aber hirnrissig und fern jeder Realität. Weil man das natürlich weiß und in der Position ist, dem Entscheidungsprozess nachzuhelfen, wird hierfür jede Möglichkeit skrupellos genutzt. Obsoleszenz schimpft sich dieser Vorgang — mit anderen Worten, geplante Zerstörung. Bei den Methoden ist die Industrie nicht zimperlich, zieht ihr Vorgehen gnadenlos durch und mimt dennoch den Unschuldsengel. Nötig wären diese hinterhältigen Betrügereien nicht. Verantwortlich ist hauptsächlich das Dogma vom Wachstum. Dahinter verbirgt sich die unersättliche Gier der Aktionäre. Wie mit der Peitsche getrieben, muss die Industrie permanent Neues liefern und den Konsumenten schmackhaft machen. Da lösen zwielichtige Mittel kein schlechtes Gewissen aus, sondern dienen dem Zweck. Stellt sich heraus, dass die bejubelten Geräte mit der heißen Nadel gestrickt sind, Qualität oberflächliche Fassade ist, es darunter aber faulig stinkt, muss endlich ein Kurswechsel stattfinden. Angeblich entspricht dieses "schnell schnell" unserer heutigen Zeit. Mit welchem Sinn? Das ist substanzlos. Warum nicht kurze Produktzyklen gegen eine gründliche und nachhaltige Entwicklung tauschen? Warum Käufer einen Bedarfsmangel suggerieren, wo keiner ist? Wenn die Geräte so Super sind, warum dürfen sie nicht einige Jahre ihren Dienst verrichten und ihre angepriesene Qualität unter Beweis stellen? Auch wenn die Unternehmen es nicht wahr haben wollen, aber Wachstum ist begrenzt. Wenn bloß die Konsumenten bewusster agieren würden, das wäre schon ein Fortschritt.
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Die dunkle Macht


16.12.2017

Beträchte man die HSBC Bank als eigenen Staat, wäre dieser weltweit der fünft größte. Die damit verbundene Macht kann sich kaum einer vorstellen, unabhängig davon, dass deren Machenschaften außerhalb des Wahrnehmungsbereichs liegen – Erfassen und Verstehen liegt da in weiter Ferne. Verstrickungen, Zusammenhänge und Auswirkungen sind derart komplex, dass jeder Erklärungsversuch nur kläglich scheitern kann. Von Schotten in Asien aus der Taufe gehoben, steht HSBC für Hongkong & Shanghai Banking Corporation. Einzig gegründet, weil die dick im Drogengeschäft tätigen Kaufleute eine Bank brauchten. Seit dem hat sich an deren anrüchigen Betätigung wenig geändert. Ob nun Swiss-Leaks, Panama- oder Paradise-Papers, die HSBC ist einer der Hauptakteure. Für die Expansionspläne Chinas ist sie die Speerspitze, um in westliche Märkte vorzudringen. Vom kleineren Kaliber, aber nicht weniger verrucht, sind die Vorgänge um die italienische Bank Monte dei Paschi. Obwohl hoch verschuldet, erlaubte man ihr eine Mitbewerberin zu übernehmen, die einige schnelle Besitzerwechsel hinter sich hatte, weil sie sich zu einem brandgefährlichen Risiko entwickelt hatte. Zudem ist die Monte dei Paschi zwar die erste je gegründete Bank, aber nicht viel mehr als eine Provinzbank. Der Kauf war nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht ein Fehler, sondern verstieß auch gegen EU Regeln. Trotzdem wurde die Transaktion von der italienischen Finanzaufsicht genehmigt, deren verantwortlicher Chef war: Mario Draghi. Als Boss der EZB darf dieser jetzt nicht nur unsere Steuergelder für zweifelhafte Zwecke missbrauchen, sondern ungestört die Spuren seiner damaligen Verfehlungen verwischen. Statt im Gefängnis geläutert zu werden, adelt man seine unsauberen Geschäfte. Die in der Finanzkrise 2008 geborene Floskel Too-big-to-fail mutiert inzwischen nicht umsonst zu Too-big-to-jail. Die Geldzocker haben sich über das Gesetz erhoben bzw. unfähige Politiker haben dies zugelassen und durch ihre Untätigkeit unterstützt, ja geradezu gefördert. Die dunkle Macht hat gewonnen … für ein Happy-End muss man ins Kino gehen.
⇒ arte (bis 10.02.2018 verfügbar // ⇒ arte (bis 12.03.2018 verfügbar)

Der giftige Apfel


06.12.2017

Der einmal angebissene Apfel erweckt nicht umsonst die Verknüpfung zum – hoffentlich – bekannten Märchen von Schneewittchen. Wie dort wird der hiesige mit allerlei verführerischen Versprechungen angepriesen. Einzige Abweichung ist, dass heutzutage kein Tiefschlaf folgt, sondern die Verwandlung in einen seelenlosen Zombie. Anders lassen sich flächendeckende Vorgänge nicht deuten. Völlig überteuerte Produkte, die noch immer unter Beteiligung Minderjähriger in Überstunden hergestellt werden, trotz monotoner Wiederholung dieses unterlassen zu wollen. Zudem die Arbeitsbedingungen und Entlohnungen derart unwürdig sind, dass sich niemand aus der übersättigten Welt diesen freiwillig aussetzen würde. Die unverschämten Gewinne werden mit Argusaugen gehortet und die winzigste Gelegenheit ausgeschöpft, um keinen Cent davon abzugeben. Letzter Coup war die Aufnahme eines Milliarden schweren Kredits im Heimatland, obwohl dafür ein Griff in die Portokasse gereicht hätte. Mit diesem Kniff ließ sich der dortige Gewinn reduzieren. Erneut mit dem Ziel, bloß nichts herzugeben. Unvorstellbare Barreserven werden in weitestgehend Abgabe freien Ländern geparkt, wobei eine Oase ohne jeglichen Tribut für den Geldspeicher bereits gesucht wird. Gewiss sind diese Abzüge misslich, allerdings unterliegt jeder Einzelne diesen. Es ist ein gesamtgesellschaftlicher Beitrag, an dem die Gemeinschaft auf anderen Wegen wieder partizipiert. Wer lediglich nimmt, aber nicht geben will, ist hochgradig asozial. Ein widerlicher Schmarotzer. Heimliche Tricksereien gleichen dem eines niederträchtigen Diebs. Schamlos, ohne den Hauch eines Gewissens, wird den Opfern die auf Hochglanz polierte Ware schmackhaft gemacht. Hämisch über jeden gelacht, der zubeißt und die Kassen klingeln lässt. Diese Frucht wird von einem durch und durch hässlichen Unternehmen gereicht. Durchtrieben und abgrundtief verachtenswert. Uneinsichtig werden kritische Stimmen ignoriert oder mundtot gemacht und vermeintliche Trittbrettfahrer gnadenlos zerdrückt - für Rechtsanwälte sitzt das Geld locker. Geradezu infam präsentiert es sich selbst als Opfer, weil man stets Gesetzeskonform handeln würde. Geschickt wird dabei vertuscht, dass Profitgier weit über soziale Verantwortung und Beteiligung steht – welche unbekannte Fremdwörter sind. Bei aller Abartigkeit sind Hoffnungen auf ein zivilisiertes Ende leider vergebens – zu viele wurden inzwischen vergiftet.
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Untergang der Flaggschiffe


23.11.2017

Mega Versprechen – Mega Funktionen – Mega Design – Mega Benutzererlebnis. Die Superlativen reichen kaum, um den Stolz der Hersteller in Worte zu fassen. Man muss diese Boliden einfach selbst besitzen, sonst kann man nicht mitreden. Allen voran haben in den letzten Wochen Apples neues iPhone X und Googles Pixel 2 die Schlagzeilen bestimmt … und wie: Einbrenneffekte, senkrechte grüne Linien, Kälte legt Touchscreen lahm, schnell platzendes Glasgehäuse, taube Ränder, leicht auszutricksende Entsperrung, extreme Reparaturkosten … um nur die haften gebliebenen zu nennen. Wohl gemerkt Geräte, die erst wenige Tage auf dem Markt sind. Google sah sich gar genötigt die Garantiezeit zu verlängern. Beide Unternehmen haben scheinbar nicht nur an der Qualitätskontrolle, sondern auch an Hard- und Software gespart. Apple hat inzwischen wie viele Updates hinterhergeschoben? Drei? Vier? Egal, vielleicht nutzen die Apple Mitarbeiter lieber Android Smartphones, weil sie keinen Frust schieben wollen. Dienen die offensichtlichen Sparmaßnahmen wenigstens dazu die Geräte zu einem moderaten Preis anzubieten? Wer glaubt, die beiden reichsten Unternehmen entdecken Moral und Vernunft, wird brutal aus seinen Träumen gerissen. Für das neue iPhone X wandern mindestens 1.150 Euro über den Ladentisch. Möchte man angesichts des unverschämten Preises lieber zum Vorgänger greifen, hat die gewieften Strategen aus Cupertino unterschätzt. Deren Verkaufspreise wurden großzügig angepasst – nach oben. Zu allem Überdruss mimt Apple Chef Tim Cook das Unschuldslamm und hält das iPhone X für preiswert. Bekanntlich geht schlimmer immer. Der eigentliche Skandal ist, dass die Geräte nicht in den Warenlagern verstauben, sondern von sabbernden Jüngern mit fiebrigen Blick gierig leer gekauft werden. Fassungslos schweift der Blick zum #kurzhalt Verantwortungslose Erdenbewohner
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Amazon nutzt menschliche Schwäche aus


25.09.2017

Geschickter kann man es kaum anstellen, wie Amazon Bürgermeistern amerikanischer Großstädte den Schweiß aus den Poren treibt und hektischen Aktionismus auslöst. Der größte Online Händler hat da mal in den Raum geworfen, er suche einen Standort für eine zweite Zentrale. Die Aussicht auf 50.000 Arbeitsplätze lässt nun jede Vernunft und Anstand über Bord gehen. Wie in einer Casting-Show machen sich gestande Politiker zum Affen. Bereits ansässige Unternehmen in den Städten dürften vor Verwunderung die Augen austreten, ob der Zusagen die Amazon für eine Ansiedelung erhält. Natürlich ist dies ein gängiges Prozedere, obwohl hier scheinbar doch recht extrem gepokert wird. Darum geht es auch nicht. In obzöner Weise offenbart sich eine menschliche Schwäche, die Amazon gnadenlos ausnutzt: Gier! Nun kennt sich Amazon damit Bestens aus, ist es doch selbst unersättlich und spielt die Klaviatur der Nutzer Sehnsüchte inzwischen fast fehlerfrei. Für ein erstklassiges Filet wird der Mensch nun mal zum Tier. Deshalb ist der Schachzug zwar geschickt, aber vor allem ist er Nahe liegend. Die Frage ist nur, ob die Reaktion die einzig mögliche ist? Und das ist der springende Punkt. Nein, ist sie eben nicht! Statt sich gegenseitig zu zerfleischen, kann man den Spieß auch umdrehen. Nicht nachgeben; nicht zu Kreuze kriechen; nicht nach Amazons Pfeife tanzen, sondern mit den eigenen Waffen schlagen und auf maximalen Ertrag setzen. Klar ginge das, wenn sich die Bürgermeister absprechen. Aber da taucht die nächste Fehlbarkeit des Menschen auf: Einer tanzt immer aus der Reihe und die Schlacht beginnt von Vorne.
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